Draco riss die Augen auf und starrte direkt in Hermines Gesicht. Doch er schien Hermines Anwesenheit nicht zu bemerken. Während er sich mit der linken Hand die verschlafenen Augen rieb, rieb er mit der rechten Hand und schmezverzerrtem Gesicht die Seite, die von Hermines Faust getroffen wurde.
Hermine hatte einen Aufschrei erwartet. Ein Schimpfwort. Stattdessen setzte Draco sich auf und kratzte sich am Nacken. Hermine stemmte die Hände in die Hüften und wollte ihn ziemlich unfreundlich darauf hinweisen, dass sie ihm helfen wollte, als sie sich erinnerte, dass sie den Tarnumhang umhatte. Sie löste den Knoten, der Umhang gab nun ihren gesamten Kopf frei, und fauchte: "Ich habe nicht ewig Zeit, also steh auf und hilf mir deine Unschuld zu beweisen!"
Seine Augen weiteten sich und man merkte, dass er dem Impuls zu schreien widerstand. Während er hektisch aus dem Bett stieg, wunderte Hermine sich mächtig über ihre plötzliche Entschlossenheit. Diese verschwand aber in dem Augenblick, als Hermine sah, dass Dracos Nachtgewand ziemlich knapp war. Eigentlich sollte dieses, von McGonagall so genannte Gewand, aus einer langen Hose und einem weitem Pullover bestehen. Die Hose, die Draco anhatte, war hingegen ziemlich kurz.
Doch Hermine überwand sich, deutete mit dem Zeigefinger auf die Tür und befiehl damit Draco ihr zu folgen.
Draußen, vor der Tür in das Jungenschlafzimmer der Slytherins, stellte Draco keine Fragen. Er folgte Hermine leise und achtete stets auf ihre Gesten. Als sie die Räume Slytherins hinter sich gelassen hatten, wären sie eigentlich allen Blicken ausgeliefert, da es seit dem Vorfall mit der Wand verstärkte nächtliche Kontrollgänge gab.
"Du musst unter den Umhang kommen.", flüsterte Hermine und versuchte Platz zu machen.
Wortlos stellte Draco sich zu ihr und ließ sich mit dem schwerem Stoff bedecken. Er hatte sehr schnell verstanden, dass er jede von Hermines Bewegungen ebenfalls auszuführen hatte, da der Umhang sonst einen von ihnen freigeben würde.
Sie hörten erst auf zu laufen, als sie vor der Bibliothek standen.
Hermine nickte Richtung verbotene Bibliothek und schlich los.
Auf dem Hinweg war das Glück wohl auf ihrer Seite, denn sie hatten niemanden getroffen. Weder einen Lehrer, noch jemand anders. Hogwarts war nicht mehr sicher und deshalb hatte Hermine stets ein mulmiges Gefühl, wenn sie an die dunklen Flure und die verbotenen Gänge dachte.
Sie musste unwillkürlich schlucken, als sie vor der Tür zu der verbotenen Abteilung der Bibliothek stand. Ein kleines Schild wies sie daraufhin, dass ihr der Zutritt eigentlich nicht gestattet war.
"Dann los.", murmelte sie und öffnete vorsichtig die Tür, die, durch den schwarzen Messing und die elegant verbogenen Gitterstäbe, eher einem Tor in eine verbotene und verlassene Welt glich.
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Die Seiten der Bücher raschelten, als Hermines Finger über sie glitten. Sie nahm sich keine Zeit den Inhalt der Bücher genauer unter die Lupe zu nehmen und suchte nur nach den hauptsächlichen Wörtern. Ab und zu hielt sie trotzdem inne, um sich den Artikel oder das Kapitel ganz durchzulesen. Wenn sie keine Mission zu erfüllen hätte, hätte sie sich vielleicht auf den Boden zwischen den Regalen gesetzt und hätte sich den kostbaren Informationen, die in den alten (und verbotenen) Büchern zu finden waren, gewidmet. Aber als sie Dracos weißblonden Haarschopf zwischen den Büchern aufblitzen sah, verschwand die Idee von selbst.
Sie hatten kaum miteinander geredet, aber jeder schien die Anwesenheit des anderen zu spüren. Mal bemerkte Hermine, dass Dracos Blick auf ihr ruhte. Mal war es Draco, der fragend den Kopf hob, als Hermine ihn musterte.
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A hidden year (Dramione FF)
Fanfiction"Der Familienname sagt gar nichts über einen aus, Granger." Seit neustem auch mit Fortsetzung: A hidden hour
