„Das, was wir dort oben gesehen haben, bleibt unter uns!"
Draco hielt Hermine immernoch fest und blickte ihr eindringlich in die Augen, als er diese Worte sprach.
„Wieso?", verwirrt wand sich Hermine aus seinem Griff, „Wir müssen McGonagall warnen!"
Draco schüttelte den Kopf und wandte sich von dem Mädchen ab.
„Du verstehst das nicht!", raufte er sich die Haare und schüttelte dabei erneut den Kopf.
„Du verstehst das nicht."
„Dann erklär es mir!", rief Hermine und schlug sich sofort die Hände vor den Mund, da ihre Stimme klar und deutlich durch die Gänge hallte.
Für sie war Dracos Weigern, alles McGonagall zu berichten, unverständlich. Erneut sah sie den Feigling in ihm. Er hatte es nie geschafft über seinen Schatten zu springen und auch diesmal wollte er wohl lieber auf der sicheren Seite bleiben. Das Funkeln seiner Augen, das kantige Gesicht, alles war plötzlich vergessen. Nun sah sie in ihm wieder das Frettchen, den Feigling, den Verräter.
„Ich kann nicht zu der Schulleiterin spazieren und ihr erzählen, dass wir gemeinsam auf dem Dach waren."
„Wieso?!", Hermines Stimme wurde schrill.
„Wieso bist du so feige? Wieso traust du dich nicht, diese Schule wenigstens ein einziges Mal zu beschützen? Du denkst nur an dich!"
Draco drehte sich langsam zu ihr um und fixierte sie mit seinem starren Blick.
„Du wirst es nicht verstehen.", er zischte jedes einzelne Wort, wie eine Schlange.
Eine Schlange.
Ein Slytherin.
Hermine erinnerte sich an die Angst in den Augen des kleinen Mädchens, welches den Todesfleck zuerst erblickt hatte. Sie sah die Sorge in Professor McGonagalls Augen.
Hermine war es gewohnt, weise Entscheidungen zu treffen. Stets fand sie die beste Lösung für jedes Problem. Und wenn die Kriegszeit sie auch verändert hatte, so hatte sie ihre Ehrlichkeit behalten.
„Du bist ein erbärmlicher Malfoy.", flüsterte sie und schenkte Draco einen langen Blick.
„Ein erbärmlicher Malfoy."
Sie hatte schon längst beschlossen die Wahrheit zu sagen. Es war ihr egal, ob Draco dabei sein würde, oder nicht. Die Sicherheit der Schule stand für sie klar im Vordergrund.
„Willst du es hören?"
Dracos Stimme war leise, beinahe schüchtern.
Hermine antwortete ihm nicht, sondern schaute ihn nur fragend an.
„Willst du wissen, was passiert ist?", baute er seine Frage aus und stellte sich direkt vor Hermine.
Diese nickte stumm und erlaubte dem blonden Jungen somit seine Geschichte anzufangen.
Draco fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und schluckte nervös.
„Wir sind gegangen. Direkt nach der letzten Schlacht, als Voldemorts Armee beinahe vollkommen zerstört war, sind wir gegangen. Sie sind geflohen, wie verletzte Hunde und mich haben sie mitgeschleppt. Er wollte mich nicht an seiner Seite. Er wollte mich an der Seite des Lords, so wie er ihn nannte. Mein Vater war alt und er war nicht mehr mächtig. Also wollte er mich, als den mächtigsten Todesser sehen. Er war Voldemort unterwürfiger, als dessen Schlange. Wahrscheinlich hatte sogar dieses elende Viech mehr Persönlichkeit, als mein Vater.", Draco lachte rau auf, aber auf seinem Gesicht war kein Lächeln zu sehen.
„Wir sind durch die Wälder gereist. Haben auf dem Waldboden übernachtet. Mein Vater hatte es sich in den Kopf gesetzte, verbliebene Todesser aufzusuchen. Meine Mutter fing an sich ihm zu widersetzen. Sie sprach von Veränderungen, vom Verzeihen und von der Nächstenliebe. Mein Vater lachte sie aus. Er erwartete von mir, dass ich auch über meine Mutter lache. Er nannte sie töricht, dumm und naiv. Eines Tages stritten sie erneut. Wie unpassend, an einer Schlucht. Sie fiel und ich rannte. Ich rannte davon. Weg von ihrem Schrei. Sie fiel tief. Sie schrie lange.", er holte Luft und senkte seinen Blick.
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A hidden year (Dramione FF)
Fanfiction"Der Familienname sagt gar nichts über einen aus, Granger." Seit neustem auch mit Fortsetzung: A hidden hour
