Kapitel 20

2.2K 60 14
                                        

Staunend drehte ich mich im Kreis herum. Isabel hatte ganze Arbeit geleistet, sowie immer, wenn sie mich einkleiden durfte. Ich selbst steckte in einem roten Kleid und silbernen Schuhen. Das Kleid war oben eng mit Spitze verziert und fiel dann in einigen Schichten Tüll sanft an meinen Beinen herab. Vorne war es kurz geschnitten, dafür war es hinten umso länger. Ich hatte also genug Beinfreiheit, um mich nicht zu blamieren, weil ich mich auf die Nase legte. 

Isa hingegen hatte sich selbst ein zweifarbiges Kleid mit Spagettiträgern rausgesucht. Es hatte einen herzförmigen Ausschnitt und waren oben herum gänzlich weiß. Ein schwarzer Gürtel war der Übergang zu dem rosa farbigen Rock. Ebenso wie bei mir fiel das Kleid vorne kürzer aus als hinten. Keiner von uns war geschminkt, da uns dazu die Utensilien fehlten, außerdem wollten wir es nicht übertreiben. Wir wollten einfach nur hübsch aussehen und vielleicht die anderen Mädels in den Schatten stellen. Aber nur vielleicht...
"Wir sehen bezaubernd aus", lächelte Isa mich an. Meinem Zimmer fehlte es zwar an einem Spiegel, aber ich vertraute auf den Modegeschmack meiner besten Freundin. 
"Du hast dich selbst übertroffen, vielen Dank", meinte ich ehrlich und umarmte sie feste. 
"Vielleicht sollten wir mal nach den Jungs sehen, immerhin sind die schon ganz schön lange weg.", schlug Isa vor. Jetzt wo sie es erwähnte wurde auch ich misstrauisch, bei Juli hatte sie doch auch nicht solange gebraucht, oder?
"Du hast Recht", stimmte ich ihr zu und ging voraus. Auf halben Weg zu Düsentriebs Werkstatt kam uns mein Bruder entgegen. Er sah nicht halb so schlimm aus wie Juli, doch trotzdem konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Marlon störte sich jedoch nicht daran, denn sein Blick klebte förmlich an meiner besten Freundin. 
"Wo ist Markus?", fragte ich misstrauisch. Isa amüsierte es offenbar, dass Marlon die Spucke wegblieb, sodass ich wahrscheinlich noch Jahre auf eine Antwort hätte warten können. 
"Du... Ihr seht seht g-gut aus", stammelte er. Das Déjà-vu an meinen ersten Geburtstag zurück in Grünwald ließ mich selig lächeln und meine Eifersucht für einen Moment vergessen.
"Hat sich da etwa jemand in meine beste Freundin verguckt?", fragte ich um der alten Zeiten Willen. 
"Aber sowas von", grinste er. Ohne weitere Worte zog er sie an sich ran und küsste sie, beide ein Lächeln auf den Lippen. 
"Marlon?", fragte Isa worauf sie ein zustimmendes Brummen vom ihm erhielt, "Deine Schwester hatte dich etwas gefragt."
"Oh ähm ja... Markus... Zu dem muss sie noch einen passenden Look finden, hat Düsentrieb gesagt", antwortete er mir nun doch. 
"Aha", grummelte ich und setzte meinen eigentlichen Weg fort. Marlon und Isabel hingegen verzogen sich wieder in mein Zimmer. Mit der Hand an der Türklinke von Düsentriebs Werkstatt hielt ich kurz inne. 

'Okay Clary, was auch immer gleich passiert, du wirst keine Eifersuchtsszene machen. Einfach immer schön ruhig bleiben!', vereinbarte ich mit mir selbst.

Ich erwartete schon das Schlimmste, als ich mich endlich dazu durchrang einzutreten. 
"Hey halt, was machst du da?", ertönte Markus Stimme. Daraufhin ein Klappern und ein frustriertes Seufzen.
"Verdammt! Ich hab's vermasselt! Ich war viel zu stürmisch, oder?", fragte Düse kleinlaut. Markus Antwort konnte ich nur erahnen da ich die beiden noch immer nicht sehen konnte.
"Dabei hab ich doch nur eine Nacht um dich zu verführen!", meinte sie. Ich biss tapfer die Zähne zusammen, ich durfte nicht vorschnell handeln, sonst würde das Ganze hier wie in einem romantischen Teenie-Drama ausgehen. 
"Beim heiligen Drakul, Blossom kann das viel besser als ich", brachte sie enttäuscht hervor. 

'Oh das glaub ich gerne, mit Sicherheit verführt diese gerade ein weiteres Mitglied unserer Mannschaft'

"Ich weiß nicht wieso du das tust, da du offensichtlich ein viel größeres Interesse an einem anderen Jungen hast, aber... Ich bin schon vergeben und du kannst nichts tun damit sich das jemals ändert, denn ich liebe Clary. Sie ist die Einzige für mich und das wird sie auch immer bleiben", wandte sich Markus an sie. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht und mir wurde augenblicklich warm ums Herz. Zwar wusste ich das Markus so fühlte, aber es war eine Wohltat es ihn laut sagen zu hören. 
"Sie hat wahres Glück mit dir, aber du hast Recht. Mein Herz hat schon ein anderer von euch gestohlen", sagte Düsentrieb hörbar erleichtert Markus nichts vorspielen zu müssen. Leise verließ ich die Werkstatt und machte mich auf den Weg in die Halle, wo das Fest stattfinden sollte. 

Auf dem Weg dahin traf ich Raban, Joschka, Juli, als auch die zwei Turteltäubchen von vorhin.
"Wo ist Markus?", fragte Isa als wir neben einander liefen.
"Er kommt mit Sicherheit gleich", mein Lächeln wurde noch eine Spur breiter als ich an seine Worte zurück dachte. Isabel nickte zufrieden und hackte sich bei Marlon ein.
"Du siehst übrigens auch toll aus Schwesterherz", raunte er mir zu lächelte sichtlich stolz auf seine kleine Schwester. 
"Ich wünschte Leon könnte bei uns sein", flüsterte ich zurück.
"Das wird er bald wieder, versprochen", murmelte Marlon während wir die große Halle betraten. 

Wir beide wussten in diesem Augenblick nicht, ob wir dieses Versprechen auch wirklich einhalten könnten. Doch trotzdem hatte sich jeder im Stillen geschworen, nicht eher von hier wegzugehen, bevor wir es nicht immerhin mit allen Mitteln und Zwecken versucht hatten.  

Hi,
Ja ich hab auch mal wieder ein Kapitel zustande gebracht, etwas kleiner als sonst aber besser als nichts 😅
Ich habe für Clary's und Isabel's Kleider diesmal extra keine Bilder genommen, dit ihr selbst eure Fantasie spielen lassen könnt.
Bis zum nächsten Kapitel!

Eure Alina 🌹

DWK - Hinter dem HorizontWo Geschichten leben. Entdecke jetzt