IX-Todesfleck

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Slytherin hatte sowohl das Training, als auch das darauffolgende Spiel, wie von allen erwartet, haushoch gewonnen. Die Spieler stolzierten durch die Gänge und wurden von ihren Mitschülern, die zu Slytherin gehörten, bewundert und gelobt. Gryffindor hatte noch keine Chance gehabt sich gegen ein anderes Team zu beweisen, aber Hermine war sich sicher, dass in den nächsten Wochen, wenn Gryffindor seine erste Partie spielen wird, sie das Feld als Sieger verlassen werden. Draco, der den goldenen Schnatz gefangen hatte, schien sich aus dem Sieg nicht viel zu machen. Professor Paffel, der Slytherin's Hauslehrer war, (-insgeheim waren alle anderen froh, dass es nicht ihr Haus erwischt hatte-) lobte seinen neuen Lieblingsschüler und wollte zu Ehren der Sieger einen neuen Blumentrank brauen, aber er stieß auf eine Wand aus Ablehnung und verwarf die Idee.

Hermine schlenderte durch den großen Flur und lächelte vor sich hin. Sie hatte bei Professor Seprun eine Auszeichnung und 10 Punkte für Gryffindor bekommen. Das alles nur für ein "läppisches Zitieren aus einem seltenem Zaubererbuch", wie Hermine es nannte. Sie hörte nicht, wie McGonagall sich ihr näherte. Nach dem merkwürdigen Vorfall mit Draco erschrak sie sich und legte sich entschuldigend die Hand auf die Brust und japste nach Luft.

"Tut mir leid, Professor McGonagall.", entschuldigte sie sich aufrichtig und versuchte zu lächeln.

"Ist doch nicht weiter schlimm, Miss Granger. Ich sollte mich vielleicht nicht so lautlos bewegen, nicht wahr?", lächelte die Schulleiterin.

"Ich habe gehört, dass du und Mister Malfoy jetzt ein ausgezeichnetes Team seid.", fuhr sie fort und schaute Hermine fragend an.

Hermine wurde rot und versuchte sich gewählt auszudrücken, um McGonagall nicht zu verärgern. Schließlich konnte sie der Schulleiterin, und gleichzeitig auch ihrer Hauslehrerin, nicht ins Gesicht sagen, dass diese Partnerarbeit sie fuchsteufelswild machte.

"Na ja...", stotterte sie, "Wir haben da so einige Meinungsverschiedenheiten, ich und Malfoy, und Freunde werden wir auch nie sein..."

Ihre versuchte Erklärung wurde schroff unterbrochen.

"Miss Granger! Ich und andere Lehrer können euch Schüler sehr wohl mit eurem Nachnamen ansprechen. Unter euch solltet ihr aber lieber den Vornamen benutzen. Schließlich seid ihr alle gleichgestellt und es soll keine Abfälligkeiten in der Schulgemeinschaft geben."

Hermine senkte beschämt den Kopf und korrigierte ihre Ansprache.

Professor McGonagall schaute Hermine lange an und sagte: "Ich weiß noch, wie Ron Weasley sehr interessante Worte gesagt hat."

Sie schien in Erinnerungen zu schweben und seufzte kurz bevor sie weitersprach.

"Hoffentlich komme ich nicht mit der in ein Haus hat er gemeint. Und wir sehen was daraus geworden ist. Nicht nur beste Freunde, nein, mir ist auch was anderes zu Ohren gekommen.", erzählte sie und schaute Hermine vielsagend an.

Diese schnappte empört nach Luft und nun kamen ihr auch die richtigen Wörter in den Sinn.

"Es tut mir wirklich leid, Professor, aber das ist was ganz anderes. Sie können sowas doch nicht miteinander vergleichen!"

McGonagall schaute Hermine sanftmütig an.

"Meine Liebe, die Sache ist die, dass es eben genau dasselbe ist."

Hermine wollte protestieren, etwas erwidern oder einfach nur das Gegenteil beweisen, aber ein markerschütternder Schrei unterbrach die Diskussion zwischen Schulleiterin und Schülerin. Hermine zuckte erschrocken zusammen und McGonagall zückte sofort ihren Zauberstab, zögerte kurz und setzte sich in Bewegung. Für eine bereits etwas ältere Frau, bewegte sie sich schnell und anmutig. Hermine wartete darauf, dass sie in den Gemeinschaftsraum zurückgeschickt wurde, aber McGonagall blieb mitten auf dem Flur stehen und winkte Hermine zu sich.

"Da deine Bande, und auch die andere, nicht hier ist, glaube ich nicht, dass ich was zu befürchten habe.", erklärte die Schulleiterin, "Also los!"

Begeistert hastete Hermine ihrer Lehrerin hinterher, aber ihre Begeisterung legte sich schnell, als auf den ersten Schrei ein zweiter kam. Sie umklammerte ihren Zauberstab und versuchte mit McGonagall mitzuhalten, die bereits rannte. Aus den vereinzelten Schreien wurde ein permanentes Kreischen und als die beiden um die Ecke bogen, ließ Hermine fast den Zauberstab aus der Hand fallen.

Ein verängstigtes Mädchen aus dem zweiten Jahrgang presste sich gegen die Steinwand und kreischte sich die Seele aus dem Leib. Das Haar hing ihr in nassen Strähnen über der Stirn und sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Augen waren geweitet und glasig. Ihre Haut war weiß und das Gesicht bereits leicht lila angelaufen von dem vielen Schreien. Unzählige Tränen flossen über ihr Gesicht, kullerten in ihren Mund, worauf sie dann nach Luft schnappte und das Schreien für einen Moment unterbrach.

Professor McGonagall eilte zu dem Mädchen und redete beruhigend auf sie ein. Die Kleine schnappte nach Luft und wimmerte, wie ein verletztes Tier. Es waren keine anderen Schüler in Sicht. Hermine ahnte, dass Professor McGonagall bereits Vorkehrungen getroffen hatte. Sie verstand zwar nicht, wie das binnen weniger Sekunden ging, aber es war in dem Moment bloß nebensächlich. Sie und McGonagall richteten ihre Augen geleichzeitig auf die Wand gegenüber. Soetwas hatte Hermine noch nie gesehen.

Ein riesengroßer schwarzer Fleck zierte die sonst so kahle Wand. Aber dieser Fleck war in keinster Weise dekorativ oder schön. Dünne, beinahe zierliche, Schwingungen zogen sich quer über die ganze Wand und bildeten verzerrte Formen. Hermine erkannte angedeutete Schädel und die Schwingungen erinnerten sie an Schlangen. Aus den, mit dem Schwarz des Flecks gemalten, Augen der Schädel rinnte dunkles Blut. Von dem runden Fleck selbst schienen pulsierende Stöße auszugehen und man hätte meinen können, dass der Fleck lebte.

Hermine schluckte. Sie hatte bereits Trolle, die Zeichen der Todesser, bösartige Dementoren und andere scheußliche Dinge und Kreaturen gesehen. Sogar die Fratze vom verstorbenen dunklen Lord erschien ihr plötzlich harmlos. Diese grässliche Malerei auf der Wand hatte eine angsteinflößende Besonderheit-niemand wusste, wie sie entstanden ist. Kein Wesen, keine auch so schlimme Kreatur, konnte das gemacht haben. Zumindest keines, das in den Büchern zu finden war. Und wenn selbst ein krunzender Gnix, den man noch nie gesehen hatte, in den Büchern vermerkt war, musste dieses Wesen, diese Macht, was besonderes sein.

Das kleine Mädchen deutete zitternd auf das Fenster über ihrem Kopf und Hermine erhaschte einen kurzen Blick auf einen schwarzen Punkt, der schnell in der Ferne verschwand. Erst jetzt fiel allen auf, dass das einst vergitterte und mit bunten Glasscherben ausgelegte Fenster in tausende Teile zerbrochen war und die dekorativen Gitterstäbe aus den Verankerungen gerissen waren. Als Professor McGonagall aus dem vergitterten Fenster schaute, war das Ding bereits außer Sichtweite.

Das Mädchen wurde von McGonagall auf die Krankenstation gebracht. Alle Lehrer der Schule schwirrten auf dem Gang herum, inspizierten die Wand, versuchten alle möglichen Zauber-vergeblich.

Hermine wurde auf ihr Zimmer geschickt und dort wurde sie von lauter Gryffindors empfangen.

Was? Wo? Wann? lauteten die Fragen, mit denen Hermine nahezu bombadiert wurde.

Hermine wusste nicht, ob sie ihren Mitschülern einfach die ganze Situation erklären sollte und durfte. Die Entscheidung wurde ihr aber abgenommen, als die Stimme von Professor Seprun durch Hogwarts hallte.

"Alle Schüler jedes Hauses sollen sich sofort in den großen Saal begeben. Die Vertrauensschüler haben zu überprüfen, dass alle Schüler ihres Hauses sich in fünf Minuten im großen Saal befinden."

Alle setzten sich in Bewegung. Es wurde laut getuschelt, spekuliert.

Hermine hatte Neville und Luna in der Menge verloren und deshalb ließ sie sich einfach von den Schülern in Richtung großer Saal mitreißen. Nicht weit entfernt, im Getümmel der Slytherins, sah sie Draco, der auch einfach nur mit der Menge schwebte.  Was Ron wohl jetzt machte?

Sie fragte sich, wieso ihr ihr Freund immer in Verbindung mit Malfoy in den Kopf kam.

Hermine wandt sich ab. Es gab wahrhaftig wichtigeres, als die beiden. Die Schule war höchstwahrscheinlich einer neuen und dazu noch unbekannten Bedrohung ausgesetzt.

Sie war, wie auch alle anderen, gespannt, was die Lehrer ihnen wohl mitteilen würden.

A hidden year (Dramione FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt