Ich wusste, dass es vorbei war.
Seit unserem Streit hatte er mir nicht geschrieben und ich war auch nicht zu ihm in den Clubraum gegangen. Es war die reinste Qual. Zu wissen, dass wir nicht mehr zu retten waren, aber es nicht akzeptieren zu wollen. Es nicht wahrhaben zu wollen. Denn jetzt, wo ich wusste, wie es war, ihn zu haben... wie sollte ich je ohne ihn klarkommen? Schon allein bei dem Gedanken daran, wurde mein Herz schwer wie Blei.
Es war schon fast eine ganze Woche vergangen. Mit jedem Tag wurde es schlimmer, aber gleichzeitig wollte ich es so lange hinauszögern, wie es nur ging. Ich wollte diese Wörter nicht hören, wollte seinen Blick nicht sehen, während er sie aussprechen würde. Ich wollte einfach nur die Zeit zurückspulen und schon im vornherein verhindern, dass das alles überhaupt passierte.
Aber das war sowieso alles egal.
Das Schicksal war nicht auf meiner Seite, so wie immer.
Es passierte an einem Freitag. Ich verliess gerade die Schule, als ich sah, dass er draussen auf mich wartete. Nun war es also so weit, huh... Ich blieb einen Moment stehen und versuchte, mich so gut wie möglich zu beruhigen. Mich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Es funktionierte nicht.
Wir liefen zu einer Stelle, wo nicht gerade jeder Schüler, der sich auf den Nachhauseweg machte, unser Gespräch hören konnte. Als er stehenblieb und sich zu mir umdrehte, zog sich meine Kehle so stark zusammen, dass es mir Tränen in die Augen trieb. Bitte nicht. Bitte, bitte nicht.
«Bakugou.» Als er meinen Namen sagte, hätte ich mich am liebsten übergeben. Ich konnte ihn nicht ansehen, mein Atem wurde immer unkontrollierter. Ich war völlig überfordert – nur dieses Mal nicht auf die gute Art. Mein Herz schlug mir so laut gegen die Brust, dass ich mir sicher war, Kirishima konnte es hören.
Jetzt, wo es unausweichlich war, konnte ich es sowieso nicht mehr stoppen. Also war mein einziger Wunsch, dass er es kurz und schmerzlos machte. Ich hoffte, er würde etwas sagen, was mich dazu bringen würde, ihn für immer zu hassen. Auch wenn ich wusste, dass das unmöglich war.
Er holte Luft.
Ich kniff die Augen zusammen.
«Lass uns das beenden.»
Er hatte nicht gezögert. Hatte nicht gestottert. Und ich hielt die Tränen nicht zurück, die mir über die Wangen liefen.
Verdammt, warum tat das nur so weh? Ich hatte doch gewusst, dass es passieren würde...
«Ich will, dass du es verstehst, Bakugou.» Seine Stimme war tief. Sie klang wie Musik in meinen Ohren, nur leider spielte sie eine traurige Melodie. Er ergriff vorsichtig meine Hände und ich wagte es erst jetzt, ihn anzusehen. Der leichte Wind befreite sein Gesicht von einzelnen Strähnen. Die Sonne schenkte seinen Augen ein schwaches Schimmern. Und...
Und er war das Schönste, was ich je gesehen hatte.
«Nachdem sich Akira aus dem Nichts von mir trennen wollte, da–» «Moment, was?» Mein Hals tat weh, als ich sprach, aber es war mir egal. «Redest du gerade wirklich von Akira? Willst du mich eigentlich verarschen?» Kirishimas Augen wurden gross. «Nein, warte–» Ich lachte frustriert auf und befreite mich aus seinem Griff.
Verzweifelt fuhr ich mir durch die Haare. «Dir geht es schon wieder nur um ihn. Du machst gerade mit mir Schluss und das Erste, was du sagst, ist etwas über ihn.» Wow, ich hatte nicht erwartet, dass er dieses Gespräch noch schlimmer hätte machen können. Aber meine Wut verwandelte sich schnell in Traurigkeit.
«Ziehst du ihn mir wirklich vor? Schon wieder? Warum bin ich nie deine erste Wahl? Warum kannst du dich nicht einmal für mich entscheiden?»
Kirishimas Augen wurden ganz trüb und er brauchte ein paar Sekunden, um meine Worte zu verarbeiten. Ich wollte es wirklich, wirklich nicht tun, doch mein Körper handelte, bevor ich es überhaupt wahrnehmen konnte. Schnell trat ich einen Schritt vor, legte die Arme um Kirishima und drückte mich an ihn.
Ich schloss die Augen und vergrub das Gesicht in seiner Halsbeuge. Sein Geruch stieg mir in die Nase und ich bereute sofort, dass ich ihn umarmt hatte. Ich wusste, ich könnte mich nie selbst von ihm lösen. «Entscheide dich für mich», sagte ich, meine Stimme gedämpft von seiner Jacke. «Entscheide dich nur dieses eine Mal für mich.»
Ich machte mir keine Hoffnungen. Ich wusste, dass sich das nicht lohnen würde. Denn ich wusste auch, dass, egal was ich sagte oder machte, ich seine Entscheidung nicht ändern konnte. Und das tat ehrlich gesagt mehr weh als seine Entscheidung selbst. Nach einigen Momenten legte Kirishima seine Arme ebenfalls um mich und drückte mich fest an sich, bevor er sich sanft nach hinten lehnte.
Eine Hand verweilte auf meinem Rücken, während er die andere an meine Wange legte. Seine Finger strichen liebevoll die einzelnen Tränen weg, welche meinen Augen entkamen, was mich nur noch mehr zum Weinen brachte. Er sah mich fest an.
«Ich ziehe ihn dir nicht vor, Bakugou. Ich entscheide mich nur ausnahmsweise für mich selbst.»
Ich wusste nicht, wie ich antworten sollte. Ich bezweifelte, dass ich überhaupt irgendetwas über die Lippen bringen könnte. Kirishimas Blick wurde weicher und meine Knie hätten fast nachgegeben. «Akira hat mich... kaputt gemacht. Selbst wenn ich es wollte, könnte ich dich jetzt gerade nicht lieben. Jedenfalls nicht so, wie du es verdienst.»
Seine Augen tränten, aber er erlaubte es sich nicht, zu weinen. «Es tut mir leid, Bakugou. Es tut mir wirklich leid.» Er zog mich erneut in eine Umarmung. Ich wusste nicht, was mir mehr das Herz brach: dass er das mit uns beendete oder die Art und Weise, wie er sich dafür bei mir entschuldigte.
Wir standen lange einfach nur da, Arm in Arm. Und ich hätte ihn am liebsten nie wieder gehenlassen. Doch irgendwann löste er sich von mir, trat einen Schritt zurück und ich konnte mich nicht davon abhalten, seine Hand zu nehmen. Er entzog sich mir nicht. Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen und ich wusste nicht, ob er mich damit gerade rettete oder alles nur noch schlimmer machte. Kurz räusperte er sich und in seinen Augen schimmerte eine gewisse Unisicherheit. «Ist es...» Er zögerte, fuhr dann jedoch fort.
«Ist es zu egoistisch, dich zu bitten, auf mich zu warten?»
Ich erstarrte. Mein Herz erstarrte. Was hatte er gerade gesagt? Kirishimas Griff um meine Hand wurde fester. «Gib mir den Sommer. Wenn wir dann zur Uni gehen, versuchen wir es noch einmal. Und zwar richtig. Ohne Ablenkung. Nur mit Liebe.»
Konnte man Glück im Unglück haben? Denn das war genau das, was mir gerade passierte. «Ich weiss, das ist ein halbes Jahr. Ich weiss, das ist viel verlangt. Ich weiss das alles.» Er atmete tief durch. «Aber ich will es wirklich versuchen. Denn ich habe dich damals nicht angelogen. Ich will das mit dir, Bakugou.» Er sah mir direkt in die Seele.
«Also, wirst du auf mich warten?»
Ich wusste, dass ich nie im Leben Nein sagen könnte. Also räusperte ich mich und versuchte, vor Freude nicht in Tränen auszubrechen. «Das war gerade ziemlich kitschig, weisst du?» Kirishima lachte leise auf, doch wurde schnell wieder ernst. «Wirst du?» Ich befreite mich aus seinem Griff und umfasste stattdessen sein Gesicht mit beiden Händen.
«Ich würde auch zehn Jahre auf dich warten, Kirishima.»
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My First First Time || KiriBaku
Hayran KurguEs gibt so viele erste Male, und ich erlebte jedes davon mit ihm. Meinen ersten Kuss Meine erste Liebe Und meinen ersten Herzschmerz ~~~~ Warnung: Ich liebe Drama ;) In meiner Geschichte gibt es keine Helden und generell keine Spezialitäten. Sie ge...
