Aufgeregt wachte ich früh am Morgen auf und beschloss noch vor dem Frühstück zu duschen. Ich zog meine Schuluniform an und sah mich prüfen im Spiegel an. Ich beschloss die Haare doch lieber offen zu tragen und ließ sie mir lässig über die Schulter fallen. Ja so konnte ich gehen. Also nahm ich meine Schultasche und machte mich auf den Weg zum Frühstück.
In den ersten beiden Stunden hatte ich Zauberkunst bei Professor Flitwick. Merlin sei Dank wurden Slytherins und Griffindors gemeinsam unterrichtet und ich hatte Hermine bereits versprochen mich zu ihr, Ron und Harry zu setzen.
Anfangs fand ich es seltsam mit einem Zauberstab zu zaubern aber ich fand schnell raus wie ich so tun konnte als würde ich den Zauberstab benutzen. In Wirklichkeit zauberte ich so wie ich es schon immer tat. Ohne Zauberstab und ohne etwas zu sagen. Niemandem schien das aufzufallen, nicht einmal Flitwick. Der war schlichtweg begeistert, dass mir jeder Zauber aufs erste Mal gelang.
„Miss Underwood, ich unterrichte fast mein ganzes Leben an dieser Schule und noch nie ist mir eine Schülerin wie sie untergekommen. Sie sind wirklich grandios.“, lobte mich der kleine Professor.
Mir war das ziemlich unangenehm, denn alle Aufmerksamkeit schien auf uns gerichtet zu sein.
Die Stunden bei ihm vergingen wie im Flug und schon machten wir uns auf den Weg zu Verwandlung bei Professor McGonagall. Wir sollten Ratten, Kaninchen und Raben in Kelche verwandeln. Ich fand das ziemlich barbarischen aber Professor McGonagall versicherte mir, dass die Tiere davon nichts mitbekommen würden und sie nach dem Unterricht in ihre ursprüngliche Form zurückverwandelt würden.
Die Ratte in einen Kelch zu verwandeln war für mich sehr einfach und gelang mir beim ersten Mal. Auch Hermine hatte keine Probleme damit aber Harry Kelch hatte noch einen Schwanz und Ron’s Kelch hatte Fell. Auch der Rest der Klasse hatte so seine Probleme.
Als Hermine und ich auch unsere Kaninchen und Raben in Kelche verwandelt hatten, waren die meisten noch bei ihren Ratten. Ron sah so niedergeschlagen aus, dass ich beschloss ihm etwas zu helfen.
Im selben Moment in dem er seinen Zauberstab schwang und seinen Zauberspruch sagte, verwandelte ich seine Ratte in einen Kelch. Ich wusste, dass ich das nicht immer machen konnte aber es wurde sicher nicht schaden sein Selbstbewusstsein etwas zu stärken.
Auch der Unterricht bei Professor McGonagall verging viel zu schnell und kurze Zeit später machten wir uns auf den Weg in die große Halle um dort Mittag zu essen.
Nach dem Mittagessen hatten wir Krauterkunde bei Professor Sprout. Ich ging mit Ron, Harry und Hermine zu Gewächshaus drei in dem wir bereits erwartet wurden.
Die ganze Stunde sollten wir verschiedene Pflanzen umtopfen. Das war ziemlich langweilig und die Stunde zog sich in die Länge. Endlich hatten wir die Stunde überstanden.
Ich wusste den Stundenplan noch nicht auswendig deshalb fragte ich Hermine was wir jetzt hatten. „Zaubertränke bei Snape.“, antwortete sie.
Oh nein, nicht Snape. Nicht nach gestern. Je näher wir den Unterrichtsräumen im Keller kamen, desto nervöser wurde ich. Als wir ankamen warteten schon einige Schüler vor der Tür des Klassenzimmers. Er war noch nicht da. Ich begann mich etwas zu entspannen.
Mir fiel auf, dass Draco mich schon wieder ansah. Was war heute nur mit ihm los?
Lautlos war Snape den Flur entlang gekommen und seine kalte Stimme riss mich aus meinen Gedanken. „Kommen Sie rein und setzten Sie sich.“, sprach er zur Klasse.
Ich setzte mich an einen Tisch mit Hermine. Hinter uns saßen Harry und Ron.
„Schlagen sie ihre Bücher auf Seite 291 auf. Wir brauen heute den trank Amortentia. Es ist der stärkste Liebestrank den wir kennen. Natürlich erzeugt er keine echten Gefühle sondern lässt die Person die ihn einnimmt nur glauben sie wäre verliebt. Der Geruch ist für jeden anders, jeder riecht was er am meisten liebt.“, erklärte er.
Wollte er mich verarschen? Einen Liebestrank. Ausgerechnet jetzt?
„Beginnen sie nun die Anweisungen genauestens zu befolgen.“, schloss er seine Rede ab. Er vermied es mich anzusehen.
„Man der ist echt schwer.“, sagte Hermine als sie die Seite über den Trank überflogen hatte.
Ich wusste nicht was daran schwer sein sollte. Es war doch alles genau beschrieben. Ich begann meinen Trank zu brauen und verstand wieder einmal nicht warum man die Zauber nicht einfach mit den Gedanken erzeugte. Ich musste wirklich anders sein als die Zauberer und Hexen hier in England. Oder lag das daran, dass ich in der Einrichtung verändert wurde?
Mein Trank war vor dem von allen anderen fertig und ich sah mich um. Ron’s Trank hatte eine seltsame schlammgrüne Farbe angenommen und sah irgendwie zähflüssig aus. Und in Harry’s Trank schwammen kleine Bröckchen.
„Ich glaub ich hab’s.“, hörte ich Hermine sagen.
Ich betrachtete ihren Trank und wirklich die Rauchschwaden stiegen in kleinen Kringel auf. Sie sah mich stolz an und ich lächelte ihr zu.
Professor Snape schritt die ganze Zeit zwischen den Tischen umher. Als er zu Hermine und mir kam zog er überrascht eine Augenbrauen hoch.
„Zehn Punkte für Griffindor Miss Granger und zehn Punkte für Slytherin Miss Underwood.“ Mit diesen Worten sah er mir in die Augen und da war es wieder. Dieses Gefühl, von dem ich jetzt sicher war, dass es Liebe war.
Am Ende der Stunde ließ er alle Schüler nach vorne kommen und an seinem Trank riechen. Danach sagte jeder was er gerochen hat. „Jetzt Sie, Miss Underwood. Was riechen sie?“, wollte er wissen. Ich ging zu seinem Kessel, beugte mich leicht nach vorne und sog den Duft in meine Lunge. „Ich rieche Pergament und Tinte. Verschiedene Kräuter und Schmerz.“, antwortete ich wahrheitsgemäß und sah ihm dabei in die Augen.
„Sie könne Schmerz riechen?“, wollte er wissen.
„Eigentlich kann ich fast alle Emotionen riechen. Sie etwa nicht?“, ich war überrascht denn ich dachte, dass jeder diese Gerüche wahrnahm.
Als alle daran gerochen hatten beendete er den Unterricht und alle packten ihre Sachen. Gerade wollte ich mit den drei Griffindors gehen, als ich seine kalte Stimme hörte.
„Miss Underwood, Sie nicht. Ich habe noch etwas mit Ihnen zu besprechen.“
Ich blieb stehen und sagte zu den anderen, dass ich gleich nachkommen würde.
„Worüber möchten Sie sprechen Professor?“, wollte ich wissen. „Folgen Sie mir.“, antwortete er knapp im vorbeigehen.
Ich folgte ihm in sein Büro. Unsicher schloss ich die Tür und blieb in der Mitte des Raums stehen. Er stand mir gegenüber mit der Hüfte an die Kante seines Schreibtische gelehnt.
„Wen haben sie gerochen, Miss Underwood?“
„Darüber will ich nicht reden.“
„Sie haben mich gerochen.“
Ich senkte meinen Blick und konnte spüren wie mir die Tränen in die Augen stiegen.
„Professor es tut mir leid. Ich weiß, dass das mehr als unangebracht ist. Ich wollte das nicht und ich verspreche, dass ich professionell damit umgehen kann.“
Mittlerweile liefen mir die Tränen über meine Wangen.
„Ich sollte jetzt besser gehen.“, sagte ich.
„Warten Sie, so können Sie nicht gehen.“, langsam kam er auf mich zu. Seine Miene veränderte sich und wurde ganz sanft. So hatte ich ihn noch nie gesehen und ich dachte auch nicht, dass er so kucken konnte.
„Ich weiß, wie schwer es ist gegen die eigenen Gefühle ankämpfen zu müssen.“, fuhr er leise fort. „Wollen sie wissen was ich gerochen habe Miss Underwood?“
„Ich glaube, lieber nicht Professor.“, nach all dem wollte ich jetzt wirklich nicht wissen nach wem der Trank für ihn gerochen hat. „Ich roch alte Bücher, Sommerregen, Rosen und Vanille.“ Erschrocken sah ich zu ihm hoch.
Er begann langsam um mich herum zu gehen und blieb schräg hinter mir stehen.
„Ich habe Sie gerochen Miss Underwood, deshalb können Sie mir glauben wenn ich sage, dass ich weiß wie schwer es ist gegen die eigenen Gefühle anzukämpfen. Aber wir müssen. Es ist verboten. Es geht nicht.“
Plötzlich zog er mich in seine Arme und strich mir mit der Hand über die Haare. Mir stockte der Atem und ich wagte es nicht mich zu bewegen.
„Und jetzt beruhigt dich. Ich ertrage es nicht dich weinen zu sehen.“, flüsterte er sanft in meine Haare.
So nett hatte ich ihn noch nie erlebt. Ich nickte stumm. Überrascht drüber, dass er mich geduzt hatte.
„Sieh mich an.“
Ich wollte ihn jetzt nicht ansehen und ich wollte auch nicht, dass er mich so sah also blieb mein Blick unverändert auf den Boden gerichtet. Ich spürte wie er mir mit seinen Fingern über die Wange strich und sachte den Zeigefinger unter mein Kinn schon. Er hob meinen Kopf, sodass ich ihn ansehen musste. Sein Gesicht war nur Zentimeter von meinem entfernt und kam immer näher. Schon spürte ich seine Lippen auf meinen und mein Herz schien zu explodieren. Als er sich kurz danach von mir löste, flüsterte ich nur „Warum?“
„Das war ein Abschiedskuss, meine Liebe.“, sagte er leise und voller Schmerz. „Du solltest jetzt gehen bevor jemand fragt was du hier solange gemacht hast.“
Er gab mir einen Kuss auf die Stirn und ließ mich los. Wortlos ging ich zur Tür und ohne mich umzudrehen verließ ich sein Büro. Was zur Hölle war das? Wieso hatte er das getan? Es war doch schon schwer genug? Ich machte mich auf den Weg in mein Zimmer. Mir war jetzt nicht nach Gesellschaft. Als ich so auf meinem Bett lag begann ich darüber nachzudenken und ich wurde noch trauriger als zuvor.
Ich hatte mich tatsächlich verliebt und das ausgerechnet in meinen Professor. Ich hätte damit leben können, wenn er nicht genau so empfinden würde aber zu wissen, dass er auch etwas für mich fühlte was schier unerträglich.
Ich beschloss ein Bad zu nehmen um mich zu entspannen und um auf andere Gedanken zu kommen. Das wollte mir aber nicht wirklich gelingen. Ich stieg aus der Wanne und zog mir ein Pullikleid an.
Ich musste mich beeilen, denn ich war schon spät für das Abendessen dran. Als ich die große Halle betrat, vermied ich es zum Lehrertisch zu blicken.
Ich setzte mich neben Draco an den Tisch der Slytherins.
„Da bist du ja. Was wollte Snape von dir?“, fragte er mich.
„Ach nur wissen, wie weit ich auf meiner alten Schule mit Zaubertränken war.“, gab ich zurück.
„Habt ihr heute Abend schon was geplant?“, wechselte ich schnell das Thema.
„Nee, eigentlich nicht. Und du?“, wollte Pansy wissen.
„Auch nicht, ich muss noch Hausaufgaben machen.“, antwortete ich.
Ich verzog mich gleich nach dem Abendessen in mein Zimmer und spielte Klavier. Als es leise an meiner Tür klopfte zu kte ich zusammen. Ich wagte kaum zu atmen als ich mich leise Richtung Tür bewegte. Bitte lass es nicht Snape sein. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Merlin Sei Dank, es war Hermine die mich besorgt ansah. „Hey, können wir kurz reden?“, fragte sie mit gerunzelter Stirn. „Sicher, komm dich rein.“
„Aria, ich wollte dich fragen ob alles in Ordnung ist. Seit du von Professor Snape zurück bist wirkst du irgendwie traurig und ich hoffe du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst. Du bist meine beste Freundin und ich mach mir sorgen um dich.“
Ich lächelte sie an. „Ja alle in Ordnung Hermine. Ich bin einfach nur total fertig von dem Schultag. In Deutschland geht die Schule nicht so lang und ich bin es wahrscheinlich einfach nicht gewohnt.“
„Das kann ich verstehen. Was wollte Snape eigentlich von dir?“
„Ach, er wollte nur wissen welche Zaubertränke ich schon in der Schule durchgenommen habe.“, log ich sie an.
Was in diesem Büro passiert ist konnte ich nicht einmal ihr erzählen aber es gab ohne hin viel zu viel über mich was ich niemandem erzählen wollte und doch hatte ich es gestern Snape gezeigt. Wieso fiel es mir so leicht gerade ihm zu vertrauen.
„Hey, wir haben Ron’s Mutter von dir erzählt und sie hat uns, also Harry, dich und mich eingeladen die Herbstferien mit den Weasleys zu verbringen. Es werden alle Brüder von Ron da sein. Bitte komm mit ich brauch dich als weibliche Unterstützung.“
„Wie viele Brüder hat Ron den?“, fragte ich überrascht.
„Er hat fünf große Brüder. Bill, Charlie, Percy, Fred und George. Charlie kommt sogar extra aus Rumänien. Er studiert dort Drachen. Und Fred und George sind wirklich witzig.“
„Wow, arme Ginny, dann ist sie nicht nur die jüngste sondern hat auch noch sechs ältere Brüder.“
„Ja aber sie kennt es nicht anders. Was ist nun? Du kommst doch mit?“
„Na klar, was sollte ich denn hier ohne euch.“, lachte ich während Hermine mir um den Hals fiel. Sie war ein Stück größer als ich, deshalb erwürgt sie mich in ihrer Überschwänglichkeit fast. Als sie mich losließ und ich endlich wieder frei atmen konnte setzten wir uns und sie erzählte mir viel über das Haus der Weasleys, der liebevoll Fuchsbau genannt wurde und deren Bewohner.
Geplant waren zwei Tage im Haus der Weasleys und sieben bei Harry’s Paten Sirius Black. Ich freute mich wirklich auf die Woche im Fuchsbau und in London, vor allem weil ich dann eine Woche Snape aus dem weg gehen könnte und ich war gespannt wie das Leben in einer richtigen Familie so aussah.
Wir verabschiedeten uns und Hermine ging zurück in ihr Zimmer. Ich zog mir mein Schlafshirt an und legte mich dann auf mein Bett. Keine Ahnung wie lang ich da gelegen hatte und wann ich eingeschlafen war doch das Klingeln meines Wecker riss mich irgendwann aus dem Schlaf. Ich hatte geträumt, von dunklen Augen die mich voller Schmerz ansagen und von dem Kuss der ein Abschiedskuss war.
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Unbreakable // Severus Snape ff
Hayran KurguDie 17-jährige Aria kann ihrem alten, schrecklichen Leben entfliehen und findet in Hogwarts nicht nur ein echtes Zuhause, sondern erfährt auch was Freundschaft bedeutet. Sie verliebt sich unsterblich in ihren fiesen Tränkeprofessor Severus Snape. Do...
