XII-Aufwecken

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Ja, ich lebe noch!

Harry's Antwort ließ nicht lange auf sich warten und schon in wenigen Tagen landete ein großes weiches Paket in Hermine's Schoß. Sie verspeiste grade eine der köstlichen Zimtschnecken, die auf dem Esstisch lagen, als die Eulen kamen.

Neville lugte Hermine über die Schulter, da Hermine die einzige war, die an diesem Tag ein größeres Paket bekommen hatte. Alle anderen Schüler mussten sich mit einfachen Briefen beglücken. Einige rissen die Briefe schnell auf und ihre Gesichter fingen an zu strahlen, während andere Trauermienen zogen und die Briefe schnell in eine Umhangtasche stopften.

Zwar hatte Hermine ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Geheimniskrämerei, aber sie entschied sich gegen die Einweihung von Neville oder Luna.  Sie verdeckte das Paket mit ihrem Umhang und lächelte Neville entschuldigend an. Dieser zuckte mit den Schultern und rückte, sichtbar gekränkt, weg.

Hermine konnte es kaum abwarten bis das Mittagessen vorbei war, da sie unbedingt einen Blick auf den Umhang werfen wollte. Sie hatte ihn natürlich bereits an Harry gesehen und ihn auch selber ausprobiert, aber sie hatte nie die Zeit gehabt, um dieses Wunderwerk genauer zu inspizieren.

Sie verabschiedete sich also hastig von ihren Mitschülern und verschwand mit dem Paket in einer kleinen Abstellkammer für Zauberkessel. Dieser Ort erschien ihr als der sicherste, da die meisten Schüler sich draußen beim Quidditchtraining vergnügten und die Lehrer sich wahrscheinlich bei McGonagall versammelten und dort nach Lösungen für das sogenannte Problem suchten. Eigentlich war das mehr eine Katastrophe, als ein Problem, aber solche Nachrichten verbreiten sich wie ein Lauffeuer und nach dem mühseligem Wiederaufbau der Schule, würde das dem  Ruf Hogwarts' ziemlich schaden.

Das Papier raschelte, als Hermine das Paket nicht grade zimperlich aufriss und ein mufflger Geruch, gefolgt von einer Staubwolke, schlug ihr entgegen. Obwohl sie wusste, dass sie in dem winzigen Kämmerchen alleine war, schaute sie sich vorsichtshalber um, bevor sie den Umhang aus dem zerrisenem Papierumschlag zog. Der Stoff war unscheinbar und man könnte meinen, dass bloß ein alter (und ziemlich geschmackloser) Zaubererumhang wäre. Aber Hermine wusste ganz genau, welche Kräfte dieser gemusterte Stoff verbarg. Sie konnte der Versuchung nicht widerstehen und legte sich den Umhang direkt um. Der Stoff bedeckte ihren ganzen Körper, aber ihr Kopf war unbedeckt und deshalb vermutete sie, dass ihr Kopf grade in der Luft zu schweben schien. Der Stoff selbst war rau und kratzte an Hermines Hals. Sie drehte sich um ihre eigene Achse und entdeckte einen polierten Kessel, der sich als Spiegel eignete. Zufrieden stellte sie fest, dass man wirklich nur ihren Kopf sah. Hermine streckte die Zunge aus und blickte auf den Kessel. Das, aufgrund der Rundung des Kessels, verzerrte Spiegelbild tat es ihr nach.

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Hermine's Versuche bis zum Abend unauffällig  zu bleiben schlugen fehl. Im Unterricht warfen Neville und Luna ihr fragende Blicke zu und musterten sie durchdringlich, als sie dachten, dass Hermine sie nicht sehen würde. Draco erschien nur zur letzten Stunde und verließ nach der Theorie der Verwandlung sofort den Klassenraum. Hermine wollte ihm noch etwas hinterher rufen, schließlich wollte sie im diese Nacht einen Besuch abstatten, aber Draco verschwand um die Ecke.

Während der Freistunde saß sie mit ihren Freunden auf der Bank und versuchte dem Gespräch zu folgen, aber sie war zu sehr von ihren Plänen abgelenkt.

In die Bibliothek zu kommen, würde mit dem Tarnumhang nicht sonderlich schwer sein. Sie konnte sich vorstellen, in welchem Regal sie nach Hinweisen suchen konnte, aber es gab etwas anderes, das sie plagte.

Selbst nach dem sie, also Draco und Hermine, den verbotenen Teil betreten würden, müssten sie unentdeckt bleiben. Also unter dem Tarnumhang. Zu zweit.

Plötzlich zweifelte Hermine an Draco's Willen mitzukommen. Er könnte einfach ablehnen und sie vielleicht auch noch bei einem Lehrer verpetzen.

"Hallo? Hermine?"

Luna stupste sie an und schaute ihre Freundin abwartend an.

"Hm? Was? Wie bitte?", stammelte Hermine schnell, als sie unsanft aus ihren Gedanken in die Realität geholt wurde.

"Luna wollte wissen, auf wen du beim nächsten Quidditchturnier setzst.", half Neville Hermine auf die Sprünge.

"Slytherin.", kam es plötzlich aus Hermine's Mund und sie stand abrupt auf, murmelte, dass sie früher zu Bett gehe und ließ ihre Freunde allein.

Es war ihr ein Rätsel, wieso Slytherin  aus ihr herausgeschossen kam. Wahrscheinlich lag es einfach an dem Zusammenhang zwischen Draco und Slytherin.

Sie hatte eigentlich vor kurz zu schlafen, aber sie blieb vor Aufregung wach und als es um Mitternacht die Turmuhr schlug, sprang sie so ungeschickt aus dem Bett, dass sie beinahe den halben Schlafsaal aufweckte. Sie schlich auf Zehenspitzen durch das Zimmer, zuckte zusammen als die Tür beim Öffnen knarrte und schloss sie dann so leise wie es nur möglich war. Den Umhang streifte sie sich bereits im Gemeinschaftsraum der Gryffindors um und dachte auch daran den Kopf zu verdecken.

Als sie an einem Spiegel vorbeikam, sah sie kein Spiegelbild.

Als Hermine vor dem Gemeinschaftsraum der Slytherins stand, wurde ihr mulmig zu Mute. Sie schluckte ihre Zweifel runter und schritt auf Draco's Schlafzimmer zu. Die Tür öffnete sich ohne jedigliches Geräusch und Hermine atmete erleichtert aus, als sie die anderen Jungs seelig schlafen sah. Manche schnarchten und Hermine nahm das als gutes Zeichen. Solange sie schnarchen würden, würde niemand ihe Schritte oder ihre Bewegungen hören. Hermine ging vorsichtig an einem Hochbett vorbei und blieb schließlich direkt vor dem schlafendem Draco stehen. Sein blonder Haarschopf war unverwechselbar. Sie stand unschlüssig neben seinem Bett und wusste nicht, wie sie jetzt zu handeln hatte.

Sie stupste Draco mit dem Zeigenfinger an, aber er rührte sich nicht. Hermine seufzte und rüttelte an dem Bettpfosten. Ihr war nicht entgangen, dass das Bett über Draco unbesetzt war. Höchstwahrscheinlicher hatte sich Draco's ehemaliger Nachbar ein anderes Bett gesucht. Da Draco nicht aufwachen wollte und Hermine mit ihm noch das ein oder andere Hühnchen zu rupfen hatte, holte sie aus und rammte Draco die Faust in die Seite.

Diese Methode erwies sich als die effektivste.

Draco schlug die Augen auf und starrte Hermine entgeistert an.

A hidden year (Dramione FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt