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Ich hatte nicht vergessen, wie sich seine Küsse angefühlt hatten. Doch sie jetzt endlich wieder richtig spüren zu können, war ganz anders, als in meiner Erinnerung. Seine Lippen waren so warm und weich und... ich konnte nicht genug davon bekommen. Ich rückte ein wenig näher zu ihm und vergrub die Finger in seinen Haaren.

Seine Hände wanderten sofort zum Saum meines Hemdes, zogen es aus meiner Hose und fanden ihren Platz auf meinem nackten Rücken. Ich zuckte zusammen als die kalte Nachtluft auf meine Haut traf, doch Kirishimas Berührungen schickten sofort heisse Elektrostösse über meinen ganzen Körper. Oh Gott, wie sehr ich diese Gefühle vermisst hatte.

Er vertiefte den Kuss so mitreissend, wie er es schon immer getan hatte, und ich wusste einfach, dass ich nicht mehr zu retten war. Aber ich bereute nichts. Obwohl dies wahrscheinlich alles nur noch schlimmer machen würde, war es mir vollkommen egal. Solange ich seine Lippen auf meinen spürte, war mir alles vollkommen egal.

Seine Fingerkuppen strichen sanft auf meinem Rücken auf und ab und ich bog ihn wie von selbst durch. Verdammt, er wusste ganz genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte. Ich wollte meine Position so verschieben, dass ich ihm noch näher sein konnte, doch Kirishima hatte eine bessere Idee.

Er lehnte sich zurück, unterbrach den Kuss und durchbohrte mich regelrecht mit seinem Blick. Ich wusste ganz genau, was er jetzt sagen würde.

«Wollen wir zu mir gehen?»

Mit einem dümmlichen Grinsen auf den Lippen stand ich auf, doch als ich ihm die Hand entgegenstreckte, hielt ich inne. «Warte, was ist mit der Anwesenheitskontrolle?» Kirishima ergriff meine Hand nicht, als er aufstand. Stattdessen zupfte er an meinem Hemd herum, damit es einigermassen wieder gut aussah.

«Die haben sie doch am Anfang gemacht», entgegnete er und sah mich mit dunklen Augen an. «Jetzt werden sie nie im Leben bemerken, wenn zwei Schüler verschwinden.» Einen Moment lang war ich noch unsicher, doch ich wollte auf keinen Fall riskieren, dass Kirishima in dieser Zeit seine Meinung änderte. Also nickte ich und wir liefen los.

Sein Haus war kaum fünf Minuten von der Schule entfernt, wofür ich mehr als nur dankbar war. Auf dem Weg dorthin redeten wir nicht viel, eigentlich gar nicht, aber es war keine unangenehme Stille. Eher eine, die mich in das beruhigende Vergewissern wiegte, dass mich Kirishima – zumindest heute Abend – genauso wollte, wie ich ihn.

Ich platzte fast vor Aufregung, als wir endlich vor seiner Haustür standen und er den Schlüssel aus seiner Hosentasche fischte. «Mein Vater hat Nachtschicht», sagte er, während er die Tür öffnete. «Wir haben also das ganze Haus für uns.» Bei seinen Worten wurde meine Brust eng und ich konnte mein Herzpochen bis in meine Finger spüren.

Nervös trat ich ein und zog die Schuhe aus. Verdammt, ich war wieder einmal viel zu aufgeregt. Ich beobachtete , wie sich Kirishima die Schuhe ebenfalls von den Füssen streifte und ich dachte, er würde hier und jetzt dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten, doch er ging an mir vorbei die Treppen hinauf. «Mein Zimmer ist oben.»

Ich schluckte. Ich wusste doch, dass er mich nur für das eine wollte, aber... Schnell blinzelte ich die Tränen weg, die sich in meine Augen drängen wollten. Ich musste mich zusammenreissen. Ich würde ihm helfen, Akira zu vergessen und ihn dann für mich gewinnen. Genauso würde ich es machen. Das konnte doch nicht allzu schwierig sein... oder?

Genervt von meinen Gedanken schüttelte ich den Kopf und folgte Kirishima. Ich betrachtete nicht einmal richtig sein Zimmer, sondern schloss sofort die Tür hinter mir und ging direkt auf ihn zu. Ich schob ihn zum Bett und als er sich darauf fallen liess, setzte ich mich auf seinen Schoss.

«Keine Angst», flüsterte ich und legte die Hände auf seine Schultern. «Ich werde eine gute Ablenkung sein.» Er sah mich mit grossen Augen an, doch ich neigte einfach meinen Kopf und küsste ihn. Meine Finger wanderte in seinen Nacken, lösten den Zopf und vergruben sich in seine Haare. Es dauerte eine Weile, bis er reagierte, doch anstatt den Kuss zu erwidern, löste er sich von mir.

Ich erstarrte sofort. «Warte, das ist nicht richtig.» Seine Worte trafen mich direkt ins Herz und ich konnte kaum mehr atmen. Kirishima war offensichtlich hin- und hergerissen, doch entschied sich schliesslich dazu, mich sanft von ihm runter zu schieben. Sobald ich auf meinen eigenen Füssen stand, gaben meine Knie nach und ich liess mich auf den Boden fallen.

«Ist das dein Ernst?» fragte ich, meine Stimme kaum mehr als ein leises Hauchen. «Willst du mich eigentlich verarschen, Kirishima? Ich hab' dir gesagt, du sollst es nicht tun! Ich hab's dir gesagt!» Schon wieder schlichen sich Tränen in meine Augen, nur machte ich mir dieses Mal nicht die Mühe, sie zu verstecken. Das waren keine Tränen aus Traurigkeit, sondern aus Frust.

Verzweifelt fuhr sich Kirishima durch die Haare und als er sich nach ein paar Momenten wieder gefangen hatte, atmete er kurz tief durch. Vorsichtig nahm er meine Hand und sah mich entschuldigen an. Am liebsten hätte ich mich seines Griffes entzogen, doch sein Daumen fuhr so sanft über meinen Handrücken, dass ich mich nicht bewegen konnte.

«Ich weiss», sagte er schliesslich. «Ich weiss. Und es tut mir leid. Ich war einfach... am Boden. Und dann warst du da. Und hast mich beruhigt. Hast mich gehalten. Und bist mir nicht von der Seite gewichen. Ich weiss nicht, was mir durch den Kopf gegangen ist, wahrscheinlich gar nichts. Aber als du das vorhin gesagt hast... Ich will dich nicht so ausnutzen, Bakugou. Ich will dir nicht so wehtun.»

Mir rollten über beide Wangen gleichzeitig die Tränen runter. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich fühlte. Ich war verletzt, weil er mich schon wieder wegstiess, aber ich war auch gerührt, weil er mich und meine Gefühle beschützen wollte, obwohl er es im Moment doch so offensichtlich schwerer hatte als ich. Ich seufzte ergeben.

Ich hatte mir doch gesagt, dass ich mich nicht mehr in ihn verlieben würde. Aber warum musste er es mir nur so verdammt leicht machen, daran zu scheitern?

Einen kurzen Moment atmete ich tief durch und schluckte die Tränen runter. Warum drehte ich mich nur immer wieder im Kreis? Warum war die Antwort auf all meine Fragen nur immer wieder er? Langsam machte mich diese ganze Sache echt krank.

Ich räusperte mich, stand auf und setzte mich neben Kirishima aufs Bett. Er sah mich nicht an. Er konnte mich nicht ansehen. Sanft legte ich eine Hand auf seine Wange und drehte sein Gesicht zu mir. Und ich glaube, in dem Moment hatte ich noch nie jemanden so sehr gehasst wie Akira. Für das, was er Kirishima angetan hatte. Und für das, was er mir damit antat.

«Du hast es selbst gesagt», flüsterte ich und sah meinem Gegenüber tief in die Augen. «Ich bin dir nicht von der Seite gewichen. Und das werde ich in Zukunft auch nicht tun. Egal ob als Freund oder als Ablenkung, ich will einfach nur bei dir bleiben.»

Ich lehnte mich ein wenig näher zu ihm und mein Blick fiel auf seine Lippen. «Darf ich bei dir bleiben, Kirishima?» Behutsam strich ich mit dem Daumen über seine Wange und ich war mir ziemlich sicher, dass er mittlerweile das Rasen meines Herzens hören konnte. Doch solange er mich nicht abwies, war mir das eigentlich vollkommen egal.

Er reagierte kaum, konnte sich nicht entscheiden zwischen seinem eigenen Wohl oder seinem Respekt für meine Gefühle. Aber ich hatte lange genug auf ihn gewartet. Ohne wirklich gross darüber nachzudenken, zog ich ihn zu mir und drückte meine Lippen auf seine.

Nur für einen kurzen Moment, doch es war genau der Auslöser, den es gebraucht hatte. «Darf ich?», wiederholte ich und diesmal verschwendete Kirishima keine Sekunde. Er stiess mich sachte auf die Matratze und küsste mich so liebevoll, wie noch nie zuvor.

Und dann, naja, wie gesagt, er verschwendete keine Sekunde.

My First First Time || KiriBakuGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt