Kapitel 5

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Die letzten Tage habe ich dermaßen auf Freitag hingefiebert, dass ich mir schon selbst auf die Nerven gegangen bin mit meiner überschäumenden Vorfreude. Nun ist es endlich soweit und als ich kurz nach Mittag von meiner Arbeit nachhause komme, bin ich so aufgeregt, dass ich erstmal gar nicht weiß, wie ich die Zeit bis um 15:15 Uhr rumkriegen soll.

Also koche ich mir zuerst mal ein schnelles Mittagessen, von dem ich vor Nervosität nicht mal die Hälfte runterbringe. Gut, wärme ich mir das halt dann morgen auf. Danach widme ich mich ausgiebig der Schönheitspflege, inklusive Intimrasur. Man kann nie wissen, was der Tag noch bereithält.

Während ich unter der Dusche stehe, überlege ich kurz, ob ich einen kompletten Kahlschlag unten anvisieren soll. Nein, ich belasse doch ein kleines Dreieck, da ich meine Schambehaarung eigentlich mag, zumindest am Venushügel. Auf den Schamlippen und zwischen den Beinen habe ich es lieber ganz glatt.

Als ich aus der Dusche steige, betrachte ich zufrieden mein Werk im Spiegel. Ich fahre mit den Fingerspitzen über die krausen Löckchen, die eine Spur dunkler als mein blondes Kopfhaar sind. Was Paul wohl zu dem Anblick sagen würde? Würde es ihm gefallen? Allein der Gedanke daran, dass er mich so sehen könnte, macht mich schon feucht, aber ich habe jetzt keine Zeit, mich meinen plötzlichen lustvollen Anwandlungen hinzugeben. Außerdem ist es viel aufregender, erregt zu einem Treffen mit ihm zu erscheinen, als mich vorher noch schnell selbst zu befriedigen.

Um mich auf andere Gedanken zu bringen, föhne ich erstmal meine Haare und stecke sie dann zum Dutt hoch. Ein wenig Make-up kann nicht schaden, aber nur das äußerste Minimum, da ich kein Freund davon bin, mein Gesicht zuzukleistern. Ein Hauch von rosa Lipgloss und ein wenig Mascara und Puder, das muss reichen.

Mit Bedacht wähle ich einen elfenbeinfarbenen Spitzentanga und den passenden Balconette-BH, der meinen Busen ins rechte Licht setzt. Dann noch ein Paar hautfarbene halterlose Strümpfe. Wo ist denn dieses knielange dunkelblaue Leinenkleid, das ich mir vor Jahren von einem Urlaub aus Südfrankreich mitgebracht habe? Irgendwie habe ich nie die richtige Gelegenheit gefunden, es auszuführen. Das muss doch hier irgendwo sein. Ich krame in meinem Kasten herum, schiebe Kleider, Blusen und Hosen an der Stange hin und her. Da ist es ja. Schnell schlüpfe ich hinein, lasse den etwas rauen Stoff über meine Haut gleiten, schließe einen Knopf nach dem anderen entlang der Knopfleiste, die sich vorne über die ganze Länge erstreckt. Sieht eigentlich recht züchtig aus, aber doch irgendwie sexy. Ich binde den breiten Stoffgürtel, der meine schmale Taille betont, und drehe mich dann vor dem Spiegel, um den weit schwingenden Rock zu bewundern. Fast fühle ich mich ein wenig wie eine Film-Diva aus den 50-er Jahren. Nun fehlen nur noch die Schuhe. Da ich mich nicht mit unbequemen hohen Absätzen rumärgern will, lässige Turnschuhe aber komplett mein Outfit zerstören würden, fällt meine Wahl auf die schwarzen Lackballerinas.

Wie ein nervöses Schulmädchen vor dem Abschlussball tigere ich in meinem Wohnzimmer auf und ab und für einen kurzen Moment machen sich wieder Zweifel in mir breit. Ist das, was wir vorhaben, noch erlaubt oder überschreiten wir hier schon eine Grenze, von der es keine Wiederkehr mehr gibt? Mist, fast hätte ich mir meine schwitzigen Handflächen an meinem Kleid abgewischt. Ich angle mir schnell ein Taschentuch aus der Box vom Couchtisch. Bin ich jetzt wirklich im Begriff auf ein Date mit einem verheirateten Mann zu gehen? Will ich das? Die Antwort ist einfach. Ja, natürlich will ich. Aber darf ich das auch? Die Antwort ist genauso klar, glasklar. Nein, auf keinen Fall. Werde ich es trotzdem tun?

Ein Ping von meinem Handy nimmt mir die Antwort auf meine rhetorische Frage ab.

Bist du bereit?

Ja, ich bin bereit

Das ist die Antwort.

Ich schnappe mir noch schnell meine Strickweste und meine Handtasche und tripple aufgeregt die Stufen nach unten.

Der gestohlene MomentWo Geschichten leben. Entdecke jetzt