9 - Streitgespräche um Mitternacht

372 37 18
                                        

In dieser Nacht ist es eiskalt, als ich das Haus verlasse. Dicke Regentropfen fallen auf die Erde hinab und stürmische Windböen zerren an meinem Körper.

Es scheint, als hätte sich das Wetter meinem düsteren Vorhaben angepasst.

Innerlich ohrfeige ich mich immer noch, dass ich meine kleine Schwester in den vergangenen Monaten so sehr vernachlässigt habe. Ich war zu fixiert darauf, Shay zu beschützen, sodass ich Weyas Gesundheit total aus den Augen verloren habe.

Das darf nie wieder passieren! Meine Schwester hat oberste Priorität!

Das ist auch der Grund, weshalb ich meine moralischen Zweifel verwerfe, mir meine schwarze Kapuze tiefer ins Gesicht ziehe und dann das riesige Anwesen vor mir betrete. Die drei Bentleys, die vor dem Haus stehen, sind Beweis genug, um zu wissen, dass ich in dieser Villa genügend Geld für Weyas Chemotherapie auftreiben kann.

Auf leisen Sohlen umrunde ich schließlich den Wohnkomplex und halte nebenbei nach einer Alarmanlage Ausschau.

Endlich spielt mir das Schicksal mal in die Karten, denn auch diese reichen Schnösel sind so dämlich und haben ihr Haus nicht gesichert. Umso besser für mich.

Ich möchte mich gerade an dem Hintereingang der Villa zu schaffen machen, als sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter legt.

Unwillkürlich wird mein Körper von Panik durchflutet.

Mein Herzschlag setzt für den Bruchteil einer Sekunde aus, nur um gleich darauf dreimal so schnell weiterzuschlagen.

Ich wurde erwischt!

Verdammte Scheiße!

Jetzt kann ich nur noch beten, dass nicht die Cops höchstpersönlich hinter mir stehen.

„Wusste ich es doch, dass du das bist, Kylan", raunt mir auf einmal eine bekannte Stimme zu. Noch in derselben Sekunde drehe ich mich um und werde von bernsteinfarbenen Augen in Empfang genommen.

„Scheiße, Shay!", murmele ich verärgert. „Du hast mich zu Tode erschreckt!"

Anstatt mir eine Antwort darauf zu geben, verziehen sich ihre Lippen lediglich zu einem triumphierenden Grinsen.

Wüsste ich es nicht besser, würde ich meinen, dass sie Undercover für die Polizei arbeitet.

„Was machst du hier?", frage ich die Brünette schließlich nervös. Je länger wir vor diesem Haus stehen und uns unterhalten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

„Ich halte dich davon ab, einen Fehler zu begehen, Kylan", zuckt die Braunäugige zur Antwort mit den Schultern.

Vermutlich meint sie es gar nicht böse, aber ihre Worte stimmen mich wütend. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Einbruch keine gute Tat ist, aber anders kann ich meiner kleinen Schwester nun mal nicht helfen. Entweder ich gehe dieses Risiko ein oder Weya stirbt in den nächsten Wochen.

„Verschwinde einfach wieder von hier, Shay", zische ich meiner Gegenüber verärgert zu. „Ich habe schließlich noch Einiges zu erledigen."

„Nein!" Entschlossen schaut sie mich aus ihren dunklen Augen an. „Ich werde nur gehen, wenn du mitkommst!"

So langsam werde ich ungeduldig. Shay hält mich unnötig zurück und spielt somit mit dem Leben meiner Schwester.

„Du kannst nicht in fremde Häuser einbrechen und Wertgegenstände klauen, Kylan", beginnt die Brünette nun zu allem Überfluss mit einer Moralpredigt. „Ich weiß, dass du deiner Schwester helfen möchtest, aber ich habe eine andere Idee, wie du an Geld kommen kannst."

Der Dieb der HerzenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt