Kapitel 20

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Mit pochendem Herzen saß ich in meinem Zimmer, die anderen hatten sich auch alle irgendwo niedergelassen. Erwartungsvoll schauten sie mich an. Meine Maske saß perfekt, keine Emotion ließ sich ablesen. Dennoch vermied ich es jemanden direkt an zu schauen. Lieber betrachtete ich meinen Pullover, an dessen Bund sich ein kleiner Faden gelöst hatte. Der Weg nach Hause war auch nicht gerade angenehm. Alle hatten versucht etwas aus mir heraus zu bekommen, aber ich schwieg, und das nicht ohne Grund. Was würden sie nur von mir halten, wenn sie die Wahrheit erfahren? Ich könnte verstehen wenn sie mich nun hassen würden. Würden sie es den anderen im Rudel erzählen? Ob James und Josh ihren Eltern davon berichten? Ich war mir so unsicher, doch zeigen tat ich dies natürlich nicht. Immer wieder hatten sie mich gefragt was das Telefonat bedeutete, ob es mir gut ginge, und so weiter und so fort. Sie konnten es einfach nicht sein lassen. Beim Haus angekommen hatten sie scheinbar gemerkt das sie genauso gut mit einer Mauer hätten reden können.

Ein räuspern ließ meinen Blick nun doch zu Bella wandern. Sie stand, die Arme vekreuzt, vor mir und tippte ungeduldig mit ihrem Fuß auf dem Parkett. Abwartend hob sie eine Augenbraue, als ich auch auf dieses Signal nicht reagierte, riss ihr Geduldsfaden. "Verfluchte Scheiße, fängst du jetzt mal an zu erklären oder muss ich die Antworten aus dir raus prügeln?!" schnauzte sie mich an. Perplex starrten alle sie an. Wahrscheinlich hatten sie eine derartige Reaktion nicht erwartet. Seufzend schloss ich die Augen und ließ meinen Kopf in den Nacken fallen. "Okay. Ich komme ja eh nicht drum herum." gab ich nach und blickte sie wieder an. "Soweit waren wir schon!" meckerte Bella. Ich schloss wieder die Augen und atmete noch einmal tief durch. "Wo soll ich bloß anfangen?" fragte ich mich eher selbst. "Am besten am Anfang!" kam es genervt von Bella. "Wenn das so einfach wäre... Okay, ehm.. Ihr wisst ja mein Dad ist schon lange tot, und naja...eh... Mum ist dann irgendwann mit Alex zusammen gekommen. Ihm viel bald auf das Mum und ich, naja, robuster waren als man glaubte. Halt ausdauernder, und das wir schneller Heilten. Er fing an mich in Kurse für verschiedene Kampfsportarten zu schicken. Er meinte immer : 'Die Welt ist grausam und gefährlich, sie muss wissen wie man sich verteidigt.' Alle glaubten ihm und auch ich tat es irgendwie, obwohl ich ihn nicht leiden konnte. Nach einer Weile zog er Mum zu seinen Illegalen Geschäften dazu. Zu dem Zeitpunkt wurde mir erst bewusst, wer er wirklich war. Und als Mum dann starb, musste ich ihren Platz übernehmen. Ic- er-...Ich musste härter trainieren, mein ganzes Leben richtete sich nach seinen Vorstellungen. Ich bekam einen Ernährungs-" da wurde ich von James unterbrochen "Stimmt, das war dir ja mal rausgerutscht."
"Ja... Ehm, wo war ich? Ach ja. Ich bekam einen Ernährungs- und Trainingsplan, wurde im Umgang mit allen möglichen Waffen ausgebildet. Ab da an ging alles Berg ab. Zu Beginn kostete es mich unmengen an Überwindung und mein Gewissen ließ mich keine Nacht ruhig schlafen. Doch mit der Zeit, wurde ich Kalt und mein Gewissen still." beendete ich meine Erklärung, die ganze Zeit hatte ich auf meine Finger geschaut. Als keiner reagierte sagte ich noch "Es wurde normal, wie der tägliche Weg zur Schule. Es wurde leichter." Nachdem immer noch keine Reaktion kam, stand ich seufzend auf und schaute aus dem Fenster. Die Stille war fast unerträglich, sie erdrückte mich nahezu. Ich schlang meine Arme um mich selbst, als versuchte ich mich selbst zu umarmen.

"Wobei wurde dein Gewissen still?" fragte nun Sarah. "Kannst du dir dass nicht selbst denken?!" meinte nun 007, dessen Namen ich immer noch nicht kannte. "Kann ich schon. Ich will es nur aus ihrem Mund hören!" pflaumte sie zurück. "Mira, was wurde leichter?" richtete sie sich wieder mit freundlicher Stimme zu mir. Ich schluckte hart. "Das töten." flüsterte ich.
Stille.
Keiner sagte etwas oder bewegte sich auch nur.
"Miranda Partellie..." murmelte Bella. "Jetzt macht alles Sinn! Die Andeutungen, das mit der Zielscheibe auf dem Rücken, dass du keine Angst vor dem Gang Tattoo hast, dass du dich traust so mit Tristan umzugehen. Doch eine Sache verstehe ich nicht.." ihr schien alles einzuleuchten. "Was verstehst du nicht?" fragte ich vorsichtig nach. "Es hieß nur einer aus dem engsten Kreis hat überlebt... OH MEIN GOTT!!!" schrie Bella. "Was?" kam es aus sieben Mündern gleichzeitig. "Also es war ja ganz groß in den Nachrichten, dass der engste Kreis starb. Offizielle war es ein Bandenkrieg, Gerüchten zu Folge war es aber ein Massacker. Ich hab Bilder gesehen, ein einziges Schlachtfeld! Der engste Kreis bestand aus 15 Leuten, doch es waren nur 14 Leichen. Jemand hat überlebt! Es heißt das 'die Lebende Waffe' nicht unter den Toten zu finden war." Den Blick weiterhin aus dem Fenster gerichtet antwortete ich. "Die Gerüchte stimmen."
"Dann müsste doch eigentlich noch mindestens eine Leiche da sein. Und zwar die des Täters... Lass mich raten-" mir war klar das Bella es nun wusste also beendete ich ihren Satz. "Die Waffe ist der Täter." Ich drehte mich um und sah alle nacheinander an. "Ich bin diese Waffe."

Jedes mögliche scenario ging mir durch den Kopf. Ich war darauf vorbereitet dass sie mich anschreien könnten und dass sie Angst vor mir haben könnten, doch das definitiv nicht! Ich blickte in mitleidige, aber auch neugierige Augen.
"Kannst du uns trainieren?" kam es von 007. Dazu viel mir absolut nichts ein. "Also ich mein, ich hab das nicht nötig, aber die anderen. Und wegen dem Wettbewerb in den Sommerferien, wäre ein wenig extra Training nicht schlecht." meinte er als müsste er sich erklären. "Ich-äh...eh- A-aber hasst du mir gar nicht zugehört?" Also jetzt verstand ich gar nichts mehr! "Doch das hat er, Mira. Er liegt nicht falsch, deine Erfahrung kann uns helfen z.B könntest du die Verteidigung des Rudels unterstützen." James schien echt begeistert zu sein.
"Ich würde keine Hilfe sein. Selbstverteidigung ist nicht so meine Stärke. Ich wurde nicht darauf trainiert mein eigenes Leben zu schützen, sondern dass meines Gegners zu beenden!" rief ich nun. "Mira, dass wissen wir. Okay? Du kannst es dir ja mal überlegen, aber dass musst du nicht jetzt. Komm her" sagte Bella und öffnete ihre Arme, in deren Umarmung ich mich sofort flüchtete. "Es war doch nur ne Frage." hörte ich 007 sagen, kurz darauf ein Geräusch das sich anhörte als hätte ihm jemand gehauen und ein empörte "Hey!". Langsam kamen auch die Zwillinge zu uns und dann Muttierte das ganze zu einer Gruppe Umarmung.

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Hey, ist diesmal was kürzer. Ich wünsche euch ein gruuuuselieges Halloween🎃. Viel Spaß euch.
Eure Zoe

Alles hinterlässt SpurenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt