Der Einstieg in den Schulalltag fiel Hermine ziemlich leicht. Während die anderen Schüler müde in ihrem Essen rumstocherten, aß sie vergnügt ihr Rührei und hielt Ausschau nach Neville oder Luna. Von einigen Mitschülern, deren Augen nicht vor Müdigkeit zufielen, erntete sie bewundernde Blicke für ihre Munterheit am frühen Morgen.
Hermine war pünktlich fertig und machte sich auf dem Weg in den richtigen Klassenraum. Bei ihr standen Zaubertränke und Verteidigung gegen dunkle Künste an. Sie schnupperte neugierig an der Tür und der Duft von unzähligen Blüten schlug ihr in die Nase. Eigentlich hatte Hermine auf praktische, wichtige oder anspruchsvolle Zaubertränke gehofft, aber für sie reichte ein Mal Riechen um zu wissen, dass es einfache Tränke sein würden. Sie wartete wiederwillig auf Luna und stürzte, als diese endlich ankam, in den Klassenraum. Die guten Plätze, die wo man öfter drangenommen wird, waren schon besetzt und Hermine stampfte vor Frust kurz mit dem Fuß auf. Zu Nevilles späterem Erleichtern mussten die drei Freunde ganz hinten in der linken Ecke sitzen. Hermine musste stets ihre Hand (oder auch beide) in die Luft recken, um von Professor Paffel gesehen zu werden.
Professor Paffel war ein kleiner und runder Mann, dessen Gesicht immer von einem Grinsen geziert wurde. Sein Gesicht war rund wie ein Pfannkuchen und deshalb bildeten sich bei ihm pralle Pausbäckchen um das Lächeln. Seine Haare bildeten einen schimmernden Kranz um seinen Kopf und seine Halbglatze sah ein wenig wie eine geschorene Lichtung aus, um die sich die Bäume drängten.Er war stets in Bewegung und schien für keinen Moment nichts zu tun. Er liebte Gestik und Mimik und machte von ihnen oft Gebrauch. Zu oft. Er war wie ein aufgedrehtes Spielzeug, das ständig dümmlich lächelte und dieselben Sätze sprach, die leider keine Auswirkungen auf den Lärmpegel der Klasse hatten.
Wahrscheinlich war er eine gutmütige Person, aber er hatte Angst.
Professor Paffel war der mit großer Wahrscheinlichkeit ängstlichste Mann, dem Hermine je begegnet war und Hermine kannte Draco Malfoy.
Paffel hatte Angst vor schwierigen Zaubertränken, vor dem Wald und sogar von einer Kröte, die aus dem Behälter entwischte. Er verbat den Schülern jegliche tödliche, explosive, stinkende, laute, gefährliche oder verletzende Zaubertränke. Als eine kleine Gruppe von Schülern ihn um die Erlaubnis für ein kleines Projekt, das unter Hermines Aufsicht stattfinden würde, fragten, bekamen sie ein ,zwar ängstliches, aber deutliches Nein! zu hören.
Aber als Hermine sich auf die hintersten Bank setzte, ihren Kessel auspackte und das Pergament und die Feder griffbereit hielt, ahnte sie nichts von Paffels Eigenart.
"Guten Morgen, liebe Schüler!", begrüßte er trällernd die Klasse, "Ist das nicht ein herrlicher Morgen? Ja, das ist er wohl. Der Blumenduft ist so beruhigend, was meint ihr? Riecht ihr die Magnolien? Aber natürlich tut ihr das. Der Duft ist schließlich unverkennbar."
Aus den forderen Reihen war ein einstimmiges Seufzen zu hören und am liebsten hätte Hermine in diesen Laut der Verzweiflung mit eingestimmt. Aber sie saß hinten bei denen, die den Unterricht nicht so ernstnahmen und somit hatte sie nur müde zu lächeln.
"Ich hoffe er benimmt sich nicht ständig so. Das ist ja schlimmer als schlimm. Bei dem werden wir doch nie was lernen.", murmelte Hermine und schüttelte verärgert den Kopf.
"Miss Granger, nicht wahr?", sagte plötzlich der lächelnde Zwerg und schaute Hermine an.
"Wollten sie was sagen? Ich habe sie leider nicht gehört."
Hermine verneinte seine Frage und lächelte ihn gestellt an. Das Lächeln wirkte Wunder bei dem neuen Lehrer und er versank wieder in seinen lauten Gedanken über den Duft der Blume und die Herrlichkeit des Morgens.
Ihre schlimmsten Befürchtungen hatten sich erfüllt. Paffel sprach die ganze Stunde nur von seinen Blumen und sie brauten einen Zaubertrank, der Hermine mehr als nur beleidigte. Sie, Hermine Granger, das Mädchen, das bereits in ihrem zweiten Jahr den Vielsafttrank gebraut hatte, musste einen Lufterfrischer produzieren. Als der Unterricht vorbei war, rannte sie beinahe aus dem Klassenraum und lief zu dem nächsten Raum.
Ihr nächster Lehrer würde Professor Seprun sein und sie hoffte, dass seine größte Begeisterung nicht den Blumen galt.
Die Enttäuschung war groß, als Professor Seprun sich als ein ruhiger und gesitteter Man herausstellte. Zwar war er freundlich und ruhig, sein aschfahles Gesicht trug dazu bei, aber er war kein geeigneter Lehrer, um jungen Leuten beizubringen, wie man sich gegen dunkle Mächte zu verteidigen hatte. Er schien in die Länge gezogen zu sein und war beinahe so groß wie Hagrid. Seine schmale Figur ließ ihn noch länglicher aussehen als er es schon war. Seine Gesichtszüge waren nicht gestochen scharf, eher im Gegenteil. Mund, Augen und Nase verschwammen mit seinem Gesicht und der lange spitze Bart ließ es noch unförmiger wirken. Man hätte ihn mit einem Mönch verwechseln können. Die Haare, die über die Ohren gingen, das lange und Enge schwarze Kleid und der dunkle Bart, der ihm fast bis zur Brust reichte.
Er sprach leise und langsam. Und genau das brachte Hermine zur Weißglut. Während sie schon die antwort wusste und aufgeregt die Hand in die Luft reckte, sagte Professor Seprun noch seinen Satz. Seine Art so langsam wie eine Schildkröte zu sprechen wirkte sich auch auf seine Bewegungen aus.
In dieser ersten Stunde sprach er von dem kommenden Jahr, stellte das Buch vor und stellte klar, dass er die Theorie bevorzuge. Ein einstimmiges Stöhnen war zu hören und es folgten empörte Rufe.
"Wozu brauche ich dann meinen Zauberstab? Zum Rösten von Marshmallows?"
"Willkommen im Zeitalter von Umbridge!"
Sepruns Art die Schüler zum Schweigen zu bringen war bemerkenswert. Obwohl seine Stimme leise und matt klang, konnte er sie so einsetzten, dass jeder, aber auch wirklich jeder, ihm schweigend zuhörte und Notizen machte.
Nach den zwei enttäuschenden Stunden, hatte Hermine eine Freistunde, die sie als sehr passend empfand. Schließlich musste sie mit solchen Lehrern die Sache selbst in die Hand nehmen.
Und wo findet man mehr, als in der Bibliothek von Hogwarts?
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A hidden year (Dramione FF)
Fiksi Penggemar"Der Familienname sagt gar nichts über einen aus, Granger." Seit neustem auch mit Fortsetzung: A hidden hour
