Han Jisung liebte das Meer.
Er fand es faszinierend, wie der Ozean so viel sein konnte. Es konnte stürmisch und wild und unbändig sein, jedoch auch still und tief und atemberaubend. Das Meer konnte Ruhe ausstrahlen, sich im nächsten Moment aber in eine ungestüme Bestie verwandeln, die alles und jeden verschlang. In vielerlei Hinsicht war das Meer wie er. Er hatte früh gelernt auf eigenen Beinen zu stehen, da seine Eltern ihn bei dem, was er liebte, nicht unterstützten. Zu Anfangs war er deswegen verletzt gewesen, doch mit der Zeit hatte er sich eine kleine eigene Welt aufgebaut, wo ihm niemand etwas vorschreiben konnte. Und er genoss es, kostete jede freie Minute davon aus, denn das Leben war kurz. War wild und unbändig und frei. Er nahm kein Blatt vor den Mund und suchte sich immer etwas neues.
Allerdings kam vor einiger Zeit jemand in sein Leben. Man konnte es einen Kollateralschaden nennen, denn dieser jemand brachte alles aus dem Konzept. Brachte ihn aus dem Konzept. Und Jisung musste sich das vor Augen führen, was er sich früh beigebracht hatte und zwar, dass das Leben nicht nach Plan verlief. Es war nicht geplant, dass sie sich trafen, es war nicht geplant, dass sie mehr miteinander zu tun hatten. Vor allem war aber nicht geplant, dass Jisung Gefühle für diesen jemand entwickeln würde. Nicht nach so kurzer Zeit. Er war sich nicht sicher, was es war, nichtsdestotrotz war es da! Und das störte ihn.
"Willst du die Enten weiterhin beim Brot zerhacken zu sehen oder gehen wir weiter?"
Verwirrt schüttelte Jisung den Kopf und starrte in das attraktive Gesicht von Minho. Kurz räusperte er sich und löste sich von den Enten, um zum nächsten Gehege zu spazieren. Da das Wetter schön war, hatten sie sich entschieden in den Zoo zu gehen. Okay, viel mehr war es Jisungs spontane Idee gewesen den Älteren einfach mitzunehmen. Und nun liefen sie seit einer halben Stunden an Gehegen vorbei, in denen es sang, und brüllte und grollte und schrie, man das Plätschern von Tieren im Wasser hörte oder Gebüsche raschelten, in denen sich diverse Waldbewohner versteckten. Während sie weiter liefen, überlegte Jisung, ob er dem Braunhaarigen erzählen sollte, dass er ihn mochte. Mehr als nur einen Kumpel, und mehr als nur einen Bekannten. Der Blonde musste sich automatisch fragen, ob Minho schon einmal eine Freundin hatte oder ob er überhaupt schwul oder bi oder pan oder asexuel war?
"Ich hatte bisher weder einen Freund noch eine Freundin", hörte er Minho sagen, was Jisung zum Stehen brachte.
"Was?"
Der Braunhaarige verdrehte schmunzelnd die Augen.
"Du hast laut gedacht, Hohlbirne."
"Und du bist ein Vollidiot", setzte der Blonde zur Antwort an und stiefelte vorne weg. Er verfluchte sich selbst, wieso hatte er laut gedacht? Das war absolut unpassend, aber nichtsdestotrotz hilfreich, schließlich wusste er nun, dass der Ältere kein Geschlecht bevorzugte. Jedoch brachte ihn das nicht wirklich weiter. Sollte er es ihm erzählen? Sollte er sich wagen, ihre Was-auch-immer-Beziehung zu gefährden?
Sie hielten an einer Art kleinen Kreuzung an. Links ging es zu den Kamelen, während zu ihrer rechten Essensstände aufgestellt waren.
"Ich geh kurz zur Toilette. Du wartest hier, okay?", sagte Minho und Jisung salutierte spaßeshalber, was ihm ein Schlag auf dem Oberarm von dem Braunhaarigen einbrachte. Dann war er in der kleinen Mengen an Leuten, die Ihnen entgegenkam verschwunden.
"Schätzchen, ich rate dir, nicht zu lange zu warten."
Jisung drehte sich um. Eine ältere Dame mit Gehstock stand ihm gegenüber. Ihre ergrauten Haare waren in einem Dutt zusammengebunden. Ihre kleine Nase und die große Hornbrille ließen sie richtig niedlich erscheinen.
"Wie meinen Sie das?", fragte der Blonde höflich und schaute sicherheitshalber nach Minho.
"Ich habe deinen Blick gesehen. Du magst ihn, weswegen ich dir rate nicht zu lange zu warten. Die Erde dreht sich immer und immer weiter, wenn du nicht aufpasst, ist er weg."
Ihre Worte erwärmte ihn und ein kleiner Rotschimmer legte sich auf seine Wangen. Sie hatte vollkommen Recht. Selbst wenn es nichts werden würde, konnte er sagen, dass er es gewagt hatte.
"Danke", sagte er bloß und schenkte ihr ein Lächeln. Sie entgegnete ihm das Gleiche.
"So, jetzt muss aber wieder los. Meine Enkel warten! Ich wünsche euch viel Glück. Möge euer Weg lang und aufregend sein!"
Mit ihrem Gehstock humpelte sie davon.
"Was wollte die Oma von dir?"
Jisung blickte Minho an, nahm seine Hand und zog ihn mit sich. Sie liefen wieder durch den Park, zumindest zerrte der Blonde den Braunhaarigen hinter sich her. Bis sie an einem etwas ruhigeren Ort gekommen waren.
Jisung atmete tief ein, sammelte Worte zusammen, die er dem Braunhaarigen sagen konnte. Er hielt immer noch Minhos Hand.
"Ich verliebe mich gerade in dich. Nicht vielleicht, nicht morgen, nicht irgendwann, sondern jetzt, gerade, in diesem Moment. Ich fange an etwas zu verstehen. Ich brauche dich. Für eine lange Zeit war ich der Meinung, ich brauche niemanden. Ich kam allein zurecht, war glücklich allein. Ich vertraute niemandem, aber ich vertraue dir, warum auch immer. Ich bewundere dich und ich möchte, dass du zu mir gehörst. Es wäre mir egal, wenn ich falsch liege oder du, es wäre mir egal, wenn wir streiten würden oder sauer auf einander sind, aber nichts, nichts auf dieser Welt könnte etwas an dem Fakt ändern, dass ich dabei bin dir zu verfallen. Mehr und mehr. Tiefer und tiefer."
Jisung stoppte. Ihm gingen die Worte aus, wie einer Uhr, die neu aufgezogen werden musste. Minho starrte ihn an und starrte und starrte und starrte, als wäre die Zeit für ihn stehen geblieben. Sie standen vor dem Tigergehege, wo eine Großkatze sie beide mit undurchdringlichen Augen musterte. Sie musste die Spannung zwischen ihnen fühlen. Und zum ersten Mal in seinem Leben hatte Jisung schreckliche Angst. Viel mehr, als zum damaligen Zeitpunkt, wo seine Eltern meinten, sie würden ihm bei seiner Polizeiausbildung nicht unterstützen. Viel mehr, als er zum ersten Mal schießen musste, oder seine Fahrprüfung bestanden hatte. All diese Dinge erschienen ihm im jetzigen Moment wie kleine Fliege, während Minho vor ihm ein Eisberg war. Würde er ihn ablehnen, würde der Eisberg auf ihn niederschmettern, war er sich nicht sicher, ob er das überstehen würde. Sowas hatte er schließlich noch nie erlebt, nie gefühlt, nie genossen. Der Blonde nahm die Veränderung in Minhos Körperhaltung wahr. Es war keine Abneigung und ihm nächsten Moment fand sich Jisung in einer Umarmung wieder.
"Ich muss gestehen, ich bin unersättlich für deine Liebe. Da sind diese Triebe in meinem Körper und sie drehen sich nur um dich. Und dieses Verlangen, jede deiner Fasern zu besitzen, zu lieben, dich an meiner Seite zu verlangen. Dieses Verlangen hat kein Ende."
Minhos Worte ließen ihn erschaudern, ließen ihn in seinem Armen wohlig aufseufzen. Die Erkenntnis, dass er in keinen Abgrund fallen würde, erleichterte ihn. Und selbst wenn er abstürzen würde, Minho wäre da, um ihn zu fangen.
Danach hatten sie den Zoo verlassen, um sich irgendwo was zu essen zu suchen, dass sie mit zu Minho nehmen konnten. Irgendwie fühlte sich Jisung unzerstörbar. Er hatte es ihm gestanden
Das hieß noch nicht, dass sie ein Paar waren.
Aber sie waren auf dem besten Weg dahin.
Eine Stunde saßen sie auf dem Balkon und aßen Ramen, welches sie unterwegs gekauft hatten. Der leichte Wind, der sie umgab, brachte eine angenehme Frische mit sich. Jisung seufzte wohlig und kuschelte sich an Minhos Schulter, als ihm ein Gedanke kam.
"Mit dem Herzen liebt man. Was ist, wenn er doch irgendwo Spuren hinterlassen hat", überlegte Jisung, als er mit seinen Stäbchen, einige Nudeln aus dem Topf fischte.
"So weit waren wir auch schon, du Schlauberger", verdrehte Minho die Augen. Jisung nahm eins der Kissen und warf es nach dem Älteren.
"Ich war ja auch noch nicht fertig, du Unmensch", rechtfertigte sich der Blonde und steckte ihm die Zunge raus.
"Liebe ist etwas Intimes. Etwas Heiliges. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Freund oder Täter, wenn er schon das Herz rausnimmt, es mit Handschuhen machen würde. Er muss es spüren. Es muss die Wärme des Herzens, des Blutes spüren, ja vielleicht auch das kaum merkliche Pumpen der Aterien, wenn sie noch vorhanden sind."
Bei dem Gedanken stichen ihm Eiskristalle über seinen Rücken. Es schüttelte ihn.
Die Eiswürfel des kühlen Getränkes, welches er hielt, klirrten bei der Kontraktion in seiner Hand. Minho hielt in seiner Bewegung inne, der Blonde beobachtete förmlich, wie sich die Rädchen in seinem Kopf drehten.
"Yoongi-Sunbaenim hat nie Fingerabdrücke in der Herzgegend gefunden."
Jetzt war es Jisung, der für einen Moment überlegte. Das Einzige, wo Fingerabdrücke vorhanden sein müssten, wäre das Herz. Es sei denn, der Täter hatte versehentlich etwas anderes berührt. Es musste nicht unbedingt die Herzgegend sein. Möglich wären auch die Rippen oder das Zwerchfell. Minho erhob sich und wandte sich zur Tür.
"Ich muss kurz telefonieren."
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Guten Abend, meine lieben Leser und Leserinnen! Weiter geht's! Diesmal weder Changbin noch Felix, sondern mein Bias!
Denkt ihr Jisung hat einen hinreichende Überlegung gebracht?
Links sieht man Minho und rechts Jisung
Feel free to comment!
Erin🌸
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Coffee Love {ChangLix}
FanfictionWas würdest du tun, wenn es Morgen nicht mehr geben würde? -Changbin Ich glaube, ich würde dir sagen, dass ich dich liebe. -Felix {Changlix} {Police AU} Boy x Boy Don't like, don't read! Nebenpairs: SeungJin Minsung JeongChan
