Ich konnte mich nicht rühren.
«Was?»
Das Rot in Kirishimas Gesicht breitete sich bis zu seinen Ohren aus.
«Also, ich weiss nicht wirklich, ob ich das so nennen kann. Wir... haben nicht wirklich viel, ähm, geredet.»
Mir fiel die Kinnlade runter. «Wie bitte?!» Mein Herz schlug so laut, dass ich meine eigenen Gedanken kaum hören konnte. Was zur Hölle sollte das?! Kirishima sah mich immer noch nicht an. «Naja, es ist halt einfach so passiert. Ich bin zu ihm gegangen und als ich meine Sachen zusammengesammelt habe–»
«Es ist einfach so passiert?!», platzte es aus mir raus. «Und was war das mit mir am Freitag? Ist das etwa auch einfach so passiert?!» Sofort verschwand Kirishimas Verlegenheit und er sah mich mit grossen Augen an. Ich schluckte. Nein, warte, ich wollte die Antwort auf diese Frage gar nicht erst wissen.
«Naja... Ja.»
Ich konnte nicht atmen. Konnte nur dastehen und ihn anstarren. ...Was? Was hatte er gesagt? Das hatte er nicht ernst gemeint, oder? Ja, das musste es sein. Er erlaubte sich nur einen Spass, mehr nicht. Mehr nicht, oder?
«Bakugou...» Die Art, wie er meinen Namen sagte, war wie ein Schlag ins Gesicht und riss mich aus meiner Starre. «Das am Freitag war...», er seufzte und stellte sich aufrechter hin. «Ich weiss, es ist keine Ausrede, aber mir gings echt scheisse und dann hast du mich plötzlich geküsst und ich dachte... Ich dachte, du könntest mich ablenken.»
Ich blinzelte. Ich konnte mich schwach daran erinnern, dass er so etwas in der Art am Freitag gesagt hatte, aber ich war von diesen neuen Gefühlen viel zu gefangen gewesen, um es bemerkt zu haben. Kraftlos atmete ich einmal tief durch. Warum musste das alles nur passieren? Nachdem wir uns doch gerade erst wieder versöhnt hatten...
Ich hasste mich dafür, dass ich nach einem entschuldigendem Ausdruck in seinem Blick suchte. Und ich hasste ihn dafür, dass ich keinen fand.
«Du hast Recht», sagte ich schliesslich. «Das ist wirklich keine Ausrede.»
Hilflos fuhr sich Kirishima durch die Haare. «Hör zu, ich habe nichts von dem, was am Freitag passiert ist, ernst gemeint. Was willst du? Soll ich mich entschuldigen? Soll ich...» Sein Blick glitt an mir vorbei und er verstummte sofort. Er war wie erstarrt, schien nicht einmal mehr zu atmen. Verwirrt drehte ich mich um und als ich den Grund dafür entdeckte, wurde selbst mein Herz schwer.
Da war Akira.
Der gerade irgendein Mädchen küsste.
Ich schnappte nach Luft und wandte mich sofort wieder Kirishima zu. Er blinzelte ungläubig, und dann noch einmal, und dann... dann füllten sich seine Augen mit so viel Tränen, dass sie das Sonnenlicht reflektierten.
Meine Brust wurde ganz eng und plötzlich war alles, was er auch nur Sekunden zuvor gesagt hatte, vergessen. Das einzige, was mir durch den Kopf ging, war, wie ich diese Traurigkeit aus seinem Gesicht bekommen konnte.
«Ich...» Er konnte kaum sprechen. «Ich... muss gehen.»
Er sah mich nicht einmal mehr an, bevor er mir den Rücken zukehrte und davonlief.
Und es war alles wieder genauso wie am Freitag.
Er hatte sich mir abgewandt. Er lief weg von mir. Er liess mich zurück.
Meine Kehle zog sich zusammen und die Panik schickte eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper.
Und bevor ich es wusste, war es zu spät.
Ich rannte los, griff nach seinem Arm und drückte meine Lippen auf seine. Er war noch zu sehr in seiner Trance gefangen, um mich von sich wegzustossen, bevor ich mich selbst von ihm löste. «Du hast gesagt, ich kann dich ablenken», sagte ich und wollte ihn wieder küssen, hielt mich aber zurück. «Dann lass es mich tun.»
Ich wusste nicht, was mir durch den Kopf ging. Aber alles, was ich wollte, war, dass er nie wieder diesen verletzten Ausdruck in den Augen hatte.
Mein Herz hatte gegen meinen Verstand gewonnen.
Also packte ich ihn fester und sah ihm bestimmt in die Augen.
«Lass mich dich ablenken.»
****
Ich konnte mich kaum dazu bringen, die Tür des Clubraumes zu öffnen. Ich wusste, dass er da war. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich mich zu verhalten hatte. Nachdem ich Kirishima gestern mein Herz regelrecht auf einem Silbertablett serviert und er lediglich mit einem verwirrtem Blick reagiert hatte, bevor er einfach davongelaufen war, wollte ich ihm vor Scham am liebsten nie wieder unter die Augen treten.
Aber heute war unser Clubtreffen – das letzte vor dem Filmfestival. Da konnte ich unmöglich fehlen. Also atmete ich noch einmal tief durch, dann drückte ich die Türklinke runter und trat in das Zimmer. Sofort verstummten die anderen und alle Blicke waren auf mich gerichtet. Na toll.
Ich verdrehte die Augen und setzte mich ausnahmsweise neben Denki, da es sonst nur noch einen Platz neben Kirishima gab. Und neben ihm wollte ich auf keinem Fall sitzen. «Du bist ganze zehn Minuten zu spät, Bakugou.» Seine tiefe Stimme stellte seltsame Dinge mit meinem Bauch an, aber ich versuchte, es zu ignorieren.
«Mhm», sagte ich nur und zuckte mit den Schultern. Wie konnte er sich so normal verhalten nach dem, was gestern passiert war? Kirishima machte sich nicht einmal die Mühe zu fragen, wo ich gewesen war oder was ich getan hatte, um zu spät zu kommen. Beleidigt verschränkte ich die Arme vor der Brust. Sein Desinteresse störte mich mehr als es wahrscheinlich sollte.
Die nächsten zwei Stunden verbrachten die anderen damit, alles noch einmal genau zu besprechen, damit am Freitag auch nichts schiefgehen würde. Ich verbrachte diese Zeit damit, mich durch das, was auch immer zwischen Kirishima und mir war, nicht in den Wahnsinn treiben zu lassen.
Mein Blick wanderte zu ihm. Er sass breitbeinig und in einer lässigen Haltung auf seinem Stuhl und ich musste mich beherrschen, nicht aufzustehen und mich auf seinen Schoss zu setzen. Mit meinen Fingern nicht durch seine Haare oder über seine Arme zu streichen. Meine Lippen nicht jeden einzelnen Centimeter seiner Haut erkunden zu lassen. Ich schluckte. Ich war verloren.
Aber so gut und nahezu unwiderstehlich er auch aussehen mochte, dass er unter dem, was er gestern gesehen hatte, litt, war nicht zu übersehen. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen, seine Kleider sassen unordentlich und so richtig konzentriert wirkte er auch nicht.
Ich wollte Akira am liebsten umbringen.
Aber da ich das wegen offensichtlichen Gründen nicht tun konnte, musste ich irgendwie andere Wege finden, um Kirishima auf andere Gedanken zu bringen. Und ich konnte nicht anders, als zu hoffen, dass ich dabei auch eine Rolle spielte.
Nachdem das Treffen zu Ende war und ich sah, dass alle zusammenpackten ausser Kirishima, liess ich mir extra mehr Zeit als ich eigentlich benötigte. Ich wartete bis alle den Raum verlassen hatten, dann schloss ich die Tür und verriegelte sie. Ich schluckte. Das war wahrscheinlich eine dumme Idee. Dass er gestern so gut wie nicht auf meine Aussage reagiert hatte, zeigte doch eigentlich schon, dass er nicht interessiert war.
Und trotzdem...
Hoffnung war die gefährlichste Empfindung, welche sich in ein Herz schleichen konnte.
Und dieses Mal war ich ihr Opfer.
Ich lief mit langsamen Schritten auf Kirishima zu. Mein Kopf war vollkommen leer. Ich sah nur diese roten Haare vor mir und konnte an nichts anderes denken als daran, wie sehr ich ihn wollte.
Auf jede erdenkliche Weise.
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My First First Time || KiriBaku
FanfictionEs gibt so viele erste Male, und ich erlebte jedes davon mit ihm. Meinen ersten Kuss Meine erste Liebe Und meinen ersten Herzschmerz ~~~~ Warnung: Ich liebe Drama ;) In meiner Geschichte gibt es keine Helden und generell keine Spezialitäten. Sie ge...
