15 - Sex Tape

356 25 25
                                    

Ein Gefühl der Erleichterung durchflutet meinen Körper, als ich endlich wieder zu Hause bei Weya und meiner Mutter bin.

Die letzten Stunden, die ich gemeinsam mit Shay verbringen musste, waren der absolute Albtraum. Immer wieder hat sie um Sex gebettelt und immer wieder musste ich sie zurückweisen.

Ich habe wirklich keine Ahnung, was plötzlich mit der brünetten Schönheit los ist, doch angesichts ihres Verhaltens ist es vermutlich das Beste, wenn ich mich ab jetzt von ihr fernhalte – nicht, dass mein Herz noch mehr leiden muss, als es ohnehin schon gelitten hat.

„Und du hast wirklich einen Affen gefüttert?", fragt mich Weya am nächsten Morgen mit großen Augen. „Wie cool ist das denn?!"

„Das war wirklich cool. Aber weißt du, was noch viel cooler ist, Prinzessin?", grinse ich die Blondine augenbrauenwackelnd an, woraufhin sie sofort ihren Kopf schüttelt. „Wenn du deine Chemotherapie gut überstanden hast, fahren Mama, du und ich gemeinsam in den Zoo und füttern auch die Affen, okay?"

Das ist der Moment, in dem Weyas Augen wie kleine Sterne strahlen. Zusätzlich macht sich ein Lächeln, das heller als die Sonne scheint, auf ihrem Gesicht breit und erwärmt mein Herz.

Ich liebe es, meinen kleinen Engel so glücklich zu sehen.

Meine gute Laune ist jedoch nur von kurzer Dauer, da Mum unbeabsichtigt Salz in meine offenen Wunden streut, indem sie wissen möchte: „Und was ist mit Shay? Fahren wir etwa ohne sie?"

Unmittelbar macht sich ein bitterer Beigeschmack auf meiner Zunge bemerkbar.

Shay kann mir aktuell gestohlen bleiben. Solange sie auf ihrem merkwürdigen Sex-Trip ist, möchte ich nichts mit ihr zu tun haben.

„Na ja", druckse ich deshalb verlegen herum. „Shay kennt den Zoo schon in- und auswendig. Außerdem müssen wir mal wieder ein Familienwochenende machen."

Glücklicherweise scheint Mum zu realisieren, dass ich gerade nicht sonderlich gut auf die Brünette zu sprechen bin, denn sie lässt das Thema Shay fallen und verwickelt Weya stattdessen in ein Gespräch, das sich um Hunde und Katzen dreht.

Während sich meine Mutter und meine Schwester also über Tiere unterhalten, schwelge ich mal wieder in Gedanken.

Eigentlich möchte ich nicht permanent an Shay denken, doch ihre bernsteinfarbenen Augen und ihr süßes Lächeln schleichen sich immer wieder gegen meinen Willen in meinen Kopf.

Irgendetwas muss passiert sein, dass sie so plötzlich auf körperliche Nähe aus ist. Anders kann ich mir ihr Verhalten nicht erklären.

„Kylan?" Obwohl mich Weyas Stimme erschreckt, bin ich froh, dass sie mich aus meinem Gedankenkarussell befreit.

„Was ist los, Prinzessin?", hake ich lächelnd nach.

„Gehst du mit mir auf den Spielplatz?" Die Blondine setzt ihren besten Hundeblick auf, womit sie es mir unmöglich macht, ihr einen Wunsch abzuschlagen. Das ist auch der Grund, weshalb ich seufze und dann nachgebe: „Alles, was du möchtest."

Begeistert klatscht der kleine Engel in die Hände, ehe sie vom Küchentisch aufspringt und in den Flur verschwindet. Auf halbem Weg ruft sie mir jedoch noch ein „Beeil dich, du lahme Ente!" zu.

Zwar ist mir in Anbetracht der vergangenen Tage ganz und gar nicht nach einem Spielplatztag zumute, aber Weya zuliebe erhebe ich mich ebenfalls vom Tisch und schlurfe zu ihr in den Flur. Gemeinsam ziehen wir uns Schuhe und Jacke an, sodass wir wenige Minuten später Hand in Hand unser zu Hause verlassen.

Kaum werden wir von der angenehmen Morgenluft umhüllt, stößt meine kleine Schwester ein freudiges Jubeln aus.

Ich bewundere sie sehr dafür, dass sie in allen Sachen etwas Positives und Schönes sieht. Selbst jetzt, wo dunkle Wolken am Himmel hängen und ein frischer Wind durch die Luft weht, ist sie glücklich.

Der Dieb der HerzenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt