14 - Der Affenexpress

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Am nächsten Morgen werde ich nicht von Shay, sondern von den kitzelnden Sonnenstrahlen wachgeküsst.

Meine Hoffnung, mich nun etwas besser als am Vorabend zu fühlen, zerplatzt direkt wie eine Seifenblase vor meinen Augen, denn ich fühle mich verdammt mies.

Belogen.

Ausgenutzt.

Dreckig.

Für Shay bin ich nichts weiter als ein bedeutungsloses Spielzeug.

Diese Tatsache schmerzt, doch je eher ich mich damit abfinde, umso schneller werde ich den Schmerz vergessen können.

Ich bleibe noch ein paar Minuten reglos im Bett liegen und hänge meinen trüben Gedanken nach, ehe ich aufstehe und den Weg ins Erdgeschoss antrete. Mit jedem Schritt, mit dem ich mich der Küche nähere, steigt meine Nervosität.

Was, wenn Shay auch schon wach ist? Wie soll ich mich dann ihr gegenüber verhalten? Soll ich nochmal den gestrigen Abend ansprechen?

Der Strudel aus Fragen wird durchbrochen, als mir ein bernsteinfarbenes Augenpaar entgegenblickt. „Guten Morgen, Kylan", säuselt Shay gutgelaunt. „Wie hast du geschlafen? Ich hoffe natürlich gut."

Überrumpelt von ihrer Freundlichkeit schaffe ich es nicht, auch nur ein einziges Wort von mir zu geben.

Das Mädchen, das gerade vor mir am Küchentisch hockt, ist nicht Shay - jedenfalls nicht die Shay von gestern Abend. Sie wirkt wie ausgewechselt - wie ein anderer Mensch.

„Setz dich doch zu mir. Ich habe genug Rührei für uns beide gemacht", spricht die Brünette munter weiter, während sie auffordernd auf den Stuhl neben sich klopft.

Wie ferngesteuert komme ich ihrer Anweisung nach und lasse mich auf dem freien Stuhl nieder.

Es ist merkwürdig, ihr körperlich so nahe zu sein, obwohl wir emotional meilenweit voneinander entfernt sind.

„Ist alles okay, Kylan? Du bist so blass im Gesicht."

Noch immer schaffe ich es nicht, etwas auf ihre Worte zu erwidern.

Während der gestrige Abend etwas ganz Besonderes für mich war, hat Shay bereits alle Ereignisse verdrängt oder sogar vergessen. Das verdeutlicht mir erneut auf schmerzhafte Art und Weise, dass es bloß bedeutungsloser Sex für sie war. So etwas wie Zuneigung oder Verbundenheit scheint sie nicht gespürt zu haben.

„Du bist doch nicht etwa immer noch wegen gestern so komisch drauf, oder?", hakt die Braunäugige schließlich mit gerunzelter Stirn nach. „Es war doch nur Sex, Kylan. Mach jetzt bitte nicht so eine große Sache daraus!"

Ich kann es mir nicht verkneifen, ein spöttisches Schnauben auszustoßen. „Weißt du, Shay, ich habe dir gestern schon gesagt, dass es für mich mehr als nur Sex war, also entschuldige bitte, wenn mich dein abweisendes Verhalten kränkt", erwidere ich wütend. „Lass uns einfach nicht mehr darüber reden, ja?"

Kurz bilde ich mir ein, so etwas wie Reue in Shays dunklen Augen zu sehen, doch dieser Ausdruck verschwindet binnen weniger Sekunden wieder. Stattdessen schleicht sich nun ein freches Grinsen auf ihre Lippen.

„Beeile dich mit dem Frühstücken und zieh dich danach um. Ich möchte dir etwas zeigen." Mit diesen Worten erhebt sich die Brünette und verschwindet aus der Küche.

Wieder einmal lässt sie mich mit meinen kreisenden Gedanken allein zurück.

Um ehrlich zu sein habe ich gar keine Lust mehr auf diesen Tag. Es tut nämlich weh, zu sehen, wie sich Shay ganz normal verhält und so tut, als ob nie etwas zwischen uns gewesen wäre. Im Gegensatz zu ihr kann ich allerdings nicht verdrängen, was gestern passiert ist, und muss ständig daran denken.

Der Dieb der HerzenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt