Liebe und Pläne

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Ich konnte draußen einen Donner hören. Der Regen prasselte auf das Dach von Lindas Haus, während im Inneren für einen Moment die Luft angehalten wurde. Amenadiel, Linda, Michael, Dad und ich starrten Gott abwartend an. Eine gewisse Anspannung war in der Luft zu spüren und ich merkte, dass sogar ich unbewusst den Atem anhielt. Grandpa sah meinen Vater an und ich versuchte in seinen Gesichtszüge Trauer oder etwas dergleichen zu entdecken, fand aber nur... ich wusste nicht, was es war... Ausdruckslosigkeit? Gleichgültigkeit? Langeweile? Ich wurde aus diesem Kerl nicht mehr schlau. Müsste er nicht irgendwie Trauer empfinden, dass sein Sohn ihn das fragen musste? Oder Bedauern?

"Wenn du mich das fragen musst...", begann Grandpa zu reden - von Emotionen keine Spur. "...hab ich wohl wirklich etwas falsch gemacht."

Ich schnaubte und sah sogleich, wie mein Vater verbittert den Kopf schüttelte. "Also nein", sagte er mit Verachtung in der Stimme.

"Das hat er nicht gesagt", wollte Amenadiel seinen Vater verteidigen, aber Dad unterbrach ihn zugleich.

"Immer wenn ich nicht lügen will, weiche ich der Frage aus." Er sah Grandpa eindringlich an. "Das hab ich von dir, Dad." Er machte eine kurze Pause und sah seinen Vater abwartend an, aber Gott blieb stumm. Ehrlich gesagt, hatte ich auch nicht erwartet, dass er daraufhin etwas sagte. "Wenn ich darüber nachdenke, macht es sogar Sinn", fuhr Dad fort. "Es erklärt so Einiges." Er schüttelte bei sich den Kopf. "Du hast uns niemals geliebt... Du bist überhaupt nicht fähig zu lieben..." Voller Abwertung sah er seinen Vater an, doch dieser zuckte immer noch nicht mit der Wimper. Dann stand er ruckartig auf, murmelte verbittert "Reine Zeitverschwendung" und forderte mich auf, mit ihm zu kommen. Ich tat es nur allzu gern. Alles, nur um endlich diesem grauenhaften Abendessen zu entfliehen.

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Dad und ich flogen ins LUX und das Erste, was er tat, war sich einen Whiskey einzuschenken. Er hatte, seit wir Lindas Haus verlassen hatten, kein Wort mehr gesagt, und langsam machte ich mir wirklich Sorgen um ihn. Das Abendessen schien ihn mehr mitgenommen zu haben, als es im ersten Moment geschienen hatte.

Ich beobachtete ihn aufmerksam und angespannt, was er als Nächstes machen würde. Mit einem gefüllten Glas in der Hand durchquerte er sein Apartment und blickte durch die Fensterfront auf LA hinab. Nachdem er eine Weile nur stumm dastand, ging ich mit langsamen Schritten auf ihn zu.

"Das muss ziemlich hart gewesen sein", begann ich langsam, als ich neben ihm zum Stehen gekommen war. "Ich weiß, Grandpa ist ein Idiot, aber er ist immer noch dein Vater... es ist klar, dass du seine Liebe willst... genauso wie ich deine." Die letzten Worte fügte ich nur noch murmelnd hinzu.

Dad nahm sich die Zeit, um das Whiskey-Glas zu leeren, bevor er sich mit kalter Miene zu mir wandte und antwortete: "Ich will seine Liebe nicht. Ich wollte nur, dass er zugibt, was für ein schlechter Vater er ist." Seine Stimme hatte einen rauen Ton angenommen.

"Das wird er niemals zugeben", erwiderte ich trocken und starrte geradeaus über die Lichter der Stadt. Ich kannte Gott die meiste Zeit meines Lebens. Das er einen Fehler zugab, hatte ich noch nie erlebt. In seinen Augen war er perfekt und vollkommen. Gott machte keine Fehler. Dass er Adolf Hitler erschaffen hatte, war genau geplant und durchdacht gewesen. Und im Falle Donald Trump war er auch nicht besoffen gewesen. Wenn es um seine Kreationen ging, gab er nur äußerst selten zu, etwas falsch gemacht zu haben und wenn es um seine Kinder ging, bestritt er alles.

Er nutzte sie zu seinen Zwecken aus - hatte sie zu seinen Kriegern - seinen Sklaven - gemacht; hatten sie dann nicht wenigstens etwas Zuneigung von ihrem Vater verdient? Azrael arbeitete beinahe jede Minute, um tote Seelen in den Himmel oder in die Hölle zu bringen. Wenn ihr Vater sie lieben würde, würde er ihr von Zeit zu Zeit Pausen gestatten - oder sie komplett von dieser niemals endenden Aufgabe befreien.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 20, 2021 ⏰

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