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Ich war die ganze Zeit über so nervös, dass ich kaum einen Bissen runterbrachte. Am Ende war noch fast die Hälfte meiner Pizza übrig. Kirishima lehnte sich zu mir. «Hast du keinen Hunger mehr?», fragte er. Er war mir so nah, dass ich seinen Atem auf meinem Arm spüren konnte und ich verfestigte meinen Griff um die Pizzaschachtel. «Nein», hauchte ich und hasste mich dafür, dass meine Stimme gezittert hatte.

Kirishima rutschte näher heran. «Kann ich sie haben?» Ich versteifte mich und warf einen schnellen Blick auf die leere Kartonschachtel auf dem Sofatisch. Er war schon fertig? Ich gab ein übertrieben genervtes Seufzen von mir und schob ihm die Schachtel auf den Schoss. Er lachte erfreut auf und als er sich wieder von mir entfernte, sackten meine Schultern erleichtert nach unten.

Er würde mich noch in den Wahnsinn treiben.

Als er fertig gegessen hatte, war es schon ziemlich spät. «Gut, ich sollte nach Hause gehen», sagte Kirishima und stand auf. Ich begleitete ihn zur Garderobe, wo er seine Schuhe und Jacke anzog. Plötzlich kam mir sein Kommentar über seinen Vater in den Sinn. «Warte, was ist eigentlich mit deinem Vater?», fragte ich und machte schon einmal die Haustür auf. «Hast du nicht gesagt, er würde dich umbringen, wenn du nach der Schule nicht direkt nach Hause kommen würdest?»

Kirishima richtete seine Jacke und trat durch die Tür. «Ich habe dir doch erzählt, dass mein Vater Feuerwehrmann ist. Er hat heute Nachtschicht.» Ich nickte und sah auf meine Schuhe. Diese Situation gerade war irgendwie... seltsam. Als eine Weile lang Stille herrschte, hob ich den Kopf und sah ihn an. Und er sah mich ebenfalls an.

In der Dunkelheit konnte man seine Augenfarbe fast nicht ausmachen, doch das leichte Lächeln, das seine Lippen umspielte, erkannte ich mehr als deutlich. Ich wollte mich eigentlich zurückhalten, doch erwiderte schliesslich die Geste. «Ich hatte heute wirklich viel Spass. Mit dir.» Meine Kehle schnürte sich zu. Mit dir. Er hatte mit dir gesagt.

Ich räusperte mich und brach den Blickkontakt ab. «Naja, was auch immer. Jedenfalls tut–» «Du musst dich nicht entschuldigen», unterbrach er mich und lachte leise. Er machte einen Schritt nach vorn und... lehnte sich zu mir? Ich erstarrte. Er kam mir immer näher und näher und mein Herz fing wieder an zu rasen, genauso wie vorher, als er gelacht hatte.

Wollte er mich etwa küssen? Warum tat er das einfach so ohne Vorwarnung? Völlig überfordert schloss ich die Augen und wartete darauf, dass er seine Lippen auf meine legte. Aber das passierte nicht. Stattdessen spürte ich, wie er eine Hand auf meinen Rücken legte und mich in eine kurze Umarmung zog.

Es war so schnell vorbei, dass er schon wieder ganz normal vor mir stand, als ich die Augen wieder öffnete. «Wir sehen uns morgen, ja?» Er hob eine Hand zum Abschied, dann drehte er sich um und lief davon. Ich sah ihm nach und konnte mich erst wieder rühren, als er um eine Ecke bog und aus meinem Blickfeld verschwand.

Schnell schloss ich die Tür und lehnte mich dagegen. War ich etwa völlig verrückt geworden? Warum zur Hölle hatte ich gedacht, er hatte mich küssen wollen? Und warum hatte ich bei diesem Gedanken die Augen geschlossen? Ich musste definitiv den Verstand verloren haben.

****

Am nächsten Tag gab ich mir die grösste Mühe, ihm aus dem Weg zu gehen. Ich konnte es mir nicht leisten, in der Schule meine Fassung zu verlieren. Ich war ihm kurz am Mittag über den Weg gelaufen, aber zu meinem Glück hatte ihn Denki gerade vollgelabert, weshalb er keine Chance gehabt hatte, mit mir zu reden.

Akira hatte ich ebenfalls ignoriert. Es war ja nicht so, als ob wir oft miteinander zu tun hatten, aber ich hatte wenigstens darauf geachtet, seine Existenz so gut es ging aus meinem Gehirn zu löschen. Als ich gehört hatte, dass er derjenige gewesen war, der mit Kirishima Schluss gemacht hatte, war mein erster instinktiver Gedanke gewesen, ihn irgendwann nach der Schule abzufangen und zu verprügeln.

Aber ich hatte realisiert, dass das rein gar nichts bringen würde. Es würde nichts an den geschehenen Ereignissen ändern und Kirishima würde nur wütend auf mich werden. Also liess ich es bleiben.

Als der Unterricht am Nachmittag zu ende war, schnellte ich zum Eingangsbereich. Ich wechselte meine Schuhe in Rekordzeit und fühlte schon, wie sich das Gefühl von Erleichterung in mir verbreitete. Ich hatte den ganzen Tag lang kein Wort mit Kirishima gewechselt und wenn ich jetzt nach Hause eilte, konnte ich ihn in den hintersten Ecken meines Gehirns stopfen und das Wochenende in vollen Zügen geniessen.

Ich schulterte meine Tasche und wollte gerade loslaufen, doch ich hatte mich zu früh gefreut. «Bakugou! Warte einen Moment!» Bei dem Klang seiner Stimme setzte mein Herz einen Schlag aus, aber ich räusperte mich, um das Gefühl loszuwerden. Ich drehte mich zu ihm um und nach einigen Sekunden kam er auf mich zu.

«Wollen wir wieder zusammen gehen? Ich muss in der Nähe etwas erledigen.» Ich verschränkte die Arme vor der Brust. «Schon wieder?», fragte ich und hob eine Augenbraue. Kirishimas Augen verdunkelten sich einen Moment lang, doch als er blinzelte, war es wieder verschwunden. Er nickte. «Ja, aber... Dieses Mal ist es etwas anderes.» Ich hätte am liebsten nachgefragt, aber ich hatte den Eindruck, dass es kein erfreuliches Thema war. Also hielt ich die Klappe und nickte.

Heute redeten wir nicht viel. Ich musste mich so darauf konzentrieren, ihn nicht aus Versehen zu berühren, dass ich dazu gar keine Zeit hatte. Es fühlte sich an, als ob wir eine halbe Ewigkeit gelaufen waren, als wir endlich vor meinem Haus zu stehen kamen.

Kirishimas Augen schimmerten traurig und ich konnte mich nicht mehr zurückhalten. «Was musst du denn noch erledigen?», platzte es aus mir heraus und ich hätte mir am liebsten auf den Mund geschlagen. Warum war ich nur so neugierig?!

Mein Gegenüber lächelte mich leicht an, aber es erreichte seine Augen nicht. «Akira... wohnt hier in der Nähe. Ich habe endlich genug Mut, um meine Sachen zu holen, die noch bei ihm sind.» Ich schluckte. Jetzt wusste ich, warum er den ganzen Weg lang geschwiegen hatte. Und ich hatte ihn auch noch danach gefragt...

«Oh», sagte ich nur. Ich hatte keine Ahnung, was ich auf diese Aussage erwidern sollte. Kirishima deutete mein Schweigen wohl als Ausladung. «Okay, ähm, ich geh dann mal...» Er hob die Hand zum Abschied und wollte sich umdrehen, doch ich hielt ihm am Arm zurück. Der Gedanke daran, dass er zu seinem Ex gehen wollte störte mich mehr, als es wahrscheinlich sollte.

«Warte», sagte ich ein wenig zu laut. «Du... Du kannst auch wieder zu mir kommen, wenn du willst.» Was redete ich da bitte? «Wir können wie gestern abhängen und wenn meine Mutter von der Arbeit kommt, kannst du mit uns essen und–» «Bakugou.» Kirishima löste sich sanft aus meinem Griff.

Er legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter. «Es ist schon okay», versicherte er mir. «Ich bringe es einfach so schnell wie möglich hinter mich, dann ist es vorbei.» Er lächelte mich noch kurz an, dann lief er langsam davon.

Ich trat nervös von einem Bein aufs andere. Ich wollte nicht, dass er zu Akira ging. Ich wollte, dass er zu mir kam und mit mir Zeit verbrachte. Ich sah ihm nach und als ich seinen mir zugewandten Rücken sah... Mich ergriff eine eiskalte Panik und ich rannte ihm nach, bevor ich darüber nachdenken konnte.

«Warte! Kirishima, warte!» Ich packte ihn an der Schulter, brachte ihn zum stehen und drehte ihn zu mir. Er sah mich mit grossen Augen an und... mein Kopf wurde leer. Es gab keine Stimme mehr, die mir auf Abstand riet oder Gedanken, die mir zuriefen, ich sollte ihn loslassen. Alles, was in meinem Gehirn war, war er.

Nur er.

Und bevor ich mich davon abhalten konnte, lehnte ich mich zu ihm und...

Und küsste ihn.

My First First Time || KiriBakuGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt