Ich konnte mich nicht bewegen. Was hatte er gerade gesagt? «Wie bitte?» Kirishimas Maske bröckelte und auf einmal sah ich jede seiner Emotionen. Er war wütend, er fühlte sich verraten, er war völlig überfordert. Mir sackte das Herz in die Hose. Ich hätte ihn am liebsten in die Arme geschlossen. Wie konnte jemand nur so grausam zu ihm sein?
«Kirishima.» Ich wagte es, seine Hand zu nehmen. Er entzog sie mir nicht. «Du wolltest das wirklich alles selber erfahren? Nachdem du nur noch mehr Zeit an diesen Idioten verschwendet hättest?» Mein Gegenüber sah mich hilflos an. «Ich...» Er rang nach Worten. «Ich weiss nicht...»
Ich atmete tief durch, um ruhig zu bleiben. Vielleicht würde ich Akira doch umbringen. «Du verdienst das nicht», sagte ich und fuhr mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken. «Du verdienst es nicht, so hintergangen zu werden. Zwei Mal.» Kirishima schloss die Augen. «Tu das nicht», hauchte er.
Ich hatte nicht die Absicht, auf ihn zu hören. «Doch, Kirishima, du musst das hören. Er hat nicht den Mut, zu eurer Liebe zu stehen. Sonst hätte er Hayami nicht eine Sekunde lang von der Seite angesehen. Sonst hätte er um dich gekämpft, anstatt dich zu verlassen.» Meine Stimme war kaum mehr als ein leises Flüstern. Ich wusste, dass ihn diese Worte verletzten, aber er musste endlich die Wahrheit erkennen.
Kirishima schluckte hart, dann zog er behutsam seine Hand aus meinem Griff. «Ich...» Er rang nach Worten. «Ich habe gerade keine Ahnung, was ich fühlen soll. Und was ich machen soll.» Mach mit ihm Schluss. Verlass ihn. Und sei stattdessen mit mir zusammen. Ich hatte nicht den Mut, meine Gedanken laut auszusprechen. Und ich hatte auch nicht den Mut, ihn aufzuhalten, als er sich von mir abwandte und davonlief.
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Der Anzug meines Vaters war mir viel zu gross, aber es war das einzige, was ich hatte und was für so einen Anlass angemessen war. Mit einem tiefen Seufzen trat ich also durch die Tür der Turnhalle und die stickige Luft war wie ein Schlag ins Gesicht. Ugh, ich konnte das Ende des Balles kaum erwarten.
Bevor mich Mina, Sero oder Denki entdecken konnten, mischte ich mich unter die Leute und stellte mich schliesslich in irgendeine Ecke, die nicht einmal das Licht richtig erreichte. Wenn ich schon den ganzen Abend an nichts anderes als an Kirishima denken musste, sollte ich das wenigstens in Ruhe tun können, als von diesen Idioten genervt zu werden.
Der Ball begann mit der Willkommenszeremonie, für welche die Eltern der Schüler anwesend sein durften. Hauptsächlich unnötiges Gelaber darüber, wie erfolgreich die Schule doch war und wie sehr sie die Schüler dazu förderten, später Grossartiges zu erreichen. Ein riesiger Haufen Schwachsinn also.
Etwas weisses weckte meine Aufmerksamkeit und als ich richtig hinsah, erstarrte ich sofort. Da war Akira, an der Seite seines exakten Ebenbildes. Sein Vater hatte die gleichen weissen Haare. Die gleiche viel zu steife Haltung. Und das gleiche kalte Auftreten, wie sein Sohn. Mir fiel das Herz in die Hose und ich wandte mich schnell ab. Nicht an ihn denken, einfach nicht an ihn denken.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Schulleiter die Eltern dazu aufforderte, sich bei ihren Kindern zu verabschieden und uns danach die Freiheit zu lassen, uns ohne sie zu amüsieren. Ich verdrehte die Augen. Endlich. Mit jeder Minute verliessen mehr und mehr Leute die Halle und ich bemerkte erst jetzt, wie schön sie eigentlich dekoriert war.
Von der Decke hingen unzählige Schneeflocken und um die vielen Tische, auf denen Getränke und Snacks standen, war Kunstschnee verteilt. Wer zur Hölle hatte so viel Freizeit gehabt, das alles zu machen? Das musste Stunden gedauert haben.
«Bakugou! Da bist du ja!» Bevor ich reagieren konnte, standen die drei vor mir, denen ich eigentlich aus dem Weg hatte gehen wollen. Ich schnalzte mit der Zunge und verschränkte die Arme vor der Brust. «Ich habe nicht ja gesagt», zischte ich und schenkte allen einen bösen Blick.
Sie liessen sich nicht abschrecken. «Aber nein hast du auch nicht gesagt», entgegnete Mina. Darauf hatte ich kein Comeback. Mit einem strahlenden Lächeln ergriff sie mein Handgelenk und zog mich Richtung Tanzfläche. «Komm schon, lass uns tanzen!»
Ich liess es geschehen. Sero und Denki folgten uns sofort. Minas pinkes Kleid glitzerte in dem Licht und wann immer sie ihre Hüften bewegte, schwang der Stoff mit so einem bezauberten Schwung mit, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte den ganzen Abend zusehen, wie sie tanzte.
Sero und Denki, denen ihre Anzüge perfekt passten, machten es Mina gleich. Sie lachten und sangen und es schien, als ob sie die Zeit ihres Lebens hätten. Und ich wünschte, ich könnte ihre Gefühle teilen. Mich so sorglos von der Musik treiben lassen und nie wieder in die Realität zurückkehren. Aber es ging nicht.
Ich konnte nicht glücklich sein, so wie sie.
Ohne Kirishima...
Sero legte eine Hand auf meinen Arm. «Bakugou, entspann dich. Lass uns eine gute Zeit haben.» Er schenkte mir ein Lächeln und obwohl ich es nicht erwiderte, nickte ich. Ich schwang ein wenig von links nach rechts, richtig tanzen konnte ich sowieso nicht und ich hatte auch gar keine Lust dazu.
Wieder stach mir dieses aufdringliche Weiss ins Auge, aber ich ignorierte es. Ich würde nicht zulassen, dass er mir den ganzen Abend noch mehr versaute. Ich stutzte. Meine Gedanken wanderten sofort zu Kirishima und ich konnte nicht anders, als mich zu wundern, was er wohl gerade machte. Tanzte er auch? Oder hatte er sich in den Toiletten verschanzt?
Ich seufzte. Warum konnte ich nur nicht aufhören, an ihn zu denken? Er hatte meine Hilfe doch sowieso nicht wertgeschätzt. Das war die reinste Qual. Ich fokussierte mich wieder auf Minas Kleid und versuchte, jeden Gedanken an ihn zu verdrängen.
Nach ein paar Lieder wurde die Musik unterbrochen und es gab eine Durchsage, dass nun endlich 'das stattfand, auf das sicherlich viele gewartet hatten'. Ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen, doch als die ersten Noten erklangen, setzte mein Herz einen Schlag aus. Es war ein langsames Lied. Ein langsames Lied, zudem man mit seinem Partner tanzen konnte.
Panisch teilte ich den anderen mit, dass ich mir etwas zu trinken holen gehen würde und verliess die Tanzfläche so schnell wie möglich. Scheisse, darauf war ich weniger vorbereitet gewesen, als ich gedacht hatte. Ich beobachtete die Schüler. Ein paar traten so wie ich auf die Seite, die anderen legten ihre Arme um ihren Partner und fingen an, sich langsam zu der Musik zu bewegen.
Meine Augen wanderten zu meinen Freunden. Mina und Sero lächelten sich schüchtern und mit roten Wangen an, während sie zusammen tanzten. Doch bevor es zu romantisch werden konnte, trennte Denki die beiden und Schluss und endlich tanzten sie zu dritt. Warte, hatte ich sie etwa gerade meine Freunde genannt? Tsk, sie waren Idioten! Idioten und nichts mehr!
Ich atmete erleichtert aus. Wenigstens hatten sie mich ein wenig beruhigt. Anfangs hatte ich Angst gehabt, ich würde– Ich erstarrte, als ich Akira entdeckte. Schon wieder. Ich konnte mich nicht dazu bringen, wegzusehen. Er tanzte ebenfalls, ein breites Grinsen auf seinen Lippen. Ich ballte die Hände zu Fäusten. Am liebsten würde ich ihm dieses Grinsen aus dem Gesicht schlagen.
Ich glaubte, das war das erste Mal, das ich nicht froh darüber war, dass er nicht bei Kirishima war.
Denn er hielt Hayami in seinen Armen, schenkte ihr seine ganze Aufmerksamkeit, sah sie mit einem liebevollen Blick an.
Meine Kehle schnürte sich zusammen. Ich begriff einfach nicht, wie er das tun konnte. Wie konnte er Kirishima nur schon wieder hintergehen? Wie konnte er so herzlos sein? So egoistisch? Ich bekam kaum Luft. Ich musste hier raus. Sofort.
Hektisch stürmte ich zum Hinterausgang und trat nach draussen. Sofort schloss ich die Tür hinter mir und lehnte mich dagegen. Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Viel besser. Hier war es kühl, ruhig und vor allem himmelte es hier nicht von Paaren, die mich praktisch auslachten dafür, dass ich nicht mit Kirishima hier war.
Es dauerte ein paar Momente, bis ich mich beruhigt hatte.
Und es dauerte noch einen Moment länger, um zu bemerken, dass ich nicht alleine war.
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My First First Time || KiriBaku
FanfictionEs gibt so viele erste Male, und ich erlebte jedes davon mit ihm. Meinen ersten Kuss Meine erste Liebe Und meinen ersten Herzschmerz ~~~~ Warnung: Ich liebe Drama ;) In meiner Geschichte gibt es keine Helden und generell keine Spezialitäten. Sie ge...
