Die Schüler ließen sich auf die Bänke nieder und obwohl einige Lehrer, unter ihnen auch Paffel, durch die Gegend schwirrten und versuchten sie zu beruhigen, hallte lautes Gemurmel durch die große Halle. Hermine setzte sich schweigend neben Neville und kaute nervös auf ihrer Unterlippe rum. Sie war wirklich gespannt, ob die Lehrer den Schülern die wahre Geschichte erzählen würden. Sie selbst hatte die Wand gesehen und konnte sich sehr gut vorstellen, dass es ein Vorteil für die Lehrer sein könnte, den Schülern Details zu verschweigen. Das neue Wissen bedrückte sie, da der schwarze Fleck ihr nicht aus dem Kopf gehen wollte und sie sich sogar einbildete noch das monotone Pulsieren zu fühlen.
"He, alles in Ordnung?", flüsterte Neville und Hermine nickte als Bestätigung.
Sie wollte niemanden Angst machen oder ein zum Geheimnis ernanntes Geschehen herausplappern.
McGonagall schlug einen Teelöffel gegen ihr Glas und das klare Geräusch brachte alle Schüler zum Verstummen. Mit einem Nicken deutete sie den Schülern an sich zu setzen.
"Nun ja...", räusperte sich die Schulleiterin und schaute ihre Schüler unschlüssig an.
"Nun ja.", wiederholte sie und fuhr dann fort, "Wie einige von euch sicherlich mitbekommen haben, gab es einige Vorfälle in Hogwarts, die uns sehr wohl Sorgen bereiten."
Man sah ihr an, dass sie nervös war, obwohl sie es zu verstecken versuchte. Ihr umhang hing schief und ihr guckten auch einige lose Haarsträhnen unter dem Hut hervor.
Hermine runzelte die Stirn. Wieso war nun von mehreren Vorkömmnissen die Rede? Gab es etwa noch andere mysteriöse Vorfälle, die so beängstigend waren wie der schwarze Fleck an der Wand?"Wir haben mit unseren Ermittlungen begonnen und auch diese sind zurzeit nicht erfreulich. Ein Streich, ein Versehen oder ein Unfall mit Utensilien aus den verschiedenen Fächern-all das kommt als Erklärung nicht in Frage."
Alle Blicke ruhten auf McGonagall und alle lauschten ihren Worten. Hermine bekam mit, wie einige Slytherins Witzchen rissen und wie einige Erstklässler es mit der Angst zu tun bekamen. Kurz blieb ihr Blick an Draco haften, der teilnahmslos in die Runde blickte.
"Wir meinen, dass diese..", sie stockte, "Vorfälle...Vorfälle, eine Gefahr für Hogwarts und die hier Beherbergten darstellen könnte. Wir bitten alle Schüler um Vorsicht und die Gänge, die um das Kabinett mit den Zaubertränken liegen, werden fortan für Schüler unzugänglich sein."
"Wir glauben, dass dunkle Magie im Spiel ist.", fügte Seprun hinzu und man hätte meinen können, dass alle, die in der großen Halle anwesend waren, die Luft anhielten.
"Ich dachte nach seinem Tod wäre hier für die Sicherheit gesorgt worden!", rief plötzlich irgendein Übermütiger in den Raum und erntete große Zustimmung.
Hermine schüttelte bloß den Kopf und schaute Neville vielsagend an. Sie würden sich danach, zusammen mit Luna, in der Bibliothek treffen und genauer über das alles reden.
"Ich will mich sicher fühlen!", kam es dann von einem Sechstklässler aus Ravenclaw.
Es brach ein Tumult aus. Es wurde durcheinander gebrüllt, sich beschwert und mit üblen Anschuldigungen um sich geworfen.
"Es gibt einen Verräter hier!", schrie Errie McTock, ein Hufflepuff mit großer Klappe.
Danach wurde es still im Saal. Niemand sprach oder warf Servietten auf den Boden.
Hermine schluckte und schaute abwartend zum Lehrertisch, am Kopfe der Halle. Auch dort waren entsetzte, oder gar ertappte, Gesichter zu sehen. Die Lehrer hatten scheinbar denselben Verdacht, wie einige Schüler.
Hermine biss sich auf die Lippe und wandte sich vom Lehrertisch ab. Jetzt fiel ihr auf, dass Draco's Platz genau gegenüber von ihrem war. Zwar am Slytherintisch, aber man konnte die unsichtbare Linie entdecken, die zwischen ihr und Draco verlief. Das letzte Mal war sein Platz noch am anderen Ende der Halle. Draco schaute Hermine an und sie konnte sich nicht abwenden. Seine Augen hielten sie fest und in dem Moment glaubte sie in ihnen erst recht Schmerz zu erkennen.
Professor Seprun wollte sich erheben und versuchen die Schüler zu beruhigen.
Doch Errie war mit seiner kleinen Rede noch nicht fertig. Der Junge war ziemlich pummelig und schwerfällig, aber seine Stimme war dafür laut und tief.
"Wer könnte denn einen Grund dazu haben?"
Schweigen.
"ER!", grölte er noch lauter als davor und richtete seinen speckigen Zeigefinger auf Draco Malfoy.
Hermine schnappte erschrocken nach Luft und sah, dass gut die Hälfte aller Schüler sich erhob und Errie's Worten zustimmte. Draco's Gesicht wurde blass und er ballte die Fäuste.
"Das geht alles viel zu schnell!", raunte sie Neville zu, aber dieser senkte nur den Blick.
"Es wäre doch möglich...", fing er an, aber Hermine japste auf, als sie solche Worte aus seinem Mund hörte.
"Du meintest doch auch, dass er ein Verräter ist....", fing er an sich zu rechtfertigen.
"Ich habe den sogenannten Vorfall gesehen, Neville.", zischte sie, "Das ist schlimm. Schlimmer, als ein kleiner Malfoy es je erschaffen könnte."
Sie hatte Draco beschimpft und ihn gehasst, aber so eine Anschuldigung war mehr, als nur ein leises Blödes Frettchen! während einem Verwandlungszauber. Sie wünschte sich Harry, Ron und Ginny herbei. Sie hätten ihr bestimmt aus dieser Situation geholfen und eine Lösung vorgeschlagen. Vielleicht hätten sie sich auch kopfüber in ein neues und letztes Abenteuer gestürzt, um den Ursprung dieses Fleckes herauszufinden. Leider waren ihre Freunde aber nicht bei ihr, sondern irgendwo in dem Amazonas, also musste Hermine die Situation selbst in die Hand nehmen. Die Schüler beruhigten sich langsam und ließen sich wieder auf ihre Plätze nieder. Draco wurde aber weiterhin von unzähligen Augenpaaren feindselig angeschaut.
"Professor McGonagall?"
Hermine erhob sich und bereute es augenblicklich. Sofort galt die Aufmerksamkeit ihr und auch McGonagall blickte verwundert drein.
"Ich will auf gar keinen Fall ihre Ermittlungen behindern, aber hätte es eventuell doch ein Streich gewesen sein können? Nach den Weasleys sollte man doch meinen, dass Scherzartikel zu allem fähig sein können. Selbst bei dem Angriff von den Todessern, als Dumbledore von uns ging, wurden doch als Scherzartikel gedachten Substanzen eingesetzt."
McGonagall richtete ihre Brille und schuate Hermine lange an.
"Miss Granger, ein Schez wird vollkommen ausgeschlossen. Sie verstehen sicherlich, wie wir zu diesem Ergbenis gekommen sind."
Hermine verstand, was es bedeutete.
"Ich verstehe, Professor. Ist diese Anschuldigung dann doch nicht etwas zu hoch gegriffen?"
Professor Paffel sprang auf und verkündete, dass die Schüler sich in ihre Aufenthaltsräume begeben sollen.
Draco wollte die Halle schnell verlassen, aber ein hinterlistiger Mitschüler stellte ihm ein Bein und Draco landete auf dem Boden. Es bildete sich ein Kreis um ihn und man hörte gehässiges Gelächter.
Hermine spielte mit dem Gedanken ihm die Hand zu reichen, aber am Ende blieb sie im Abseits stehen, ließ Neville hinter ihr und ging allein in den Aufenthaltsraum von Gryffindor.
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A hidden year (Dramione FF)
Fanfiction"Der Familienname sagt gar nichts über einen aus, Granger." Seit neustem auch mit Fortsetzung: A hidden hour
