Kapitel 9

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Ich wachte schon früh am nächsten Morgen auf. Freitags hatten wir nicht so lang Schule, deshalb würden wir uns schon am Nachmittag zu den Weasleys in den Fuchsbau aufmachen, aber davor mussten wir noch Wahrsagen und Zaubertränke hinter uns bringen.
Wahrsagen war nicht unbedingt mein Lieblingsfach und naja Zaubertränke möchte ich gern aber die Anwesenheit eines gewissen Professors machte mir ziemlich zu schaffen. Gott sei dank verging der Tag schnell.
In Zaubertränke konnte ich immer wieder Snapes Blick auf mir spüren doch ich versuchte das zu ignorieren.
Nach Schulschluss brachte ich meine Schultaschen zurück in mein Zimmer. Ich hatte noch eine Stunde bis ich mich in der Eingangshalle mit meinen Freunden treffen würde.
Ich beschloss noch schnell zu duschen. Danach zog ich mit eine schwarze Skinny Jeans und einen meiner geliebten Oversize Pullis an dessen kräftiges grün das smaragdgrünen meiner Augen betonte. Ich hatte noch ein paar Minuten Zeit, deshalb beschloss ich ein leichtes Makeup aufzulegen. Natürlich mithilfe von Magie. Als ich zufrieden war schlüpfte ich schnell in meine Chucks und schnappte meine magische Tasche.
In der Eingangshalle traf ich zeitgleich mit Harry, Ron, Hermine und Ginny ein. Wir machten uns fröhlich lachend auf den Weg nach Hogsmeade, von dort wurden wir in den Fuchsbau reisen, da man auf dem Gelände von Hogwarts nicht apparieren konnte. Ich hasste apparieren. Dieses Gefühl, das man dabei hatte war grauenhaft. Als ob man durch einen Gartenschlauch gedrückt wurde.
Da ich noch nie im Fuchsbau war würde mich Hermine mitnehmen. Ginny hatte ihre Prüfung noch nicht abgelegt und würde daher mit Ron reisen.
„Bereit?“, fragte Hermine. Ich nickte und schon ging es los. Einen Augenblick später standen wir in einem wunderschönen, leicht verwachsen Garten vor einem hohen windschiefen Haus. Ich liebte es in dem Moment in dem ich es sah.
Schon wurde die Tür schwungvoll aufgerissen und ein ganzer Schwall rothaarige Leute kam heraus. Sie sahen alle so freundlich aus. Sie begrüßten mich so herzlich als würden wir uns schon seit Jahren kennen.
Mrs. Weasley legte mir einen Arm um die Schultern und  stellte mir die Familie vor „Hallo Liebes, ich bin Molly, das ist mein Mann Arthur und das sind unsere Söhne Bill, Charlie, Percy, Fred und George. Bitte fühl dich hier ganz wie zuhause.“
Der Reihe nach gaben wir uns die Hände und ich lächelte sie alle an. Hermine und ich würden mit Ginny in ihrem Zimmer schlafen und wir brachten unsere Sachen hoch.
„Na, wie gefällt dir hier?“, wollte Hermine wissen kaum, dass die Tür ins Schloss gefallen war.
„Ganz ehrlich? Ich liebe es.“ An Ginny gewandt fügte ich hinzu „Ginny deine Familie ist toll.“
Sie lachte und antwortete „Warte bist du sie besser kennengelernt hast.“
Wir warfen unsere Sachen auf die Matratzen und gingen zu den anderen in die Küche. Molly hatte einen fantastischen Kuchen gebacken. Die Küche war klein aber sehr gemütlich.
„Molly, Arthur ich hab euch eine Kleinigkeit mitgebracht.“, sagte ich als ich ihnen die kleinen Päckchen überreichte.
„Ach Liebes, das ist doch nicht nötig.“, antwortete Molly. Sofort als sie die kleine Schachtel öffnete schossen ihr die Tränen in die Augen. „Oh Gott, Aria sie ist wunderschön.“ Sie zog mich in eine lange und feste Umarmung.
Auch Arthur war begeistert von seinem Geschenk ich wusste von Hermine, dass er Muggeldinge liebte und so verbrachte ich die nächsten Minuten damit ihm alle Funktionen zu erklären.
Wir aßen köstlichen Kuchen, tranken Tee und lachten viel.
George und Fred zeigten mir vor dem Abendessen das Haus und den Garten. Hermine hatte recht die beiden waren wirklich witzig und ich verstand mich sofort super mit ihnen.
Percy war etwas speziell aber auch er war im großen und ganzen nett.
Bill war ein sehr charmanter und zuvorkommend junger Mann und Charlie redete so gut wie nichts.
Ich ging in die Küche um Molly zu fragen ob sie Hilfe für das Abendessen brauchen würden.
„Nein danke Liebes, aber wenn du möchtest kannst du den Tisch decken.“, antwortete sie.
Mit Magie ging alles so viel einfacher denn die Zutaten wurden von einem Messer geschnitten und der Topf rührte sich alleine um. Ich stützte meine Ellbogen auf die Arbeitsplätte der kleinen Kücheninsel und sah Molly zu wie sie beschäftigt ihren Zauberstab schwang.
Ich fand den Anblick von jemandem der mit Zauberstab zauberte immer noch seltsam aber auch faszinierend. Ohne mich zu bewegen oder meine Augen von Molly abzuwenden öffnete ich den Geschirrschrank und die Besteckschublade. Langsam ließ ich alles zu dem großen Esstisch schweben und sanft auf den angedachten Plätzen landen. Mit offenem Mund sah sie mich an und war nicht fähig etwas zu sagen. Ich lächelte sie an und legte meinen rechten Zeigefinger auf meine Lippen.
„Wie… Wie ist das möglich?“, stammelte sie.
„Ich weiß nicht ich mach das schon immer so.“
Die Küche füllte sich schnell bevor Molly etwas erwidern konnte. Das Abendessen war köstlich. Es gab den besten Gemüseeintopf den ich je gegessen hatte.
Als alle satt waren, gingen wir in das Wohnzimmer und unterhielten uns.
Ich genoss den Abend mit einem kalten Butterbier. Wie schön es sein muss wenn man hier aufgewachsen ist.
Ich gähnte, der Tag war wunderschön aber sehr anstrengend. Da Hermine und Ginny auch schon müde waren beschlossen wir ins Bett zu gehen.
Ich wachte auf als die Sonne aufging und beschloss gleich duschen zu gehen. Der Fuchsbau hatte nur zwei Badezimmer und wenn die anderen erst einmal wach waren würde es einen regelrechten Ansturm auf die Bäder geben. Ich kramte leise eine Jeans, ein enges, weißes Tanktop und eine graue Wolljacke die mir bis zur Mitte meiner Oberschenkel reichte aus meiner Tasche.
Im Bad zog ich mich aus und genoss das warme Wasser auf meiner Haut. Das erste Mal seit ich vier war hatte ich mit anderen Personen in einem Raum geschlafen und es war gar nicht so schlimm wie ich dachte.
Ich trocknet mich ab und zog mich an. Mein Makeup und die Haare machte ich mit Magie. Ohne konnte ich das gar nicht. Ich beschloss meine Haare heute offen und glatt zu tragen.
Als ich zurück ins Zimmer kam, schlief Ginny noch und Hermine war gerade aufgewacht.
„Guten Morgen.“, flüsterte ich.
„Morgen du Frühaufsteherin.“, lächelte sie zurück.
Ich hatte auf dem Rückweg ins Zimmer gehört, dass schon jemand dabei war Frühstück in der Küche zu machen und ich beschloss zu helfen. Also stieg ich so leise wie möglich die knarrende Treppe hinunter.
„Guten Morgen Molly.“, Begrüßte ich Ron’s Mutter.
„Guten Morgen Liebes. Ich hoffe du hast gut geschlafen.“, fragte sie freundlich.
„Ich fühle mich wie neu geboren. Kann ich helfen?“
„Gerne, aber nur wenn du magst.“
Ich deckte erneut den Tisch und half ihr die Speisen auf den Tisch zu stellen. Diesmal auf Muggelart. Sie war am Vorabend so erschrocken über meine Art den Tisch zu decken, dass ich es nicht wagte es wieder so zu tun.
„So ich werde mal die faule Bande da oben wecken.“, sagte sie als sie als sie die Küche verließ.
Ich goss mir Kaffee in meine Tasse und genoss die Ruhe vor dem Sturm. So viele Menschen waren trotz meiner Wochen in Hogwarts noch immer fremd für mich aber nach und nach fühlte ich mich immer wohler hier. Was vermutlich an den netten Bewohnern des Hauses lag, die mich so herzlich aufgenommen hatten.
Beim Frühstück war es nicht ganz so laut wie am Abend zuvor. Die meisten waren noch ziemlich müde. Nur Charlie schien bereits ausgeschlafen zu haben.
Nach dem alle gegessen hatten zerstreut sich die Gruppe. Ich half Molly die Küche aufzuräumen und beschloss das schöne Wetter bei einem Spaziergang in dem großen Garten zu genießen. Überall sah man Gnome herumwirbeln. Ich sah ihnen eine Zeit lang zu. Die kleinen Kerlchen waren wirklich lustig anzusehen.
Ich zuckte zusammen, als ich in einiger Entfernung eine Bogensehne zischen hörte und beschloss dem Geräusch zu folgen. Warum sollte jemand in so einer friedlichen Umgebung mit einem Bogen schießen?
Als ich im eine Ecke des Hauses ging, konnte ich sehen, dass der Bogenschütze Charlie war. Leise ging ich auf ihn zu. Er bemerkte mich erst als ich nur noch knapp vier Meter von ihm entfernt war.
„Du bist gut.“, stellte ich fest.
Er sah mich an und sprach dann zum ersten Mal mit mir „Nicht gut genug. Um einen Erwachsenen Drachen zu betäuben braucht man 10-15 Betäubungspfeile, die man am besten so schnell wie möglich in sein Ziel schießt. Sonst könnte es unangenehm werden.“ Dabei sah er mich an. „Du schießt auch?“, fragte er. „Früher mal. Wenn du schneller schießen willst, dann nimm mehrere Pfeile auf einmal in deine Sehnenhand.“
„Wie meinst du das? Wie soll ich schießen und Zielen wenn ich mehrere Pfeile in die rechte Hand nehme?“, verwirrt sah er mich an.
Ich ging drei Schritte auf ihn zu und streckte meinen Arm aus „Darf ich?“
„Da bin ich jetzt aber mal gespannt.“, sagte er als er mir seinen Bogen reichte und sich den Köcher vom Rücken nahm. Ich legte mir den Köcher um und drehte mich zu seiner Zielscheibe. Ich schloss die Augen, holte tief Luft und lächelte.
Dann sah ich ihn an, nickte ihm kaum merklich zu und griff über meine rechte Schulter. Mit vier Pfeilen zog ich meine Hand wieder nach vorne. Ich legte den ersten an die Sehne, spannte den Bogen uns schoss blitzschnell hintereinander alle vier Pfeile in die rote Mitte der Zielscheibe. Ich konnte es noch.
„Das ist unglaublich. Du musst mir unbedingt zeigen wie das geht.“, hörte ich seine erstaunte Stimme hinter mir.
Als ich mich zu ihm herum drehte, konnte ich die anderen vor der Hintertür des Hauses stehen sehen. Sie alle hatten meinen Schuss gesehen und starrten mich an. Ich schluckte hart. Das könnte unangenehm werden. Aber keiner verlor ein Wort darüber.
Nach dem Mittagessen trainierte ich mit Charlie und als wir zum Abendessen gerufen wurden schaffte er schon drei Pfeile gleichzeitig zu ziehen.
Auch diesem Abend saßen wir im Wohnzimmer zusammen. Hermine drängte mich auf dem Klavier der Weasley zu spielen und da alle begeistert von ihrer Idee waren konnte ich nicht nein sagen. Ich spielte ein selbst komponierte Stück. Es gab auch einen Text dazu, doch den würde nie jemand zu hören bekommen. Er war ziemlich traurig und ich hatte es nur einmal geschafft ihn ganz zu singen. Danach spielte ich noch einige bekannte Lieder um die Stimmung wieder zu heben.
Als ich wieder neben Ginny auf der Couch Platz nahm viel mein Blick auf ein gerahmt es Bild an der Wand. Darauf stand ein etwas zweideutig Spruch auf aramäisch.
„Molly, woher habt ihr das Bild.“, wollte ich wissen.
„Ach das haben wir geerbt als meine Großmutter gestorben ist.“, antwortete sie.
„Ihr wisst was da steht oder?“
„Nein wir wissen nicht einmal in welcher Sprache das geschrieben ist.“
Ich musste lachen.
„Du kannst das lesen?“, fragte Bill.
„Ja, das ist aramäisch und ich weiß nicht ob ich das wirklich für euch übersetzen soll.“, gab ich wahrheitsgemäß zurück.
„Jetzt hast du uns neugierig gemacht. Los, sag schon. Was steht da?“, drängte George mich. Ich musste immer noch lachen und übersetzte was da stand.
Plötzlich herrschte absolute Stille gefolgt von schallendem Gelächter.
Langsam neigte sich der Abend dem Ende zu und wir gingen alle ins Bett.
Am nächsten Morgen war ich wieder als erste wach und ich ging sofort duschen. Wir wollten heute nach dem frühstücken in die Winkelgasse um ein bisschen einzukaufen und Fred und Georges wollten mir unbedingt ihren Laden zeigen.
Wir reisten per Kamin. Mittlerweile wusste ich ja wie das funktionierte.
Ich warf etwas Pulver aus einem kleinen Tongefäß in die Flammen, stellte mich in den Kamin und sagte deutlich Winkelgasse. Mir wurde der Boden unter den Füssen weggerissen, ich drehte mich schnell um mich und schon landete ich in einem Kamin im tropfenden Kessel.
Der tropfenden Kessel was ein Pub der die Winkelgasse mit dem London der Muggel verband.
Als alle angekommen waren verließen wir den Pub durch die Hintertür und standen vor einer Ziegelwand. Arthur tippte einige Steine mit seinem Zauberstab an und schon öffnete sich ein großer Durchgang. Das was ich danach zu sehen bekommen habe war unglaublich. Hier gab es alles was das Zaubererherz begehrte. Staunend folgte ich den anderen an den Ladenfronten vorbei. Es gab Läden für alles mögliche, Umhänge, Besen, Zauberstab, Bücher, Tiere und vieles mehr.
Wir beschlossen zuerst Freds und Georges Laden zu besuchen in dem es alle möglichen Scherzartikel zu kaufen gab. Es war ein wunderschöner, mehrstöckiger Laden in dessen Regalen ein buntes Sammelsurium an Scherzartikel ordentlich sortiert waren. Ich war beeindruckt. Um ehrlich zu sein hatte ich den beiden so etwas nicht zugetraut.
Der Vormittag verging viel zu schnell und wir beschlossen direkt nach dem Besuch bei Fred und George Mittagessen zu gehen. Danach ging ich mit Hermine und Ginny allein los. Wir durchstöbern einen kleinen Klamottenladen in dem ich einen Wintermantel, Handschuhe und eine Mütze kaufte und wir besuchten die Tierhandlung.
Zuletzt waren wir in einem Laden in dem es nur Bücher gab. Ich und Hermine kauften jeweils drei Bücher, wobei ich Magische Tierwesen und wo sie zu finden sind zweimal kaufte denn eins davon wollte ich Hagrid schenken.
Zur vereinbarten Uhrzeit trafen wir die anderen im tropfenden Kessel und machten uns nacheinander auf den Weg zurück in den Fuchsbau.
Während Molly das Abendessen kochte, packten wir unsere Sachen, denn am nächsten Tag wollten wir zu Harry’s Patenonkel nach London um dort den Rest der Ferien zu verbringen.
Es fiel mir langsam leichter neue Leute kennen zu lernen, daher freute ich mich schon auf den kommenden Tag. Harry hatte mir schon einiges über Sirius Black und das große, durch einen Zauber getarnte Haus in dem er sich versteckt halten musste erzählt und so kam es mir vor als würde ich ihn schon kennen. Harry hatte mir anvertraut, dass Sirius fälschlicherweise 12 Jahre in Azkaban, dem Zauberer Gefängnis, verbracht hatte und sich seit seinem Ausbruch im Jahr zuvor nun im Grimmaultplatz 12 versteckte.
Vielleicht lag es daran, dass wir beide lange zu Unrecht festgehalten wurden aber ich fühlte mich ihm schon jetzt verbunden.
Nach dem Abendessen gingen wir alle gleich auf unsere Zimmer, damit wir ausgeruht für den kommenden Tag waren. Ich konnte nicht einschlafen und beschloss deshalb noch ein bisschen in meinem neuen Buch über die Geschichte der Zauberei zu lesen. Ich musste dabei wohl eingeschlafen sein, denn ich würde von den Sonnenstrahlen geweckt, die meine Nase kitzelten. Hermine und Ginny schliefen noch und im Haus war es ganz still. Ich ging wie immer duschen, zog mich an und half Molly beim Frühstück. Nach dem Frühstück half ich Molly wieder die Küche aufzuräumen. Ich war etwas traurig, denn ich würde den Fuchsbau vermissen.

Unbreakable // Severus Snape ff Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt