Kapitel 7

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Die Tage vergingen schnell und ich gewöhnte mich an meine neue Umgebung. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich zuhause. Ich wollte für immer hier bleiben, doch ich wusste meine Zeit hier war begrenzt und mir graute jetzt schon vor dem Tag an dem ich Hogwarts wieder verlassen musste. Darüber wollte ich mir jetzt nicht den Kopf zerbrechen.
Ich ging Snape so gut es ging aus dem Weg aber hin und wieder sahen wir uns in die Augen und alles kam wieder in mir hoch.
Am Wochenende sahen Hermine und ich uns das Auswahlspiel für die Hausmannschaften der Griffindors an. Harry wurde wieder Sucher und Ron wurde der neue Hüter.
Einmal die Woche besuchte ich Hagrid ohne die anderen, damit wir ungestört über die verschiedenen Tierwesen im verbotenen Wald reden könnten. Ich genoss die Zeit mit dem zwei Meter fünfzig Großen Hünen.
In der letzten Woche vor den Herbstferien wollte ich mich gerade auf den Weg zu Hagrid Hütte machen um unseren wöchentlichen Plausch über magische Tierwesen zu halten als er mir ganz aufgeregt auf der Kellertreppe entgegen kam.
„Aria schnell, ich habe eine kleine Herde Pegasi im verbotenen Wald entdeckt.“, rief er schon von weitem.
Mein Herz setzte kurz aus. War das möglich? So schnell ich konnte lief ich hinter Hagrid her.
Das war gar nicht so leicht, denn Hagrid rannte auch und seine Beine waren fast so lang wie ich groß war.
Völlig außer Atem kamen ich kurz nach Hagrid am Rand des verbotenen Waldes an.
„Hagrid ich darf da nicht rein.“, warf ich ein.
„Doch klar, mit mir schon.“, verriet er mir.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Gemeinsam schlichen wir durch den Wald. Nach einer gefühlten Ewigkeit traten wir auf eine märchenhafte Lichtung. Hagrid legte einen Finger an die Lippen und zeigte in eine Richtung. Als ich in die selbe Richtung sah in die er zeigte hüpfte mein Herz. Da stand er. Mein ältester und lange Zeit einziger Freund. Ich lief los. Hagrid versuchte mich festzuhalten aber er griff ins leere.
„Blackjack“, schrie ich.
Der riesige schwarze Pegasus drehte seinen Kopf in meine Richtung und wieherte. Dann lief auch er auf mich zu.
Als wir voreinander zum Stehen kamen schlang ich meine Arme um seinen Hals und er drückte meinen Oberkörper mit seinem gigantischen Kopf an seine Brust. Minutenlang blieben wir so stehen und mir liefen Freudentränen über die Wangen.
„Ich bin so froh, dass es euch gut geht. Ich hab mir solche Sorgen um euch gemacht.“, nuschelte ich in seine lange, gewellte Mähne. „Das musst du doch nicht Kleine. Du weißt doch, der alte Blackjack kommt schon durch.“
Ich musste lachen. Plötzlich wurde mir bewusst was das für ein seltsames Bild für den armen Hagrid sein musste.
Eigentlich waren Pegasi sehr scheue und sehr seltene Tiere und hier hing ich nun am Hals eines noch viel seltener schwarzen Exemplare dieser majestätischen Gattung.
Ich hörte, wie Hagrid sich räusperte. Er war inzwischen näher gekommen.
„Blackjack, ich würde dir gerne jemanden vorstellen. Das ist mein guter Freund Hagrid.“, sagte ich zu dem Pegasus mit einer einladenden Armbewegung zu Hagrid. Und an Hagrid gerichtet sagte ich: „Hagrid das ist Blackjack, mein ältester Freund.“ Ehrfürchtig trat der Hüne näher an mich und das geflügelte Pferd heran.
„Hagrid, Blackjack sagt, dass er sich freut dich kennenzulernen.“
„Du kannst ihn verstehen?“, fragte er bewundernd.
„Ja, das ist ne lange Geschichte Hagrid. Die erzähl ich dir ein andern Mal. Sei mir nicht böse aber ich muss mich dringend unter vier Augen mit Blackjack unterhalten.“, sagte ich mit etwas schlechtem Gewissen zu Hagrid.
„Ah, mach dir keine Sorgen, ich konnte sauer sein. Du hast mir grade einen Pegasus vorgestellt und mir damit einen Traum erfüllt. Ich hoffe Blackjack und seine Herd werden hier im verbotenen Wald bleiben.“, antwortete er.
„Das hoffe ich auch.“ Lächelte ich an Blackjack gerichtet.
„Komm Aria, steig auf ich weiß einen perfekten Ort an dem wir uns in Ruhe unterhalten können.“, freute sich mein geflügelte Freund.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich liebte es mit Blackjack durch die Lüfte zu Rasen.
Gekonnt schwang ich mich auf den breiten, muskulösen Rücken meines treuen Freundes wie ich es schon tausend mal davor getan hatte. Vor Freude stellte Blackjack sich auf die Hinterbeine und schoss mit einem gewaltigen Satz nach vorne. Er galoppierte los und nach einigen Galoppsprüngen erhob er sich mit seinen mächtigen Schwingen in die Luft. Der Wind blies mir die Haare aus dem Gesicht und ich vergaß für einen kurzen Moment alles um uns herum.
Viel zu schnell landeten wir auf einer anderen kleinen Lichtung die einen kleinen Teich umschloss. Ich glitt von Blackjacks Rücken und setzte mich in das warme Gras. Auch Blackjack ließ sich neben mich ins Gras fallen. Ich lehnte mich an die starke Schulter des mächtigen Tieres und begann zu erzählen was mir passiert war seit wir uns getrennt hatten. Er freute sich sehr darüber, dass ich Freunde in meinem Alter gefunden hatte.
Dann erzählte mir Blackjack wie es ihm ergangen ist. Er hatte gespürt, dass ich mich sehr schnell und freiwillig vom Ministerium entfernt hatte, deshalb beschloss er, dass es das beste für die Herde war, wenn sie sich nach der langen Reise erst einmal ausruhen und sich dann auf die Suche nach mir machten. Sie waren schon zwei Wochen zuvor im verbotenen Wald angekommen, wussten aber nicht ob sie Hagrid vertrauen konnten. Sie hatten ihn deshalb erst einmal beobachtet bis sie sich ihm gezeigt hatten.
Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass wir beide gleichzeitig aber im Ernstfall viel zu spät bemerkten, dass wir nicht allein waren.
Blackjack und ich sprangen blitzschnell auf und ich griff über meine rechte Schulter um mein Schwert zu ziehen. Es war natürlich nicht da, sondern in meiner magischen Tasche versteckt. Meine Sinne waren bis ans äußerste geschärft und meine Augen suchten das Halbdunkel des angrenzenden Waldes ab. Im Augenwinkel konnte ich eine Bewegung wahrnehmen.
Ich atmete ruhig und gleichmäßig. Mein Körper brachte sich automatisch in Kampfstellung und meine Muskeln spannen sich an. Ich verlangsamt meinen Herzschlag und nickte Blackjack kaum merklich zu. Dann drehte ich meinen Kopf ruckartig in die Richtung in der ich die Bewegung wahrgenommen hatte. „Professor Snape? Was machen Sie denn hier?“, stellte ich überrascht fest.
„Das selbe konnte ich Sie fragen Miss Underwood. Das hier ist der verbotene Wald. Sie dürften gar nicht hier sein.“
„Entschuldigen Sie Professor aber ich habe unverhofft einen alten Freund getroffen und wir hatten uns viel zu erzählen, deshalb haben wir uns hierher zurückgezogen.“, entschuldigte ich mich. „Sie können ihn tatsächlich verstehen?“, fragte er ungläubig.
„Ja, das ist eine der Nebenwirkungen, die die Injektionen ausgelöst haben.“
„Verstehen Sie nur ihn oder alle Tierwesen?“, wollte der Professor wissen.
„Nicht alle Tierwesen aber alle die zur Gattung der Pferde gehören.“
„Du hast ihm von der Einrichtung erzählt?“, fragte Blackjack mich erstaunt.
Ich sah Blackjack an und antwortete „Ich hab ihn mit in meine Erinnerungen genommen und ihm gezeigt was er sehen wollte.“
„Miss Underwood es wird bald dunkel. Wir sollten uns auf den Rückweg machen.“, warf Snape ein.
„Ich kann euch beide an den Waldrand bringen.“, bot Blackjack an und ich musste lächeln. Der Gedanke an Snape auf dem Rücken eines Pegasus erheiterte mich.
„Professor, sind Sie schon mal auf einem Pegasus geflogen?“, wandte ich mich noch immer lächelnd an den Zaubertrankmeister von Hogwarts.
Er sagte nichts und ich schwang mich erneut auf Blackjacks Rücken. Eleganz schritt das edle Tier dem Mann in schwarz entgegen und stellte sich seitlich vor ihn.
„Kann er denn sicher zwei Menschen gleichzeitig tragen Miss Underwood?“, fragte er leicht verunsichert.
„Also bitte, ich hatte es verstanden wenn der Große von vorhin das gefragt hatte aber er?“, warf Blackjack beleidigt ein.
Lachend sagte ich zu Snape „Professor, jetzt haben Sie ziemlich an seinem Ego gekratzt. Jetzt müssen Sie mitfliegen, wenn Sie ihn nicht vollkommen beleidigen wollen.“
Ich streckte ihm meine Hand entgegen, nach kurzem Zögern griff er danach und einen Moment später saß er dicht hinter mir auf Blackjack. Er schlang die Arme um meine Taille und mein Herz überschlug sich.
Der Pegasus setzte sich vorsichtiger als sonst in Bewegung und hob sachte von der Lichtung ab. Mit kräftigen Flügelschlägen flogen wir dicht über den Baumwipfeln und setzten einige Minuten später am Rand des Waldes auf dem Boden auf.
Snape glitt als erster von dem meinem schwarzen Wegbegleiter, danach sprang ich von seinem Rücken und schlang meine Arme um Blackjacks Hals.
„Bis bald mein Großer.“
„Bis bald kleiner Engel. Pass auf dich auf.“
„Mach ich, wenn dus auch tust.“, verabschiedete ich mich von ihm und gab ihm ein Küsschen zwischen die Nüstern.
Gemeinsam mit Snape machte ich mich auf den Weg zurück ins Schloss.
„Ich muss zugeben, ich hatte nie erwartet eines Tages auf einem Pegasus zu reiten. Das war unglaublich und faszinierend. Ich muss mich bei ihnen bedanken, Miss Underwood.“, gestand er mir als wir außer Hörweite waren.
Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte. Ich hatte nicht gedacht, dass Professor Snape sich je bei mir bedanken würde. Also zuckte ich nur die Schultern und sagte „Sie müssen sich nicht bei mir bedanken Professor. Aber ich kann mich nur zu gut an meinen ersten Flug erinnern und egal wie oft man das macht. Es bleibt etwas ganz besonderes.“
Schweigend gingen wir durch das Eingangsportal. Unsere Wege trennten sich vor der großen Halle. Bevor er ging sah er mir tief in die Augen und für den Bruchteil einer Sekunde lächelte er. Ich hatte ihn noch nie lächeln sehen. Es war ein wunderschönes Lächeln.
Nach dem Abendessen kamen Hermine, Ron und Harry mit in mein Zimmer und ich erzählte ihnen von Blackjack. Den Teil mit Snape ließ ich weg. Ich wusste ja selbst kaum was ich davon halten sollte und ich hatte Angst wie die anderen reagieren würden.
Meine Freunde hatten schon oft gesagt, dass ihnen Professor Snape schrecklich Angst einjagte. Außerdem dachten sie ich hätte auch Angst vor ihm. Sie konnten ja nicht ahnen was der wahre Grund war, weshalb ich ihm aus dem weg ging.
„Ich bin schon so gespannt auf deine Familie Ron.“, sagte ich als wir in meinem Zimmer angekommen sind.
„Meine Mom ist schon ganz aufgeregt seit Ginny ihr von dir vorgeschwärmt hat.“, lachte er.
„Was wieso das denn? Ich bin die die aufgeregt sein sollte.“, antwortete ich etwas verblüfft.
„Naja, so ist sie eben.“, lächelte er.
Ich beschloss für Mr. Und Mrs. Weasley eine Kleinigkeit mitzubringen.
Sobald ich alleine in meinem Zimmer war zauberte ich für Mrs. Weasley, die ihre Familie sehr liebte, eine feine goldene Kette in der die Namen aller Weasleys eingraviert waren und für Mr. Weasley einen Walkman mit magischen Akku, sodass er es niemals aufladen musste. Ich packte die Geschenke ein und legte sie in meine Tasche. Übermorgen sollte es schon losgehen und ich konnte es kaum noch erwarten.

Unbreakable // Severus Snape ff Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt