Kapitel 14

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Den nächsten Tag verbrachte ich mit Hagrid bei den Pegasi.
Harry und Ginny waren seit kurzem ein Paar und ich hatte keine Lust den Tag mit zwei Pärchen zu verbringen. Außerdem war mir nicht sonderlich nach Gesprächen und mit Hagrid konnte man wunderbar schweigen und die Natur genießen.
Ich besorgte Hagrid neue Leckereien für die Pegasi und er lud mich zum Tee ein. Wir unterhielten uns über Tierwesen und ich genoss den Tag in vollen Zügen.
Die kommende Woche zog ich mich wann immer es möglich war in mein Zimmer zurück und erzählte allen ich musste endlich meine Hausaufgaben erledigen. Das war nicht ganz gelogen, sie waren ziemlich leicht aber das war der Unterricht ja auch für mich. Schneller als mir lieb war hatte ich alles erledigt. Ich spielte viel auf meinem Klavier und komponierte einige Melodien. Die waren aber alle traurig und hoben meine Stimmung nicht wirklich.
Am Freitag hatten wir in den letzten Stunden Zaubertränke mit den Griffindors und ich hatte absolut keine Lust auf Unterricht bei Snape. Der Tag verlief wie alle in der Woche davor auch.
„Heute brauen wir einen sehr schwierigen und mächtigen Trank. Ich erwarte nicht, dass irgendjemand von Ihnen ihn auch nur ansatzweise zubereiten kann und egal was passiert, nehmen Sie auf keinen Fall etwas davon zu sich. Es ist der Trank der lebenden Toten, welcher einen schlafen lässt bis man schließlich stirbt. Folgen sie exakt den Anweisungen und weichen sie nicht davon ab.“, begann Professor Snape seine Stunde.
Alle begannen eifrig Dinge klein zu schneiden, zu erhitzen und zu rühren. Für mich lief es ganz gut. Mein Trank sah immer genau so aus wie er laut Beschreibung im Buch aussehen sollte. Kurz vor Ende der Stunde sagte Professor Snape
„Wenn Sie alles richtig gemacht haben, musste Ihr Trank nun den Geruch von faulen Eiern angenommen haben. Überprüfen Sie.“ Mein Trank roch ganz eindeutig nach faulen Eiern.
„Aria, riecht das für dich nach faulen Eiern?“, wollte Ron hinter mir wissen.
Ich drehte mich zu ihm um, beugte mich über seinen Kessel und atmete den Dampf seines Tranks ein. „Nein, eher nach Gas oder so.“, antwortete ich und holte noch einmal tief Luft.
Dann begann alles um mich herum zu verschwimmen und plötzlich wurde es ganz dunkel. Ich hörte einen lauten Knall und Hermines Schrei.
„Was ist da los?“, konnte ich Professor Snape fragen hören.
„Aria. Sie hat an Ron’s Trank gerochen und ist umgekippt.“, antwortete Hermine panisch.
Ich verstand nicht ganz, bis auf die Tatsache, dass es völlig dunkel war ging es mit gut. Ich bekam alles mit. Doch als ich versuchte, zu erklären, dass alles in Ordnung war, merkte ich, dass nichts in Ordnung war. Ich konnte mich nicht bewegen und nicht sprechen. „Hat sie etwas davon zu sich genommen?“, schrie Snape nun fast. „N-Nein nur gerochen, Sir.“, antwortete Ron.
„Miss Granger sorgen Sie dafür, dass alle den Unterrichtsraum geordnet verlassen. Die Zaubertränke bleiben unberührt.“
„Ja Professor Snape. Was ist mit Aria?“
„Ich bringe sie in den Krankenflügel.“
Ich könnte spüren, wie sich zwei starke Arme unter meinen Körper schoben und mich sanft hoch hoben. Ich hörte schnelle Schritte von den Wänden wiederhallen und dann das leise, flehende Flüstern der sonst so kühlen Stimme.
„Bitte Aria, tu mir das nicht an. Du musst durchhalten. Ich kann dich jetzt nicht verlieren. Ich liebe dich. Ich will mit dir zusammen sein. Ich will mein Leben mit dir verbringen. Also bitte verspricht mir, dass du kämpfst. Dich zu verlieren würde ich nicht überleben. Bitte Aria, du musst kämpfen du musst es schaffen.“
Ich wollte ihm sagen, dass ich ihn auch Liebe und nichts mehr will als mein Leben mit ihm zu verbringen aber es kam kein Wort über meine Lippen. Innerlich schrie ich aber kein Ton war zu hören.
Ich hörte eine Tür aufpoltern „Poppy, komm schnell.“
Ich nahm schnelle kleine Schritte war, die sich mit denen von Snape vermischen.
„Oh nein, schnell leg sie hier hin. Was ist passiert Severus?“
„Sie hat an einem Trank eines Mitschüler gerochen und ist ohnmächtig geworden.“
„Welcher Trank?“
„Der Trank der lebenden Toten.“, antwortete Snape leise.
Ich fühlte die kleinen, warmen Hände von Madame Pomfrey auf meiner Haut.
„Im Moment ist sie stabil aber du musst dringend rausfinden was mit dem Trank nicht stimmt und dann ein Gegenmittel finden. Sonst kann ihr nichts helfen und sie wird nicht mehr aufwachen Severus. Du bist die einzige Chance die sie noch hat. Es tut mir leid. Ich werde Albus nun informieren.“
Wieder konnte ich die kleinen Schritte hören. Diesmal entfernten sie sich von mir, dann schloss sich leise die Tür zum Krankenflügel.
Ich spürte wie Snape meine rechte Hand in seine beiden Hände nahm. „Oh Gott Aria, es tut mir so leid. Ich werde ein Mittel finden. Wir werden das überstehen aber wenn du mich jetzt hören kannst, dann verspricht mir, dass du kämpfst. Ich liebe dich.“
Dann legte er meine Hand zurück auf die Matratze und verließ schnell den Raum.
Ich musste wohl eingeschlafen sein, denn das Nächste das ich mitbekam waren viele Stimmen die leise durcheinander sprachen.
„Sirius, du kannst dich hier nicht als Mensch zeigen. Was ist wenn dich jemand sieht und dich erkennt. Dann bist du schneller wieder in Azkaban als du deinen Namen sagen kannst.“
Das war Molly’s besorgte Stimme.
„Ist mir egal Molly. Aria wird das wahrscheinlich nicht überleben. Also was soll.“, hörte ich Sirius neben meinem Kopf flüstern.
Nach einiger Zeit konnte ich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit sagen das die Menschen um mein Bett Sirius Black, Harry Potter, Hermine Granger, Ron, Ginny, Fred, George, Bill, Molly und Arthur Weasley, Remus Lupin und Nymphadora Tonks waren. Dann konnte ich hören wie noch jemand an mein Bett trat.
„Albus, wie steht es um sie?“, fragte Arthur.
Der Schulleiter holte tief Luft. „Um ehrlich zu sein nicht sehr gut. Severus war die ganze Nacht wach und hat nach einem Gegenmittel gesucht und auch eins gefunden. Es musste jeden Moment fertig sein aber wenn sich ihr Zustand nicht sofort nach der Einnahme verbessert. Wenn sie nicht aufwacht, dann werden wir uns wahrscheinlich schon bald von ihr verabschieden müssen.“, sagte Dumbledore mit leiser, trauriger Stimme.
Ich konnte alle weinen hören und langsam drang zu mir durch was ich da gerade gehört hatte. Ich würde wahrscheinlich sterben. So sollte es also mit mir zu Ende gehen. Ich wollte nicht sterben, nicht bevor ich Snape sagen konnte was ich für ihn empfand. Meine Gedanken wurden von einem lauten Knall unterbrochen.
„Aus dem Weg.“, rief Snape.
Ich spürte, wie die Matratze nachgab als er sich auf die Kante meines Bettes setzte. Ich konnte spüren wie einer seiner starken Arme unter meine Schultern gelitt und mich ein Stück von der Matratze hob. Ich fühlte den kühlen Rand einer gläsernen Phiole an meinen Lippen und ich schmeckte die bittere Flüssigkeit die in meinen Mund lief. Ich wollte schlucken aber es ging nicht. Dann begann die Flüssigkeit meine Kehle hinunter zu laufen.
Ich bemerkte, wie mein Herz begann kräftiger zu schlagen und ich hörte das Blut in meinen Adern rauschen, doch ich konnte mich nicht bewegen. Ich musste kämpfen. Ich musste überleben. Für ihn.
„Es.. Es wirkt nicht oder?“, fragte Hermines tränenerstickte Stimme.
„Raus.“ Zuerst flüsterte Snape nur aber als sich niemand bewegte schrie er plötzlich „Ich sagte raus. Alle raus hier.“
„Kommt, wir sollten ihr etwas Ruhe gönnen.“, sagte Dumbledore leise und ich konnte hören wie sie alle leise den Raum verließen. Das nächste was ich hören konnte brach mir das Herz.
Severus weinte. Er weinte um mich. Er hob meinen Oberkörper an und hielt mich in seinen Armen. Seine Wange an meine gelegt flüsterte er immer wieder „Bitte Aria wach auf. Lass mich nicht allein. Ich liebe dich.“
Ich konnte spüren wie seine Tränen von seiner Wange auf meine liefen. Ich hatte so gern meine Arme um ihn gelegt und ihm versichert, dass alles gut werden würde aber ich konnte nicht mal blinzeln.
Irgendwann legte er mich zurück auf das Krankenbett und setzte sich neben das Bett. Er hielt meine Hand und erzählte mir von dem Leben, dass wir hatten haben können. Von der Hochzeit, die unsere hatte sein können und von den Kindern die wir hatten haben können.
Nach einiger Zeit wurde er still und ich spurte seinen Kopf auf meinem Bauch liegen. Ich hörte ihn gleichmäßig atmen als er eingeschlafen war.
Nein, ich würde nicht streben. Nicht so und nicht heute. Ich hatte mein Leben noch vor mir also kämpfte ich.

Unbreakable // Severus Snape ff Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt