XXVII-Bilder am Himmel

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Sie drehten sich im Kreis, wie kleine Wirbelwinde bewegten sich die tanzenden Paare durch den Saal. Die Bewegungen waren gut einstudiert, fließend und die Augen leuchteten oder glänzten verliebt. Hermine jedoch wollte dieses Glänzen nicht in Rons Augen wahrnehmen, da sie wusste, dass die ihren stumpf in die Leere blickten. Vergeblich versuchte sie einen Blick auf Draco und seine Partnerin zu erhaschen, denn es waren einfach zu viele Schüler um sie herum. Beinahe hätte sie erleichtert aufgeatmet, als die Musik verstummte und die Walzerschritte ihr Ende fanden. Sie hatte aufgehört die Drehungen und die Tänze zu zählen, sie versuchte einfach alles über sich ergehen zu lassen.
„Ich schau mal schnell nach, was so am Büffet geboten wird.“, teilte Ron ihr endlich mit, drückte ihr einen nassen Schmatzer auf die Wange und verschwand. Der Kuss haftete kalt und unangenehm an Hermines Wange und sie verspürte das Verlangen sich zu schütteln, wie ein nasser Hund. Plötzlich wusste sie nicht mehr, was sie sich von diesem Abschlussball erhofft hatte. Es war nicht mal eine Stunde vergangen und sie wollte schon, dass es so bald wie möglich zu Ende ging. Aber das war vollkommen ausgeschlossen, denn es sollte, ganz zur Freude von Harry und Ron, bis zum Morgengrauen getanzt und gefeiert werden.
„Hermine!“, kam es aus der Menge und ehe Hermine die Stimme jemandem zuordnen konnte stand Luna neben ihr. Das blonde Haar hatte sie in Wellen über ihre Schultern fallen lassen und in dem weißen Kleid glich sie einem Engel, der sich ganz heftig verirrt hatte. Hermine lächelte ihrer Freundin zu und ließ sich erzählen, wie toll es doch war, dass sie alle bereit waren sich von ihrer Jugend zu lösen und in ein neues Kapitel ihres Lebens einzutreten.
„Ich darf dir dieses reizende Geschöpf doch mal entführen, oder?“, tauchte Neville neben den beiden Mädchen auf und versuchte sich ungeschickt zu verbeugen. Er reichte Luna gerötet die Hand und schaute sie erwartend an. Luna lächelte, so wie es niemand außer ihr tun konnte und legte ihre kleine Hand in Nevilles. Dieser errötet nur noch mehr, strahlte wie ein Honigkuchenpferd und zog sie mit sich.
Ron hatte sich bereits vom Büffet abgewandt, aber nicht ohne einen voll befüllten Teller mit sich zu nehmen. Er hatte sich mit seiner Ausbeute zu den Tischen verschanzt und verscheuchte eine Mädchengruppe, die sich mit vor Ekel sauren Mienen auf die Tanzfläche verzogen. Selbst Hermine rümpfte leicht die Nase, als Ron genüßlich in eine Wachtelkeule biss und vor Genuss grunzte.
Sie stellte fest, dass alle ihre Freunde im Saal verstreut waren und ziemlich beschäftiggt zu sein schienen. Neville tanzte mit Luna, während Ginny und Harry sich gegenseitig mit kleinen Häppchen fütterten.
Als Hermine sich dem Büffet zuwandte, stieß sie beinahe mit Draco zusammen. Er hatte einen Kelch mit Punsch in der Hand und war dabei einen zweiten aufzugreifen.
„Pass doch auf...“, fauchte er erst und erstarrte dann, als er sich zu Hermine umdrehte.
„...Granger.“, flüsterte er nun leiser und senkte seinen Blick.
„Es tut mir leid, ich habe dich nicht gesehen.“, murmelte Hermine und schaute ebenfalss zu Boden.
„Kannst du mir einen Kelch reichen?“, fragte sie leise und beobachtete weiterhin ihre Schuhspitzen.
Draco schaute zwischen seinen beiden Händen hin und her, nahm einen kräftigen Schluck von seinem Getränk und blickte Hermine direkt ins Gesicht. Wieder verlor sie sich in seinen Augen. Sie versuchte sich jeden seiner Gesichtszüge zu merken, ihre Augen verschlangen ihn förmlich.
Er drückte ihr wortlos den Becher in die Hand und hielt kurz inne, als er den Ring an Hermines Finger entdeckte. Seine Fingerspitzen strichen schnell über ihren Handrücken, als er ihr das Gefäß übergab und sofort auf dem Absatz kehrt machte. Hermine fühlte wie sich Gänsehaut auf ihren Armen bildete und wie ihre Handflächen kribbelten.
Sie sah wie er seiner Gefährtin das Getränk reichte und wie sie ihm daraufhin einen Kuss auf die Wange verpasste. In Hermines Brust pochte es und ihre Augen wurden glasig. Am liebsten hätte sie geschrien, so laut, dass die Zeit selbst für einen Moment stehen bleiben würde. Doch ihr war klar, dass gewisse Dinge nicht umsonst von dem Schicksal auf andere Wege geleitet werden. Es gab Dinge, die nicht dazu bestimmt waren erfüllt zu werden. Sie schluckte schwer und machte auf dem Absatz kehrt. Ron und Harry hielten sich am anderen Ende des Saals auf und genau das kam ihr recht. Sie konnte sich nicht auf dem selben Fleck aufhalten wie Draco und seine neue Begleitung. Doch am meisten schmerzte es sie nicht, dass er dabei war seine Hand an der Hüfte einer anderen zu haben. Nein, das was sie in Rage versetzte war, dass er seinen Kopf nicht hob und sie nicht aus seinen graublauen Augen ansah. Von dem Jungen auf dem Dach war nur noch die äußere Hülle geblieben.
„Da haben sich ja zwei gefunden!“, rief Harry und rammte Hermine unsanft seinen Ellbogen in die Seite. Sie hob nur verwirrt den Kopf und blinzelte ihn an.
„Na, Draco und seine neue Flamme. Die sieht schließlich genau so hochnäsig aus wie er!“, kicherte Ginny und schmiegte sich an Harrys Arm.
Hermines Hals wurde trocken und sie fürchtete, dass sie gleich in Tränen ausbrechen würde. Sie schaffte es aber gerade noch ein schiefes Lächeln über ihre Lippen gleiten zu lassen und zuckte unsicher mit den Schultern.
„Auch wenn er ja mit der weißen Fahne gewedelt hat, bezweifle ich, dass er viel netter geworden ist.“, fügte Harry hinzu.
„Es wundert mich überhaupt, dass der mal eine gefunden hat.“, grinste Ron und schmatzte genüsslich.
„Menschen ändern sich, Ron.“, meinte Hermine nur leise und nippte an ihrem Punsch.
Außerdem gebe ich mich ja auch mit dir ab, fügte sie in Gedanken hinzu, während Ron versuchte sich die Krümel von seinem Anzug zu fegen.
„Ah, so ist unser Minchen“, lachte er nur und beäugte die Desserts, „Sie glaubt halt immer an das Gute in den Menschen.“
Hermine schwieg.
Erneut war es McGonagalls Räuspern, dass sie erlöste. Die Direktorin hatte sich aufgerichtet, um eine unerwartete Ankündigung zu machen.
„Es handelt sich um eine, nun sagen wir, Überraschung!“, erklärte sie feierlich, „Deshalb bitten ich und das Kollegium sie sich nun ruhig und gesittet nach Draußen zu begeben!“
Es dauerte eine Weile bis wirklich alle den saal verlassen und sich draußen wiedergefunden hatten. Der Mond schien hell, hüllte alles in ein schimmerndes Licht und spiegelte sich in den hunderten von Augenpaaren, die McGonagall wartend anstarrten.
Es war zwar warm, doch der kühle Nachtwind schaffte es trotzdem Hermines Hals zu umwehen und sie frösteln zu lassen. Sie fragte sich, so wie auch alle anderen, was sie hier draußen zu erwarten hatten. Ron hatte sich hinter sie gestellt und seine Hände ruhten auf ihren Schultern. Doch die Nähe zu ihm spendete ihr keine Wärme, eher im Gegenteil. Bevor Hermine sich jedoch Rons Hände von den Schultern schütteln konnte, hatte McGonagall sich wieder vor die Schüler gestellt. In der Hand hielt sie ein Weinglas, gegen welches sie mit einem silbernem Messer schlug. Der kristallklare Ton brachte die Schüler zum verstummen und die gesamte Aufmerksamkeit war auf die Direktorin gerichtet.
„Es war ein aufregendes Jahr, meine Schüler!“, begann sie zu sprechen, „Obwohl es nicht nur das Jahr war. All die Jahre, die sie hier in Hogwarts verbracht haben sind mehr als nur aufregend gewesen. Nicht wenig haben wir den Gesellen hier vorne zu verdanken.“
Die Messerspitze zeigte nun direkt auf Hermine und ihre Freunde. Harry grinste nervös und Ginny fuhr ihm verspielt durch die Haare.
„Doch trotz allem sind sie hier, unter meiner Aufsicht erwachsen geworden. Sie haben Wissen erlangt und gelernt sowohl zu gewinnen als auch zu verlieren. Leider haben es nicht alle geschafft mit ihnen bis zum Schluss zu lernen, alle Kämpfe zu kämpfen und Siege zu feiern. Wir haben viel gewonnen, doch nicht ohne viele unserer Gefährten zu verlieren. Und auch wenn sie nicht hier mit uns sein können, sind wir uns sicher, dass wir von ihnen nicht ungesehen bleiben. Es geht hier um sie, meine Schüler, aber auf gar keinen Fall sollen wir unsere ehemaligen Genossen vergessen.“
McGonagall winkte jemanden zu sich, der sich zu Hermines Überraschung als George entpuppte. Auch Ron war sichtlich überrascht seinen Bruder vor ihm zu sehen. George lächelte ihm im Vorbeigehen zu und stellte sich neben die Direktorin.
In seinen Händen hielt er eine kleine Schachtel, die er erst schüttelte und dann begann auf verschiedene Knöpfe zu drücken.
Alle schauten ihn voller Erwartung und mucksmäuschenstill an.
„Einen Moment“, krächzte er nur und hantierte weiter an seinem komischen Gerät herum.
„Weißt du was das wird?“, beugte Harry sich zu Ron rüber, doch der zuckte nur ahnungslos mit den Schultern und reckte seinen Kopf neugierig in die Höhe.
Plötzlich zischte etwas warm leuchtendes in die Höhe.
„Ein Feuerwerk!“ „Wie schön!“ „Nichts Besonderes!“ „Ah, wie Romantisch!“ ging es durch die Reihen.
Doch als der goldene Blitz in dem dunkelblauen Himmel explodierte, hielten alle die Luft an. Man hätte wahrlich eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es.
Denn Dumbledore blickte vom Himmel auf die Schüler herunter. Die Rakete hatte sich in unzählige leuchtende Partikel gelöst, die wie festgeklebt am Himmel blieben und eine Abbildung des Gesichts von Dumbledore formten. Es war wie ein künstlich erschaffenes Sternenbild, das sich nicht auflösen wollte.
Alle schnappten nach Luft und niemand hatte vor diese Luft wieder aus seinen Lungen zu lassen, konnte man fast meinen.
Wie aus dem nichts schoss eine zweite, eine dritte und unzählige anderer Raketen in die Höhe. Sie waren rot, silber, gold und grün. Sie glitten beinahe lautlos über den Himmel und explodierten mit einem ohrenbetäubenden Knall. Und jedes dieser Feuerwerkskörper ergab am Ende ein Gesicht. Ein Gesicht, welchees in jedem Schüler etwas auslöste. Und egal was es auch war, es war so stark, dass es verband und Tränen in die Augen trieb. Zu Dumbledore gesellte sich Snape, in einem blutrotem Schimmer. Neben ihm erschienen Remus Lupin, Tonks und auch Sirius Black, dessen Tod Harry einst soviele Schmerzen beschert hatte.
Hermine hörte Ron leise aufwimmern und sah Fred in einem satten Grün auf seine Geschwister nieder lächeln.
Es wurden immer mehr und mehr Gesichter bis sie sich plötzlich alle mit einem leisen Knistern auflösten.
Irgendjemand machte anstalten zu klatschen, doch George unterbrach diesen Versuch mit einer abwinkenden Geste. Er machte sich erneut an seiner Schachtel zu schaffen und letzendlich glitt eine letzte Rakete über dem Himmel und als diese sich in einer schillernden Wolke zerlegte, hielt Hermine den Atem an und spürte, dass Ron hinter ihrem Rücken dasselbe tat.
Denn nun schaute sie selbst sich von ganz oben an. Harry, Ron, Ginny und Sie.
Neville und Luna. Alle Schüler, die nun draußen standen und Zeugen dieses unglaublichen Spektakels wurden fanden sich selbst am Himmel wieder.
Tosender Applaus brach aus. Es wurde gepfiffen, geschluchzt, gejohlt und gestampft.
Eine heiße Träne kullerte über Hermines Wange, doch sie machte keine Anstalten diese wegzuwischen. Obwohl sie weinte, fühlte sie sich gewärmt und sie stimmte in den Applaus mit ein.
Und bevor das Abbild am Himmel endgültig verschwunden war, bemerkte Hermine, dass das Porträt von Draco Malfoy, direkt neben ihrem war. Doch bevor sie sich das genauer anschauen konnte, war von allem nichts mehr üblich. Der Mond schien wieder alleine vom Himmel auf sie hinab und die letzten Glitzerflocken wurden von dem schwarzen Himmel verschlungen
McGonagall begab sich als erste zurück in den Saal. Als sie an Hermine vorbeiging, blieb sie stehen und schaute die Schülerin mit einem sanften Lächeln an.
„Wie ich sehe, haben sie mein Geschenk behalten.“, sagte sie nur und setzte ihren Weg fort.
Sie drehte sich nicht mehr um, auch nicht als George das letzte Mal auf seinen Knopf drückte und das wohl prächtigste bunte Feuerwerk in den Gang setzte. Alle Farben des Regenbogens mischten sich am Himmel und zogen bunte Muster durch die Dunkelheit.
Hermine zog sich den Ring vom Finger und verschloss ihre Hand zu einer Faust um ihn.
Ron hatte sein Kinn auf ihrem Kopf gebettet, doch Hermine schaute sich bloß schweigend das bunte Treiben am Himmel an.
Das Herz kann wirklich abwegig handeln.

A hidden year (Dramione FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt