Es fühlte sich an, als ob ich mein Leben von aussen beobachten würde. Ich sah, wie ich nach Hause rannte und den Rest des Tages nichts anderes machte, als in meinem Zimmer zu weinen und die Fragen meiner verwirrten Eltern zu ignorieren. Ich sah, wie ich mich am nächsten Morgen für die Schule bereit machte, obwohl ich alles getan hätte, um nicht gehen zu müssen. Ich sah, wie ich in der Schule ankam und als allererstes den Brief meines Austrittes aus dem Club in die Hände meines Lehrers drückte.
Ich hielt es kaum aus. Ich fühlte mich so... stumpf. Nichts erreichte mich. Nichts, ausser wenn ich sie zusammen sah. Wie sie zusammen lachten, wie sie sich an den Händen hielten, wie sie sich küssten. Nichts erreichte mich, ausser der unerträgliche Schmerz in meinem Herzen.
Ich schaffte es, Kirishima aus dem Weg zu gehen. Hauptsächlich, weil er auch nicht gerade darauf hinaus war, mich zu treffen – was alles irgendwie noch viel schlimmer machte. Wie konnte er nur mit jemandem glücklich sein, der ihn mehrmals hintergangen hatte? Warum realisierte er nicht, dass er die falsche Wahl getroffen hatte?
Das war alles so unfair. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte mich von Anfang an zurückgewiesen, als mir zu zeigen, was aus uns hätte werden können, nur damit es dann doch nicht passiert. Das war einfach nur grausam.
Es vergingen Tage, Wochen, die einfach so an mir vorbeizogen, ohne meine Wunden zu heilen. Und es vergingen Nächte, die mich mit nichts ausser Dunkelheit und Traurigkeit in den Schlaf wiegten.
Ich wollte das nie wieder tun. Nie wieder jemanden so ansehen. Nie wieder jemandem so viele Gedanken widmen. Nie wieder für jemanden so empfinden. Denn wenn es nicht er war... Wenn es nicht er war, wollte ich, dass es gar niemand war.
Das war bestimmt nur ein Traum, oder? Das konnte nicht echt sein. Er kam zu mir zurück, wenn ich wach war, richtig? Also sag mir, was ich tun muss, um aus diesem Alptraum aufzuwachen.
Doch ich erwachte jeden Morgen in meinem Bett, allein. Mit nichts ausser einem leeren Herzen.
Irgendwann war es November.
Irgendwann war es Dezember.
Irgendwann stand der Weihnachtsball vor der Tür.
Ich hasste wer auch immer entschieden hatte, die Anwesenheit sollte obligatorisch sein. Ich wollte nicht mindestens drei Stunden in der selben Halle sein, wie er. Wo ich nichts ausser glückliche Paare sehen würde, einschliesslich Kirishima und Akira.
«Mom, ich brauch' einen Anzug», sagte ich, während sie mir gerade eine Schüssel Reis hinstellte. Ich würde mich einfach die ganzen drei Stunden in den Toiletten einschliessen. Meine Mutter hielt inne und sah mich mit grossen Augen an. Wahrscheinlich, weil es das erste Mal seit Monaten war, dass ich mit ihr gesprochen hatte, ohne dass sie den ersten Schritt hatte machen müssen.
Sie fing sich schnell wieder und setzte sich gegenüber von mir hin. «Du gehst an den Ball?» Sie konnte die Vorfreude in ihrer Stimme nicht verstecken. Ich schnalzte mit der Zunge. «Versteh das nicht falsch. Ich gehe nur, weil ich muss.» «Naja, wie auch immer.» Sie schüttelte den Kopf und schien viel aufgeregter, als ich erwartet hatte. «Mit wem gehst du denn?»
Ich hielt die Luft an. Warum brachte sie mich dazu, wieder an ihn zu denken? Daran, wie gut wir zusammen beim Tanzen aussehen würden. Wie wir Anzüge tragen würden, die farblich zusammenpassen würden. Wie wir ein perfektes Date miteinander verbringen würden.
Abrupt stand ich auf und kämpfte gegen den Kloss in meinem Hals. «Es ist schon spät, ich muss mich beeilen», nuschelte ich, bevor ich die Treppen hinauf in mein Zimmer eilte. Ich hatte sie doch nur nach einen Anzug gefragt. Nicht danach, meine Laune zu ruinieren, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hatte.
Es war Dienstag und der Ball war am Freitag, bevor dann die Weihnachtsferien beginnen würden. Ich seufzte und trat durch die Eingangstüren der Schule. Schon wieder Ferien ohne Kirishima. Ich hatte nicht viel von meinem Jahr hier erwartet, aber dass es so schlecht laufen würde... Das Schicksal hasste mich wohl wirklich.
Ich wechselte gerade meine Schuhe, so unmotiviert wie immer, als sie mich ansprachen. «Hey, Bakugou.» Mina war die erste, die sich wagte. Einen Moment lang erstarrte ich, doch ich überwand den Schock und machte weiter – ohne sie zu beachten. Sie verstanden meine Intention nicht. «Wir haben lange nicht geredet», sagte Sero und ich konnte hören, wie nervös er war.
Unbekümmert schloss ich meinen Spint und lief zu den Treppen. Denki stellte sich mir sofort in den Weg. «Willst du mit uns zum Ball gehen?», platzte es aus ihm raus. Ich versteckte die Überraschung, die sich in meinen Blick schleichen wollte. «Wir verstanden uns doch so gut, als du noch bei uns warst und..»
Ich ignorierte seine Worte, ging um ihn herum und setzte meinen Weg zum Klassenzimmer fort. Das war doch nicht ihr Ernst! Nach Monaten... Ich atmete tief durch, um mich zu beruhigen. Es war zu früh am Morgen, um mich aufzuregen.
Aber sie gaben nicht auf. In der Mittagspause konnte ich sie gerade noch so umgehen, als sie mich draussen gesucht hatten. Am Nachmittag nach dem Unterricht lag das Glück leider nicht mehr auf meiner Seite. Sie fingen mich ab, bevor ich durch das Schultor gehen konnte.
«Überleg es dir, Bakugou», bat Mina und sah mir bestimmt in die Augen. «Wir vermissen dich.» Ich konnte ein höhnisches Lachen nicht unterdrücken. «Wollt ihr mich eigentlich verarschen?» Ich trat einen Schritt auf Abstand. «Ihr habt einfach von heute auf morgen beschlossen, dass ihr nichts mehr mit mir zu tun haben wollt und jetzt, nach fast drei Monaten, wollt ihr so tun, als ob nichts passiert wäre?»
Ich hatte direkt ins Schwarze getroffen.
«Hört mir zu», zischte ich und schenkte jedem der dreien einen bösen Blick. «Wenn ihr meint, ihr könnt mich einfach so zurücknehmen, als ob nichts passiert wäre, liegt ihr falsch. Kirishima wollte mich nicht mehr und ihr habt einfach beschlossen, dass das auch für euch gilt? Und jetzt habt ihr ernsthaft die Frechheit, mich zu fragen, dass ich das einfach so vergesse? Ihr könnt mich alle mal!»
Wütend wandte ich mich von ihnen ab und lief los. Wie konnten sie es nur wagen?! Wie konnten sie nur so schamlos sein?! Tsk, das waren doch alle Idioten! Wir waren nicht einmal wirklich Freunde gewesen. ...Oder? Ich war viel zu fokussiert auf Kirishima gewesen, um sie wirklich wahrzunehmen.
«Aber du hast uns doch verlassen!»
Ich blieb sofort stehen. Minas Stimme schnitt durch die kalte Luft wie ein Messer.
«Du hast kein Wort gesagt. Wir haben deinen Brief durch den Lehrer erhalten. Und dann hast du einfach so getan, als ob du uns nicht kennen würdest!»
Meine Finger zuckten. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Schnell drehte ich mich um und lief mit schweren Schritten zu ihnen. «Das gibt euch noch lange nicht das Recht...» Ich war viel zu aufgebracht, um einen klaren Gedanken fassen zu können. «Das ist doch keine Ausrede, dass ihr mich auch ignoriert habt! Ihr habt mich nicht einmal gefragt, warum ich ausgetreten bin. Ihr habt es einfach akzeptiert und weitergemacht, als ob ich nie dagewesen wäre!»
Sero verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. «Das stimmt doch gar nicht», erwiderte er. «Wir haben doch versucht, dich anzusprechen, aber du bist einfach immer weggegangen. Wie heute Morgen bei den Spinden. Und am Anfang dachten wir... Naja, du bist nunmal nicht die wärmste Person und wir dachten, dass du uns vielleicht nie wirklich als Freunde gesehen hast.»
Ich musste das erst einmal einsickern lassen. Ich hatte Kirishima verloren und hatte mich so auf das fixiert gehabt, dass ich mich nicht nur von ihm, sondern auch von allen anderen abgeschottet hatte. Jetzt verstand ich, warum mich Kirishima damals weggestossen hatte. «Kann sein, dass wir uns noch mehr hätten bemühen sollen», sagte Mina und sah mich mit einem Blick an, der ganze Wälder in Brand setzen könnte.
«Aber dass unsere Freundschaft den Bach runterging, ist auch deine Schuld, Bakugou.»
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My First First Time || KiriBaku
FanfictionEs gibt so viele erste Male, und ich erlebte jedes davon mit ihm. Meinen ersten Kuss Meine erste Liebe Und meinen ersten Herzschmerz ~~~~ Warnung: Ich liebe Drama ;) In meiner Geschichte gibt es keine Helden und generell keine Spezialitäten. Sie ge...
