"Sie sind auf der Suche nach dem Grunzenden Knix.", erklärte sie zufrieden und fügte hinzu, dass es Rons Idee gewesen ist.
Neville kaute an seinem Keks weiter und schaute Hermine ratlos an.
Erwartungsvoll schaute sie ihre Freunde an und nahm auch Lunas ratloses Gesicht wahr.
"Was ist denn?", fragte sie verwundert und Luna durchbrach die aufkommende peinliche Stille.
"Ich glaube du meinst den Krunzenden Gnix.", sagte sie freundlich und lächelte Hermine an.
"Aber es heißt der grunzende...", wiedersprach Hermine und biss sich auf die Lippe.
Luna verneinte und fing an zu erzählen.
"Der Krunzende Gnix ist ein kleines pelziges Tierchen, das in dem Amazonas haust. Ein Knix ist ein leuchtend gelber Falter, der in Afrika zuhause ist. Ein grunzender Knix wäre also ein grunzender Schmetterling. Und da die Geräusche von dem Gnix sich eher nach einem Krunzen anhören, heißt er der krunzende Gnix."
Hermine war völlig baff und versuchte ein neues Gesprächsthema zu finden, da es ihr unangenehm war, dass Ron recht gehabt hatte und ausgerechnet Luna einen genauen Eintrag aus einem Buch über magische Tierarten zitiert hatte.
Zum Glück rettete Neville, ohne es selbst zu wissen, die Situation indem er ein heikles Thema ansprach.
"Das Jahr wird total anders, als die anderen.", meinte er und schaute in die Runde.
"Ohne Dumbledore wird es einfach nicht dasselbe sein. Er wird uns einfach fehlen.", stimmte Luna ihm zu und blickte niedergeschlagen drein.
"Snape war einfach ein hinterhältiges Biest.", nickte Neville und seine Stimme klang wirklich wütend und verzweifelt.
Hermine zuckte zusammen und schaute sofort aus dem Fenster. Die Landschaft glitt schnell an ihr vorbei. Flüsse wurden zu Wiesen. Wiesen wurden zu Wäldern. Ganz weit hinten erkannte sie die groben Umrisse der Berge. Die höchsten Gipfel ragten spitz in die Höhe und überholten die höchsten Bäume in den Wäldern.
"Was meinst du dazu, Hermine?", fragte Neville und schob sich noch einen kleinen Keks in den Mund.
Hermine schluckte und dachte an Harrys Erzählung. Laut ihm war Snape ein ehrenvoller Mann, aber Hermine ahnte, dass er Harry nur geholfen hatte weil seine Liebe zu Lily nie erloschen war.
Sie wusste nicht, ob sie Luna und Neville die ganze Geschichte erzählen durfte, aber sie hatte keine Lust stundenlang nur über sich, Harry und Snape zu sprechen.
"Snape war zwar ein machtgieriger und hinterhältiger Mann, aber er war auch ein ehrenvoller, würdiger und ehrlicher.", fasste sie ihr eigenes Bild von Severus Snape zusammen.
Auf dem Sitz neben Hermine lag ein Tütchen mit Süßigkeiten und sie griff gierig rein. Seit dem Morgen hatte sie nichts gegessen, da Ginny sie beinahe mit Gewalt aus dem Haus der Weasleys gezogen hatte. Ginny hatte sich verantwortlich für die kleine Jungsbande gefühlt und wollte auf gar keinen Fall den Zug verpassen.
Hermine redete mit Neville während sie mit ihrer Hand blind in der Tüte tastete. Schließlich griff sie einfach nach dem erstbesten klebrigem Süßkram und nahm es heraus. Sie hatte eine Ferkelschnauze erwischt, die freudig grunzte. Luna verkniff sich ein Lachen, denn Hermine schaute sie warnend an. Sie wollte nicht auf ihren dummen Fehler hingewiesen werden.
"Die grunzt ja genau wie Crabbe und Goyle.", sagte Neville und kicherte über seinen eigenen Witz.
Hermine stimmte in sein Kichern ein und fühlte bereits Tränen in ihren Augen, als Luna die beiden mit einem Fingerschnippen zum Schweigen brachte.
"Ich glaube Goyle heute am Bahnhof gesehen zu haben!", flüsterte sie und schaute Neville mahnend an.
"Nein!", stöhnte dieser auf, "Wenn der da ist, kann ein gewisser Jemand nicht weit sein."
"Das Frettchen ist ganz feige abgehauen.", beruhigte Hermine ihn und rümpfte schon bei dem Gedanken an Malfoy die Nase, "Und ich bezweifle, dass diese Familie den Mumm hat nach den ganzen Geschehnissen wiederzukommen."
Sie wollte wieder aus dem Fenster schauen und vielleicht in ihren Gedanken einen Entwurf für den Brief an Ron fertigstellen, als Luna plötzlich merkwürdig zusammenzuckte und sich lauernd umsah.
"Was i-", fing Neville laut schmatzend an, aber Luna legte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und brachte Neville zum Verstummen.
Langsam drehte Luna ihren Kopf zu der Tür und starrte diese an. In dem Moment kam sie Hermine unglaublich merkwürdig und nahezu gruselig vor. Dann sah aber auch sie die leichten Wellen auf dem Stoff der Vorhänge. Die roten Vorhänge waren zugezogen damit niemand auf die Idee kam in das Abteil reinzuplatzen. Bei dieser vollkommenen Stille hörte Hermine leises Gekichere und Geflüstere hinter der Tür. Schnell zückte sie ihren Zauberstab, nickte Luna zu, richtete den Zauberstab auf die Tür und mumelte in Gedanken Alohomora! Die Tür öffnete sich im selben Augenblick und vor ihr war ein Haufen kleiner Erstklässler, die noch nicht ganz verstanden hatten, dass sie entdeckt wurden. Sofort versuchten sie sich einigermaßen sortiert aufzustellen und schauten die drei Zauberer an. So ging es einige Minuten. Hermine, Luna und Neville schauten die Erstklässler leicht erbost an und diese starrten zurück. Dann begann der wahrscheinlich Mutigste zu sprechen.
"Das ist doch das Abteil von Harry Potter?", fragte er mit einer piepsigen Stimme.
Er erinnerte Hermine an eine kleine Stechmücke, die es wagt sich an den Mann mit der besten Blutgruppe zu heften. Sie und ihre Freunde seufzten im Einklang und Hermine rollte mit den Augen. Natürlich verstand sie die Neugierde der Neulinge, aber sie war nicht das Auskunftsbüro für Harry Potter&co.
"Wieso?", stellte sie die Gegenfrage und musterte die Kinder.
"Das hat euch nichts anzugehen!", rief plötzlich einer von der rebellischen Sorte.
"Wir suchen Harry Potter und wieso sitzt ihr in seinem Abteil?"
Einige der Kinder drängten sich durch die Tür und waren bereit sich niederzusetzen.
Hermine schnappte nach Luft und umklammerte ihren Zauberstab so, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.
"Raus! Aber dalli!", befahl sie und deutete auf die Tür.
Neville und Luna waren keine große Unterstützung. Sie schauten sich bloß das Schauspiel an und sagten gar nichts.
"Ihr auch!", brüllte der Junge mit der piepsigen Stimme.
Hermine holte tief Luft, aber es half nichts mehr. Sie wollte ihre Ruhe haben und die Erstklässler trugen nicht dazu bei.
"Ich bin Harrys beste Freundin und ihr könnt jetzt gehen.", zischte sie und zeigte erneut auf die Tür.
"Und Harry James Potter wird dieses Jahr nicht in Hogwarts zu finden sein!"
Sofort wurde sie mit großen Augen von der Gruppe der Frischlinge angesehen und einige machten Anstalten Fragen zu stellen.
"Raus! Und man lauscht nicht an fremden Türen!", schrie sie und die gesamte Gruppe verzog sich. Manche warfen ihr noch bewundernde Blicke zu, aber Hermine stand nur da, die Hände in die Hüften gestemmt, und wartete bis alle verschwunden waren.
"Wir sollten die Schuluniformen anziehen. Bald sind wir in Hogwarts.", sagte Luna und sammelte die Süßigkeiten auf.
---------------------------------------------------------------------------
Hermine strich ihren Umhang glatt und nahm ihre Koffer von der Gepäcktrage. Langsam rollte der Zug in den Bahnhof ein.
"Auf ein gutes Jahr.", flüsterte sie und blickte in die dunkle Nacht.
DU LIEST GERADE
A hidden year (Dramione FF)
Fanfiction"Der Familienname sagt gar nichts über einen aus, Granger." Seit neustem auch mit Fortsetzung: A hidden hour
