15.

208 18 0
                                        

„Wollen wir etwas zu Abend essen?", schlägt Will vor, als wir unsere Schuhe ausziehen.
„Ja, gerne. Ähm...hättest...hättest du vielleicht...ein T-Shirt oder so für mich?", frage ich verlegen.
„Klar. Ähm, würde es dir etwas ausmachen für uns zu kochen? Das klingt total bescheuert, aber es hat lange keine Frau mehr für mich gekocht und ich bin nicht besonders talentiert in der Küche, im Gegensatz zu dir. Ich könnte in der Zwischenzeit ein Shirt für dich holen." überlegt er und sieht mich bittend an.
Ich nicke grinsend: „Okay, aber nachdem du mir das Shirt geholt hast kannst du mir zumindest etwas helfen. Solange dein Arm das aushält, natürlich."
Auch er nickt und zeigt kurz in Richtung der Küche, obwohl ich mich natürlich vom letzten Mal noch daran erinnere.
Jetzt kann ich sie endlich komplett sehen. Er hat eine Eckküchenzeile, wie Dan und Josy, aber bei ihm steht in der Mitte eine Kücheninsel. Wahnsinn, diese Küche ist traumhaft und sieht modern aus. Aber hier und da kann ich auch Gebrauchsspuren entdecken und muss über seine Worte schmunzeln. Scheint nicht so, als würde er selten kochen, aber vielleicht will er sich auch einfach nicht vor mir blamieren.
Leise verschwindet er die Treppe hoch, während ich sowohl Kühlschrank, als auch Schränke in seiner Küche durchstöbere.
Die Sweatjacke von Will ziehe ich aus und bringe sie kurz ins Wohnzimmer. Dann gehe ich zurück und denke angestrengt nach. Etwas Gemüse kann ich finden. Davon werde ich einen Salat machen, beschließe ich und stelle die Sachen dafür bereit.
Jetzt fehlt noch die Hauptspeise. Dies gestaltet sich etwas schwierig, weil ich keine Ahnung habe, was er mag und was nicht. Außerdem möchte ich ihn nicht enttäuschen, da er sich so gefreut hat, dass "eine Frau" mal wieder für ihn kocht. Der Gedanke lässt mich schmunzeln.
Dann finde ich Putenfilet, Zwiebeln, Sahne, Champignons und Kartoffeln.
„Hast du Weißwein? Und Soßenbinder?", rufe ich hoch.
„Weißwein ist im Schrank unter dem Herd. Und Soßenbinder müsste in der Schublade ganz links sein.", antwortet er und ich finde die gesuchten Dinge tatsächlich dort, wo er gesagt hat.
Die Nudeln stelle ich in einem Topf mit Wasser auf den Herd auf der Kücheninsel.
Ein weiterer Topf mit Butter kommt dazu und ich schneide daneben das Putenfilet in feine Streifen.
Will kommt die Treppe wieder runter, doch seine Schritte enden abrupt. Ich kann seinen Blick auf mir deutlich spüren, doch ich tue als würde ich ihn nicht bemerken.
Die Putenstreifen gebe ich in den Topf, während ich die Zwiebeln schneide. Keine gute Idee, stelle ich fest, als meine Augen zu Tränen beginnen. Vermutlich sehe ich jetzt total verheult und schrecklich aus.
Auch die Zwiebeln landen im Topf.
Schniefend drehe ich mich zur Spüle und wasche erst meine Hände und danach mein Gesicht.
Langsam wende ich mich um und sehe Will nun doch an, der an der Wand zwischen Flur und Küche lehnt.
Seine Augen fahren über meinen Körper und mein Bauchkribbeln wird noch schlimmer. Als mein Blick auf das schwarze Shirt in seiner Hand fällt, wird mir bewusst, dass ich in BH hier stehe und werde etwas rot.
Will folgt meinem Blick und sagt hektisch: „Achso ja, das Oberteil. Hier bitte."
Er kommt auf mich zu und ich nehme es ihm aus der Hand und streife es über.
Das T-Shirt ist viel zu groß, doch ich kann seinen Geruch daran wahrnehmen und so macht es mir nichts aus.
„Könntest du ein paar Salatblätter waschen und etwas zerkleinern?", bitte ich ihn und stelle die Herdflamme kleiner.
Ohne auf seine Antwort zu warten, schneide ich die Pilze, um sie dann auch in den Topf zu geben.
Danach drehe ich mich zu ihm und wasche mit ihm zusammen das Gemüse.
Jedes Mal wenn sich unsere Arme berühren jagen Stromschläge durch meinen Körper.
Ich schneide das Gemüse blitzschnell und sehe fragend zu Will, der mir fasziniert zusieht, anstatt zu arbeiten.
„Hey, du sollst helfen und nicht herumstehen.", tadle ich ihn gespielt böse.
„Wie machst du das so schnell?", fragt er ehrfürchtig und ich grinse.
„Ich zeig es dir.", beschließe ich und stelle mich schräg hinter ihn.
Tief atme ich seinen Duft ein, bis ich mir der Situation bewusst werde. Seine unverletzte Hand mit dem Messer halte ich schräge über den Paprikastreifen.
Meine andere Hand hält seine und ich lege sie auf die Paprika.
„Mit der linken Hand hältst du die Paprika jetzt fest. Wenn es wegen deinem Arm nicht geht, hörst du auf! Und sei vorsichtig mit deinen Fingern!", warne ich ihn nachdrücklich und bewege seine rechte Hand in schnellem Tempo hoch und runter.
„Aaaah!", schreit er plötzlich und hält sich seine linke Hand.
„Was ist los?", frage ich panisch.
„Mein Finger. Aua! Du hast in meinen Finger geschnitten!", ruft er mit schmerzerfülltem Blick.
„Was?!", frage ich und sehe erschrocken zwischen seinem Gesicht und seiner Hand hin und her.
„Scheiße! Es tut mir so leid! Was machen wir denn jetzt?!", sage ich den Tränen nahe. Plötzlich fängt er an zu lachen und ich sehe ihn irritiert an.
„Dein Blick...hahaha... Oh Mann...hahaha...du hast das echt geglaubt!", lacht er und hält sich den Bauch.
„Du Arschloch! Ich dachte ich hätte dir den Finger abgeschnitten! Das ist nicht lustig!!!", sage ich wütend und schlage ihm auf den Oberarm.
„Tut...hahaha...tut mir leid!", bringt er ziemlich unglaubwürdig heraus.
Zornig drehe ich mich weg und bereite die Soße zu.
Meine Hand zittert immer noch von dem Schock und fahrig streiche ich mir die Haare aus dem Gesicht.
„Es tut mir wirklich leid.", entschuldigt Will sich diesmal weitaus glaubwürdiger und schlingt von hinten die Arme um mich. Überrascht verharre ich in der Bewegung.
Einen Augenblick genieße ich seine ungewohnte Nähe und flüstre dann erschöpft: „Mach das nie wieder. Ich hatte den Schock meines Lebens."
„Versprochen!", antwortet er und lässt mich los, um das restliche Gemüse mit dem Salat zu mischen.
Ich hole Teller aus einem Schrank. Die Nudeln sind fertig und ich verteile sie gleichmäßig.
Das Geschnetzelte gebe ich zu der Soße, die Will mit dem Soßenbinder und Gewürzen verfeinert hat. Er scheint nicht besonders untalentiert zu sein.
Den Salat verteilt er auf den kleinen Tellern und trägt diese ins Wohnzimmer.
„Weißwein dazu?", schlägt er vor und ich nicke. Mit Besteck, Gläsern und dem Wein verschwindet er wieder ins Wohnzimmer.
Doch er geht nicht in Richtung Sofa, welches ich von hier gut überblicken kann, sondern verschwindet rechts daneben um eine Ecke.
Ich gebe nun auch das Geschnetzelte und die Soße auf die Teller und gehe Will hinterher.
„Stopp. Augen zu.", verlangt er plötzlich und ich tue gehorsam was er sagt.
„Okay, Augen wieder auf.", sagt er wenige Augenblicke später und ich gehe die letzten Schritte weiter.
„Wow", hauche ich verblüfft.
Ein Esstisch aus dunklem Holz steht vor mir, darauf zwei hohe, brennende Kerzen.
Das sonst eher dunkle Zimmer wird dadurch in ein warmes Licht getaucht. Über den Tisch hat er ein paar weiße Blütenblätter verteilt. Er ist einfach unglaublich süß!
„Setz dich.", sagt Will und nimmt mir die Teller ab. Ich lasse mich ihm gegenüber auf einen Stuhl sinken.
Er hebt sein Weinglas und prostet mir zu: „Auf einen schönen Abend. Und darauf, dass du heute Nacht meine Krankenpflegerin spielst."
Ich stoße mit ihm an und nehme einen Schluck von dem leckeren Wein.
Zuerst essen wir den Salat. Dabei unterhalten wir uns über alles mögliche. Mit ihm kann ich stundenlang reden, ohne nach einem Gesprächsthema zu suchen und das peinliche Pausen entstehen. Aber man kann auch einfach nur Schweigen, ohne dass es unangenehm wird.
Dann probieren Will und ich gleichzeitig das Hauptgericht. Ich bin etwas nervös und bete, dass er das Essen mag.
Mir schmeckt es, aber da ich keine Ahnung von seinem Geschmack habe, beobachte ich sein Gesicht ganz genau.
Er sitzt kauend, aber emotionslos da und ich halte es einfach nicht mehr aus.
Unruhig auf meinem Stuhl hin und her rutschend frage ich aufgeregt:"Und?"
„Sehr lecker!", befindet er schließlich und ich atme erleichtert aus.
Schon nach kurzer Zeit sind unsere Teller leer. Weil Will zwischendurch immer mal wieder seinen verletzten Arm hin und her gedreht hat und schmerzhaft das Gesicht verzogen hat, weise ich ihn an, sich schon auf das Sofa zu setzten.
Währenddessen räume ich den Tisch ab. Er will protestieren, aber ich winke ab und beteuere, dass ich das gerne mache.
Als alles im Geschirrspüler verschwunden ist, räume ich auch die Küche auf und wische mit einem Lappen die Arbeitsflächen, den Herd und den Tisch ab.
„Du musst das doch gar nicht alles machen. Ich könnte das auch übernehmen. Immerhin hab ich nicht zugestimmt, dass du hier bleibst, damit du meine Küche putzt.", sagt Will verlegen und ich setzte mich mit den Weingläsern neben ihn.
„Das ist kein Problem. Jetzt hör auf dir so viele Gedanken zu machen und genieße den Abend.", befehle ich ihm.
Er hat den Fernseher eingeschaltet und so sehen wir uns einen Film an.
Seinen unverletzten Arm hat er hinter mir auf die Lehne gelegt und ich rücke etwas näher zu ihm.
So könnte ich stundenlang dasitzen. Seine Nähe spüren, sein Geruch vernebelt meine Sinne, seinem gleichmäßigen Atmen lauschen. Ich muss einen glücklichen Seufzer unterdrücken und kuschle mich stattdessen unauffällig noch etwas mehr an ihn und versuche dem Film zu folgen.
Als Will zum wiederholten Mal versucht eine bequemere Position für seinen verletzten Arm zu finden und dabei gequälte Laute ausstößt, richte ich mich auf.
„Darf ich?", bitte ich und lehne mich zu seinem Arm. In einem Anflug von Mut hauche ich sanfte Küsse rund um den Verband und er zieht scharf die Luft ein. Mein Herz klopft wie wild.
„Besser?", frage ich und sehe zu ihm hoch.
Verlangen spiegelt sich in seinen, und vermutlich auch in meinen, Augen und eh ich mich versehe liegen seine Lippen auf meinen.
Wie lange habe ich darauf gewartet! Es ist der Wahnsinn, seine Lippen sind weich und rau zugleich. Ganz sanft und vorsichtig bewegen sich seine Lippen auf meinen und ich dränge mich näher an ihn. Meine Arme verschränke ich in seinem Nacken und seine Hände streichen über meinen Rücken, bis sie auf meinem Hintern liegen bleiben.

*William*
Der Schmerz ist schon lange vergessen.
Ich musste es einfach tun und es war definitiv die richtige Entscheidung. Ihre Küsse bringen mich um den Verstand. Es wird immer leidenschaftlich und ich schiebe sie sanft von meinem Schoß. Atemlos, mit geröteten Wangen, sieht sie mich enttäuscht an. Ich muss Lächeln und streiche ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
„Komm", sage ich und ziehe sie hinter mir her die Treppe in mein Schlafzimmer rauf.
Dort lege ich meine Hände an ihre Wangen und küsse sie wieder.
Ihre warmen Finger wandern unter mein Shirt und ich stöhne verhalten auf.
Mit einer schnellen Bewegung zieht sie es mir aus und wirft es auf den Boden, um mich dann wieder um den Verstand zu Küssen.
Auch ihr, naja eigentlich ja mein, Shirt streife ich ihr ab und fummle dann am Knopf ihrer Jeans herum.
Ich bin nervös wie noch nie und brauche ein paar Anläufe bis ich ihr diese endlich von den Hüften schieben kann.
Schneller als ich gucken kann, fällt auch meine Hose und wir betrachten uns gegenseitig hungrig.
Sie ist wunderschön und absolut perfekt.
Würde ich nicht dieses brennende Verlangen in mir spüren, könnte ich sie ewig ansehen.
Ich mache einen Schritt auf sie zu und ziehe sie wieder ganz nah an meinen Körper. Eine Hand vergrabe ich in ihren Haare, mit der anderen fahre ich die Konturen ihres Körpers nach und freue mich innerlich wie ein Kind darüber, dass sie Gänsehaut bekommt. Ihre Erregung ist kaum zu übersehen und ich dränge sie langsam in Richtung Bett. Sanft lege ich sie drauf ab und ziehe ihr auch noch BH und Slip aus.
Atemlos liegt sie da und lächelt mich vorfreudig an. Ich entferne auch meine Shorts und krabble zu ihr ins Bett.

*Amanda*
„Das war...unglaublich!", keuche ich glücklich und kuschle mich an Wills Brust.
„Oh ja", stimmt er mir zu und küsst meinen Kopf.
„Wie geht es deinem Arm?", fällt mir siedend heiß ein. Einen kurzen Moment bleibt es still.
„Alles gut.", antwortet Will schließlich und ich nicke.
Erschöpft drehe ich mich und schlinge einen Arm um seinen Bauch.
„Schlaf schön, Engel.", höre ich Will flüstern, doch ich bin schon fast im Reich der Träume und kann nicht mehr antworten.

HeimatlosWo Geschichten leben. Entdecke jetzt