In dieser Nacht schlief ich echt beschissen. Ich träumte von Asmo, Michael und einem grinsenden Gabriel. Worum es genau ging, hatte ich sofort vergessen, als ich aufwachte. Allerdings waren meine Haare und das Shirt von gestern, das ich noch immer trug, nassgeschwitzt, weshalb ich vermutete, dass es nichts Schönes gewesen sein konnte.
Ich wälzte mich vom Sofa und streckte mich erstmal ausgiebig. Mit einer schnellen Handbewegung wischte ich mir die braunen Haare aus dem Gesicht, als mein Blick auf den Wohnzimmertisch vor mir fiel. Ein halbgefülltes Whiskey-Glas lächelte mich von dort aus an und ohne groß darüber nachzudenken, griff ich danach und trank es in einem Zug leer. Alkohol am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.
Von der großen Fensterfront drang schwaches Sonnenlicht hinein. Noch immer hingen Wolken über LA, aber das Wetter war schon auf dem Weg der Besserung. In ein paar Tagen würde der gleisende Sonnenschein zurückgekehrt sein. Das war gut; ein bisschen Vitamin D konnte mir nicht schaden nach den langen Jahren in der dunklen Hölle. Nicht das ich es brauchen würde, aber es war ein schönes Gefühl warmes Sonnenlicht auf der Haut zu spüren.
Ich stand auf und schlurfte in Richtung Dads Schlafzimmer, um zu schauen, ob er schon wach war. Mir war bewusst, dass ich es heute nicht mehr herauszögern konnte, Asmo wiederzusehen. Allerdings war ich nicht scharf darauf, so bald wie möglich den Stripclub aufzusuchen. Ich brauchte eine Ausrede, warum ich noch nicht hingehen konnte. Vielleicht hatte Dad irgendeine Aufgabe für mich (außer Michael finden). Vielleicht konnte ich mich irgendwie bei dem Diablo-Fall einklinken. Ja, ich weiß, dass es keinen Sinn hatte, es hinauszuzögern. Irgendwann musste ich meinem Freund wieder in die Augen sehen und das Gespräch mit ihm führen. Das Gespräch über uns und warum ich gestern ihn so angemotzt und danach gleich aufgelegt hatte. Oh Mann, wie sollte ich ihm das erklären? Vielleicht sagte ich einfach, ich hatte einen schlechten Tag, weil ich Michael nicht gefunden hatte. Oder ich sagte ihm die Wahrheit, dass mir seine ganze Art langsam auf die Nerven ging; dass es mich stört, wenn er sich immer plötzlich von mir abschirmte und im nächsten Moment so tat als wäre nichts gewesen, um sich an mich ranzuschmeißen.
Ich glaubte nicht, dass ich mich dazu durchringen konnte, ihm das zu sagen. Deswegrn brauchte ich dringend eine Ausrede, um nicht jetzt zu ihm zu müssen. Leider war das Schlafzimmer meines Vaters leer. "Dad!", rief ich laut durchs Apartment, aber als nach einer ganzen Weile noch immer keine Antwort kam, musste ich davon ausgehen, dass er schon zur Arbeit gegangen war. Verdammt! Dann brauchte ich etwas anderes. Zum Glück brauchte ich nicht lange, bis mir etwas einfiel.
Ich schnappte mir meine Lederjacke und wollte zum Fahrstuhl laufen, bevor mir einfiel, dass ich noch immer zerzauste Haare und ein stinkendes T-Shirt anhatte. Bei allem Wohlwollen - so konnte ich nicht auf die Straße treten. Ein leichtes Lächeln zuckte über meine Lippen, weil mir doch noch eine Ausrede eingefallen war.
Es war wirklich lächerlich, wie lange ich mich an jede ach so kleine Verzögerung klammerte, um meinem Freund nicht gegenübertreten zu müssen. Allerdings war es auch eine wirklich schwierige Entscheidung, aus dem Schrank meines Vaters die richtigen Klamotten zu finden. Zwar lagen da auch vereinzelt Frauen-Klamotten herum, aber wer weiß, wer die vorher angehabt hatte. Das tat ich mir nicht an. Da trug ich lieber Dads viel zu große Hemden. Nach einigen weiteren Minuten entschied ich mich schließlich für ein schwarzes. Es hätte an mir auch ein Kleid sein können, aber nachdem ich es in meine Jeans gestopft hatte ging es. Rein aus Prinzip und weil es besser als die Lederjacke zu dem Hemd passte, schnappte ich mir noch eines seiner teuren Jackets, obwohl auch das mir zu groß war. Oversized-Looks waren doch gerade in, oder?
Schlussendlich hatte ich das LUX verlassen und spazierte in Seelenruhe nicht zu Asmo - nein, natürlich nicht -, sondern zu Linda, um meinen kleinen Cousin Charlie wiederzusehen. Trotz meinem Schneckentempo war ich viel zu schnell bei dem Haus der Psychologin angekommen. Ich klingelte und kurze Zeit später öffnete sich die Tür.
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Tochter des Teufels 2 (Lucifer ff)
FanfictionMichael ist ein hinterlistiges, mannipulatives Arschloch und zu allem Unglück Lucifers Zwillingsbruder. Er ist eifersüchtig auf eben diesen und will sein Leben in jeder erdenklichen Weise zur Hölle machen. Obwohl der Teufel und seine Tochter Lilith...