XVIII-Orangenpudding

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Hermine saß in ihrem Bett und grübelte in der Dunkelheit vor sich hin. Nach dem Vorfall mit Draco hatte es sie großen Mut gekostet, am nächsten Tag zum Unterricht zu erscheinen. Sie hatte sich von seinem Blick, von seinen Worten und vor seinen heimlichen Gedanken gefürchtet.
Doch als sie, wie immer pünktlich, vor dem Klassenzimmer stand, war kein Draco in Sicht. Vergeblich hatte sie nach ihm Ausschau gehalten und versucht einen hellblonden Haarschopf in der Menge aufblitzen zu sehen.
Er war nicht erschienen. Weder zum Erlernen eines neuen Zaubertranks, weder zu dem Mittagessen.
Ständig hatte Hermines Blick den Slytherin Tisch gesucht und versucht und ständig musste sie sich enttäuscht abwenden.
Neville hatte Hermine fragende Blicke zugeworfen und sie hatte nur mit den Schultern gezuckt und den köstlichen Orangenpudding gelöffelt.
Was wenn er wegen ihr die Stunden sausen ließ?
Sei nicht so egoistisch, ermahnte sie sich selbst.
Die Bettdecke raschelte laut, als Hermine sich auf die Seite rollte. Ihr Blick ruhte auf ihrem Zauberstab, derln sie seit dem Fleck auf dem Dach stets in Greifnähe hielt.
Hermine wollte einfach die Augen schließen und all die Geschehnisse wenigstens für einige Stunden aus ihrem Gedächtnis verbannen, doch sie wollte einfach keine Ruhe finden.
Erst der schwarze Fleck, dann Malfoy, dann Voldemort und schließlich Ron. All das spielte sich als eine bunte wirre Masse in ihren Gedanken ab. Hermine wischte sich den Schweiß von der Stirn und wollte erneut die Augen schließen.
Plötzlich hallte ein lauter Schrei durch die Mauern von Hogwarts.
Hermine zuckte hoch, griff nach ihrem Zauberstab und hielt die Luft an.
Etwas kam ihr anders, aber doch bekannt vor.
Ihre Mitschülerinnen schliefen jedoch einfach weiter. Keine von ihnen regte sich auch nur, obwohl der Schrei fortsetzte.
Hermine sprang aus ihrem Bett und hetzte, immer noch in ihrem Nachtgewand, in die Flure hinaus. Der Schrei verstummte und wurde von einem Wimmern abgelöst.
Es kam aus den Gängen vor dem Klassenraum für Zaubertränke.
Das Bild, welches Hermine erwartete, als sie um die Ecke bog, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.
Filch lag auf dem steinernen Boden und jedes seiner Glieder zitterte und zuckte. Es war so, als ob er dabei war einen wirren Tanz auf dem Boden zu vollbringen.
Hermine hockte sich neben den Hausmeister, den Zauberstab fest umklammert, und versuchte zu erkennen, ob er noch bei Bewusstsein war. Die Augen des Mannes waren geschlossen und Hermine wollte schon von dem Schlimmsten ausgehen, als er plötzlich die Augen aufschlug und röchelte. Seine raue Hand mit griff nach Hermines Handgelenk und seine langen Nägel bohrten sich in ihre Haut.
"Mrs. Norris! Sie haben Mrs. Norris!", krächzte er und heulte verzweifelt an.
"Miss Granger, was haben sie hier zu suchen?"
McGonagall tauchte wie aus dem Nichts hinter Hermine auf und eilte zu dem zitternden Hausmeister.
"Ich habe die Schreie gehört und wollte helfen...", fing Hermine an.
"Helfen sie mir ihn in mein Büro zu tragen.", befahl die Professorin und Hermine gehorchte ihr sofort.
Zusammen schleppten sie den dürren, aber dennoch schweren, Mann in das Büro der Direktorin.
"Wieso ist niemand sonst gekommen?", fragte Hermine verwundert und blickte noch kurz in den leeren Gang, bevor sie die Tür schloss.
"Das können wir später klären, Miss Granger. Nicht jeder Schüler springt nachts aus dem Bett und eilt Hausmeistern zu Hilfe.", mahnte McGonagall und rüttelte dabei an Filch's Schulter.
"Es ist aber auch kein Lehrer gekommen, Professor.", bemerkte Hermine und diese Aussage ließ die Direktorin stutzig werden.
"Aber ich war mir sicher Schritte hinter mir gehört zu haben...", stammelte sie, fasste sich aber schnell, da Filch aus seiner Starre erwachte.
"Mrs. Norris! Sie haben sie!", schrie er und fuchtelte panisch mit den Händen.
"Argus, nun beruhigen sie sich!", schimpfte McGonagall.
"Würden sie uns bitte erzählen was geschehen ist?"
"Sie ist weg! Sie haben sie!"
"Wer hat sie?", platzte es aus Hermine heraus und sie kassierte einen unzufriedenen Blick von der Direktorin.
"Ich konnte sie nicht erkennen.", flüsterte er und senkte den Kopf. Als er ihn wieder hob, schimmerten in seinen Augen die Tränen.
Hermine empfand Mitleid mit ihm. Der Hausmeister mit den verfilzten langen Haaren und der unausstehlichen Art saß vor ihr und beweinte seinen treuesten Begleiter. Seinen einzigen Freund.
Er tat ihr wahrhaftig leid.
Doch Hermines Mitleid wurde von einem anderen Gefühl abgelöst.
Einem dunkleren Gefühl.
"Professor, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber wieso haben seine Schreie niemanden außer uns geweckt?"
"Das, Miss Granger, würde ich auch gerne wissen. Sie bleiben hier und ich schaue nach meinen Kollegen und nach den Schülern."
Ehe Hermine protestieren konnte, war McGonagall bereits aus dem Raum verschwunden.
"Sie haben wirklich nichts gesehen?", fragte sie Filch erneut, doch dieser schüttelte nur betrübt den Kopf.
"Wo ist er bloß?", murmelte Hermine und setzte sich neben Filch.
"Wer?", fragte der Hausmeister und schaute sie argwöhnisch an.
"Niemand.", stammelte Hermine und erinnerte sich an ihre Versuche, Malfoy zu erblicken. Mit dieser Erinnerung kam der Geschmack von Orangenpudding in ihren Mund. Die anderen Schüler hielten nichts von dieser außergewöhnlichen Spezialität, während Hermine nie genug von dem gelben Dessert bekommen konnte. Es war das Einzige, was sie beim Mittagessen gegessen hatte.
"Und auf das Abendessen habe ich verzichtet.", flüsterte Hermine und langsam dämmerte es ihr.
"Orangenpudding. Das ist es!", rief sie und spürte die Gänsehaut auf ihren Armen.
"Miss Granger, müssen sie in dieser Situation unbedingt an Süßspeisen denken?"
McGonagall stand im Raum und schüttelte den Kopf.
"Alle schlafen.", erklärte sie und zuckte ratlos mit den Schultern.
"Niemand lässt sich wecken, Miss Granger. Was geht hier vor sich?", sagte die Direktorin und fasste sich an die Stirn.
"Was haben sie gegessen?"
"Wie bitte? Miss Granger, was ist denn nur los mit ihnen?"
McGonagall war sichtlich empört, doch Hermine fuhr einfach fort.
"Heute zum Abendessen?", stellte sie klar.
"Gar nichts, Miss Granger. Sind sie jetzt zufrieden?", murrte sie und funkelte die Schülerin verwirrt an.

"Zum Mittagessen?", hakte Hermine nach.
"Orangenpudding. Ihr Schüler mögt diese Delikatesse scheinbar nicht, also musste ich den Geschmack würdigen. Was versuchen sie mir zu sagen, Miss Granger?", antwortete McGonagall.
"Das ist es!", rief Hermine.
"Professor, ", schluckte sie, "Es war etwas in dem Essen drin. Etwas, dass alle schlafen lässt."
"Wir aber haben die vergiftete Speise nicht zu uns genommen."
Die Augen der Direktorin weiteten sich erschrocken und Hermine sah die Angst in ihnen.
"Sie wollten angreifen..."
"Aber sie sind auf die Katze gestoßen und wurden dann von Argus und uns dabei gehindert.", vollendete McGonagall den Satz.
"Miss Granger, ich möchte sie darum bitten, dieses Geschehen für sich zu behalten."
Die Direktorin schaute Hermine eindringlich in die Augen.
"Wir sind in Gefahr.", flüsterte Hermine.
"Ich weiß.", antwortete McGonagall, " Trotzdem soll dies vorerst im Geheimen bleiben. "
Hermine nickte stumm und wollte aus dem Büro der Direktorin gehen, als ihr etwas einfiel.
"Professor McGonagall, wissen sie vielleicht, wo Malf-Draco ist?", fragte sie zögerlich und versuchte zu kichern.
"Mister Malfoy hatte eine Auseinandersetzung mit seinen Kameraden, die ihn und seine Lernfortschritte ziemlich belastet hat, also habe ich ihm etwas unter die Arme gegriffen."
"Oh.", Hermine schämte sich für all ihre Gedanken.
"Es ist gut, dass sie sich um ihn sorgen. In solch einer schweren Zeit braucht er jemanden, der ihm vertraut."
Hermine wollte antworten, aber McGonagall sah sie nur traurig an und sagte einen Satz, den Hermine noch lange im Kopf behalten würde.
"Nicht jeder vertraut einem Malfoy."
Sie schluckte und die Erinnerung an den Kuss kam wieder.
Hermine war sich im Unklaren, was sie davon hielt und was sie vorhatte zu tun, wenn sie Draco gegenüberstehen würde.
Auf McGonagalls Vorschlag sie zu begleiten, meinte sie, dass sie es alleine schaffen würde.
Bevor sie den Mädchenschlaftrakt der Gryffindor betrat, verstand sie, was sie gefühlt hatte, als Filch geschrien hatte.
Die Luft war stickig. Kein Laut war zu hören.
Ein Zeichen aufkommender Gefahr, welches Hermine nur zu gut kannte.

Aloha!
Ich bin wieder da!
Ich hatte eine kleine Schreibblockade und musste the 100 (Schaut euch das an! Schaut es an! Liebt es! Feiert es!) suchten. (Und Phineas&Ferb, fragt nicht)
Außerdem habe ich mich eher auf meine Kunst konzentriert und habe fleißig den Bleistift/Buntstift/Pinsel geschwungen.
Eine wichtige Bitte an euch:
Ich weiß, ich habe auch manchmal kleine Fehler, aber bitte, bitte schreibt keine FanFictions über Harry Potter, wenn ihr nicht mal die Namen der Häuser schreiben könnt. (Griffender? Wirklich?)
Danke und auf ein baldiges Wiedersehen.
Werde in Russia kein W-Lan haben, aber als ob ihr ein so schnelles Update von mir erwarten würdet^^

A hidden year (Dramione FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt