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Mit jedem Tag fühlte es sich unerträglicher an. Ich hatte so lange auf Kirishima gewartet und jetzt, wo er endlich wieder zurück war, verbrachte er jede freie Minute mit einem anderen Typen. Und das schlimmste war, dass ich Isko nicht einmal dafür hassen konnte. Denn, ob ich nun wollte oder nicht, ich konnte zu 100% verstehen, warum Kirishima ihn mochte.

Ich ass immer noch zu Mittag mit den beiden, doch jedes Mal, wenn sie mich fragten, ob ich in der Freizeit etwas mit ihnen machen wollte, lehnte ich ab. Ich hatte keine Lust darauf, stundenlang an Kirishimas Seite zu sein, aber trotzdem kaum Aufmerksamkeit von ihm zu bekommen.

Also sagte ich ihnen auch für folgenden Samstag ab. Stattdessen hatten mich Mina, Sero und Denki gefragt, ob ich mit ihnen in eine Bar gehen wollte. Erst hätte ich fast verneint, doch nur schon bei dem Gedanken an Kirishima und Isko schien mir Alkohol gar keine allzu schlechte Ablenkung zu sein.

Es war schon eine Weile her, seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte – wir hatten uns nur einmal Mitte Sommer getroffen – und ich war ehrlich gesagt ein wenig nervös, als ich durch den Eingang der Bar trat. Denkis lautes Lachen drang mir unangenehm in die Ohren und ich entdeckte sofort, wo sie sassen.

Wir begrüssten uns, ich setzte mich und als die Kellnerin kam, bestellte ich mir direkt einen Sake. Sero schnaubte belustigt. «Du hältst dich heute wohl nicht zurück, was?» Ich warf einen kurzen Blick auf ihre Bierflaschen und zuckte mit den Schultern. «Für etwas sind wir ja in eine Bar, oder etwa nicht?»

Sie stimmten mir lauthals zu und als mein Getränk kam, stiessen wir zusammen an. Ich leerte das erste Glas in einem Schluck und bereute sofort, zuvor nichts gegessen zu haben. Das konnte ja lustig werden.

«Es hat mich überrascht, dass du zugesagt hast», gestand Mina, nachdem es einen Moment lang ruhig gewesen war. «Kirishima hat gesagt, er hätte schon etwas vor und, naja, ich habe angenommen, dass er etwas mich dir machen würde.» Meine Laune sank sofort. Na toll, und ich hatte gedacht, ich könnte heute Abend den Gedanken an Kirishima entkommen.

Ich trank ein weiters Glas, bevor ich antwortete. «Das habe ich auch gedacht», gab ich zu. «Bevor ich gesehen habe, dass er einen anderen Typen mit sich nach Hause gebracht hat.» Wahrscheinlich hätte ich die Reaktion der anderen amüsant gefunden, wenn mich dieses Thema nicht so runterziehen würde.

«Wie bitte?!» Denki klang so entsetzt, wie ich mich gefühlt hatte, als ich Isko das erste Mal gesehen hatte. Ich atmete tief durch, damit ich ruhig blieb. Ich hatte ihnen im Sommer erzählt, was alles zwischen Kirishima und mir vorgefallen war, weshalb es mir nun kaum mehr peinlich war, mit ihnen über ihn zu reden.

«Er hat ihn in Manila kennengelernt», erklärte ich und trank ein weiteres Glas. Wahrscheinlich sollte ich die Flasche ein wenig langsamer leeren, aber im Moment war es mir egal. «Und anscheinend haben sie sich so gut verstanden, dass er ihn hier nach Tokio eingeladen hat. Seit seiner Rückkehr habe ich vielleicht zwei Minuten alleine mit Kirishima verbracht, mehr nicht.»

Denki holte schon Luft, um etwas zu sagen, doch Sero kam ihm zuvor. «Und das stört dich, nicht wahr?» Ich schnalzte höhnisch mit der Zunge, wich aber seinem Blick aus. «Machst du etwa Witze? ...Natürlich stört mich das.» Anfangs hatte ich mir gewünscht, ich hätte ihnen nie von dem allem erzählt, doch es tat ehrlich gesagt gut, mit jemandem darüber reden zu können.

«Und hast du es ihm auch gesagt?» Ich hörte Mina, aber ich verstand sie nicht. Genervt trank ich noch ein Glas und wusste nicht, ob ich mich wegen des Alkohols oder wegen des Drucks auf meinem Herzen so unwohl fühlte. «Ich meine...» Ich brauchte einen Moment, um einen richtigen Satz bilden zu können. «Ich habe es angedeutet. Und wenn ich ihn nicht unterbrochen hätte, hätte er mich sicher gebeten, noch ein bisschen mehr Geduld zu haben. Tsk, als ob ich nicht schon lang genug geduldig bin.»

In Minas Blick spiegelte sich Mitleid und ich leerte sofort ein weiters Glas. Ich hatte ihn doch für heute Abend vergessen wollten und trotzdem war er das allererste Thema gewesen, über das wir redeten. Schwankend stand ich auf und zog mir die Jacke über. «Ich muss raus», nuschelte ich. «Ich brauche ein wenig frische Luft.» Ich wartete auf zustimmendes Nicken, dann ging ich los.

Langsam wurden die Nächte wieder kälter, doch als ich durch die Tür trat, war es eine angenehme Abkühlung. Nur noch eine Woche, sagte ich mir selbst, doch Minas Worte hatten sich in meinem Kopf festgesetzt. Hast du es ihm gesagt? Ohne wirklich darüber nachzudenken, zog ich mein Handy hervor und tippte auf unseren Chat.

Ich meine... Es war ja nicht so, als ob ich es nicht offensichtlich gemacht hätte. Ich seufzte und meine Finger tippten und sendeten die Nachricht wie von alleine. Können wir uns morgen treffen? Alleine? Wir müssen reden. Ja, wir mussten reden. Oder zumindest ich. Es war höchste Zeit, dass ich ihn fragte, ob er nun endlich offiziell mit mir zusammen sein wollte. Isko hin oder her. Kurz schloss ich vor Erleichterung die Augen. Endlich. Endlich würde ich mein Happy End bekommen.

Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Schon wieder.

Ich musste echt aufhören, den Tag vor dem Abend zu loben.

Ich hörte es, bevor ich es sah. Ein leises «Warte! Hör auf!» zog meine Aufmerksamkeit auf sich und ich drehte meinen Kopf in die Richtung, von wo es gekommen war.

Es fühlte sich wieder genauso an, wie am Filmfestival.

Ich stand da. Geschockt. Überfordert.

Und konnte nichts tun, während Kirishima einen anderen Typen küsste.

Einen Moment lang konnte ich mich nicht bewegen, dann drehte ich mich ruckartig um und rannte los. Ich wusste weder wie lange noch wohin ich lief, und ich blieb erst stehen, als ich in einem kleinen Park angekommen war. Ausser Atem setzte ich mich auf eine Bank und starrte in die Dunkelheit.

Ich fühlte nichts. Ich weinte nicht. Ich sass nur da und... und wartete darauf, dass alles gleichzeitig auf mich einstürzen würde. Aber es geschah nichts. Vielleicht hatte ich mich schon an den Schmerz gewöhnt, sodass es mir gar nichts mehr ausmachte. Oder vielleicht hatte mich der Fakt, dass das alles schon einmal passiert war, dagegen abgehärtet. Verdammt, was sollte das? Warum fing alles wieder von vorne an?!

Ich hatte keine Ahnung, wie viel Zeit verging. Irgendwann zog ich meine Knie an die Brust, weil mir kalt geworden war, und verharrte so auf der Bank. Ich hatte doch morgen mit ihm reden wollen. Ich hatte morgen das ganze hinter mir lassen wollen. Und neu anfangen wollen. Mit ihm.

Warum hatte ich nur genau in diesem Moment die Bar verlassen müssen? Warum nicht fünf Minuten früher? Ich hätte gar nicht erst rausgehen sollen. Ich hätte den Rest meines Lebens in Frieden verbringen können, mit oder ohne Kirishima, ohne dass ich das gesehen haben musste.

«Oh mein Gott, Bakugou!» Minas panische Stimme riss mich aus meinen Gedanken und ich horchte sofort hoch. Sie rannte zu mir und blieb schliesslich schweratmend stehen. «Geht es dir gut? Warum bist du einfach verschwunden? Ich hatte solche Angst um dich!»

Ich realisierte erst jetzt, dass ich sie und die anderen einfach in der Bar zurückgelassen hatte, im Glauben, ich würde nach ein paar Minuten zurückkehren. Ich wollte mich entschuldigen, doch ich brachte kein Wort über die Lippen.

Minas Blick wurde weicher und sie setzte sich vorsichtig neben mich. «Bakugou, was ist passiert?» Ich sah sie lange an, ohne etwas zu sagen. Ich wollte es nicht aussprechen, wollte es nicht wahrhaben. Ich wollte einfach nur so tun, als ob ich es nie gesehen hätte.

Aber das ging nicht. Ich musste das alles endlich hinter mir lassen. Ich musste Kirishima endlich vergessen. Ich atmete tief durch. «Ich habe Kirishima und Isko gesehen,» erklärte ich und jeder Buchstabe kratzte schmerzhaft gegen meinen Hals. «Und... Sie...» Meine Unterlippe zitterte so stark, dass ich kaum richtige Wörter bilden konnte.

«Sie haben sich geküsst.»

Minas Augen wurden gross, doch sie sagte nichts, sondern breitete einfach nur ihre Arme aus. Ich zögerte keine Sekunde und umarmte sie sofort. Und in dem Moment, als ich meinen Kopf auf ihre Schulter legte und sie mir beruhigend auf den Rücken klopfte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.

Der Damm brach.

Mein Herz brach.

Und ich fing an, bitterlich zu weinen.

My First First Time || KiriBakuGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt