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Es war seltsam, Kirishima nur noch von der Ferne zu beobachten. Zuvor war ich mit ihm im Club gewesen oder ich hatte ihn absichtlich ignoriert. Oder es wenigstens versucht. Aber dieses Mal war es ganz anders. Dieses Mal wusste ich, dass das alles vorbeigehen und ich Schluss und endlich an seiner Seite sein würde. Nicht als Schulfreund. Nicht als Ablenkung. Sondern als sein richtiger Freund.

Dieses Wissen war ehrlich gesagt das Einzige, was mir erlaubte, nicht den Verstand zu verlieren. Immer wenn ich ihn vermisste, dachte ich einfach an unsere gemeinsame Zukunft. Und daran, dass diese auch wirklich existierte. Das war das, was mir jedes Mal Schmetterlinge in den Bauch trieb: der Fakt, dass ich mir sicher sein konnte.

Ich musste nur abwarten. Ich musste nur Geduld haben.

Die Monate bis zum Abschluss zogen sich wie Kaugummi. Aber schliesslich war diese Zeit überwunden, die Prüfungen bestanden und dann stand auch schon der letzte Tag vor der Tür. Der Tag unserer Abschlussfeier. Es war das letzte Mal, dass ich ihn sah, bevor ich für Monate von ihm getrennt sein würde. Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Sommer überstehen könnte.

Ich zupfte noch ein letztes Mal an meinem Hemd herum, dann zog ich die Schuhe an, während meine Eltern auf mich warteten. Für meinen Abschluss hatten sie mir einen eigenen Anzug gekauft, damit ich nicht wieder den meines Vaters anziehen musste. Er war weinrot und passte gut zu meinen Augen. Ich konnte mich nicht daran hindern, zu hoffen, mein Aussehen würde Kirishima gefallen.

Auf dem Weg zur Zeremonie redete mein Vater die ganze Zeit davon, wie stolz er auf mich war und wie sehr er sich darüber freute, dass ich bald studieren würde. Aber ich konnte an nichts anderes denken als an Kirishima. Ich wusste, dass er den Grossteil des Sommers in den Philippinen verbringen würde, mehr nicht. Meine Eltern und ich fuhren lediglich für zwei Wochen nach Okinawa, den Rest der Ferien würde ich arbeiten. Und an ihn denken.

Nachdem wir ankamen, gingen wir in die Turnhalle, wo sie Dekorierung und Stühle aufgestellt hatten, und setzten uns. Ich hatte gehofft, in Kirishimas Nähe sein zu können, doch ich konnte ihn nirgends entdecken und gab die Suche schliesslich auf, als der Schuldirektor seine Rede anfing.

Es gab eine Menge Gerede, das so langweilig war, dass ich nicht einmal zuhörte. Irgendwann mussten wir einzeln auf die Bühne, um unser Diplom abzuholen. Und dann war es vorbei. Es war zu Ende. Es fühlte sich so surreal an. Das... war's? Ich würde nach Hause gehen und... niemals wieder zu dieser Schule zurückkehren?

Ich brauchte ein paar Minuten, um das alles zu verarbeiten, dann war es Zeit für Bilder. Sie machten eines nur von mir, eines mit meinen Eltern und eines von der ganzen Klasse. Ich versuchte, Akira so gut es ging zu ignorieren. Doch neben Hass schlich sich auch Bedauern in mein Herz. Wenn er nur nichts mit Kirishima zu tun gehabt hätte oder wenn ich nur niemals diesem Club beigetreten wäre... Ich hatte das Gefühl, wir hätten Freunde werden können.

Sofort verzog ich das Gesicht und sobald das Foto vorbei war und wir uns einzeln von dem Lehrer verabschiedet hatten, machte ich mich auf den Weg zu meinen Eltern. Was war das denn bitte für ein Gedanke gewesen?! Die Art, wie er Kirishima behandelt hatte, wie er mit ihm gespielt hatte, war Aussage genug darüber, was für ein schlechter Mensch er war.

Ich verfluchte noch ein letztes Mal diesen fürchterlich dummen Ausrutscher meines Hirns, als mir pinke Haare ins Auge stachen. Ich drehte meinen Kopf und entdeckte Mina mit Sero und Denki. Einen Moment lang zögerte ich, doch ging schliesslich auf sie zu.

Denki war der erste, der mich entdeckte. «Bakugou! Komm zu uns!» Ich verdrehte die Augen, tat aber, was er gesagt hatte. Als ob ich das nicht so oder so vorgehabt hätte. «Hey», begrüsste ich sie, hielt aber heimlich nach Kirishima Ausschau. Er war nicht bei ihnen? Mina musterte mich für einige Sekunden, dann lächelte sich mich sanft an.

«Kirishima ist nach draussen gegangen», erklärte sie mir und mein Blick wanderte sofort zu den Türen. Ich wollte schon losgehen, hielt dann jedoch inne. Irgendwie fühlte ich mich schlecht. Sero bemerkte mein Zögern. «Ist schon gut, Bakugou. Geh ruhig.» Seine Stimme war warm und freundlich, sodass ich mich nur noch schlechter fühlte, sie einfach stehen zu lassen.

Ich brauchte einen Moment, um mich zu überwinden. «Wenn ihr wollt...» Ich brachte es kaum über die Lippen. «Ich meine, falls ihr Lust habt...» Warum war das nur so verdammt schwierig? Sag es einfach, Bakugou, sag es einfach. «Wir werden uns melden», erlöste mich Mina. «Verlass dich drauf.» Ich schluckte, dann schenkte ich ihnen ein kleines Lächeln, bevor ich die Suche nach Kirishima wieder aufnahm.

Der Wind strich mir angenehm übers Gesicht als ich durch die Türen trat. Kurz schloss ich die Augen und genoss das Gefühl, bevor ich mich wieder meiner eigentlichen Mission erinnerte. Es hatte einige Leute hier draussen, doch es dauerte nicht lange, bis ich die roten Haare entdeckte. Ich konnte mein Grinsen nicht unterdrücken und bahnte mir einen Weg zu ihm.

Ich hätte am liebsten ein Foto von ihm gemacht. Er hatte einen schwarzen Anzug an mit einem roten Hemd und die Haare waren zu einem Zopf gebunden. Er sah so schön aus, dass es mir im Herzen wehtat, ihn die nächsten paar Monate nicht sehen zu können. Schnell verdrängte ich den Gedanken an unsere Trennung und lief zu ihm.

Er war alleine und als er mich sah, führte er mich um die Ecke des Gebäudes. «Hat lange genug gedauert», beklagte er sich als ich ihn erreichte, sah mich aber mit einem Lächeln an. Mein Grinsen wurde breiter, doch es verfiel schnell. Die letzten paar Monate hatte ich nur überlebt, da ich ihn so gut wie jeden Tag gesehen hatte. Im Schulgang oder in der Cafeteria, irgendwo hatte ich ihn immer gefunden. Doch über den Sommer... Ich weigerte mich, diesen Gedanken zu Ende zu führen.

«Es wird sicher schneller vergehen, als du denkst.» Kirishimas Stimme brachte mich zurück in die Gegenwart und ich befreite mich schnell von jeglichen schädlichen Überlegungen. Ich nickte zustimmend, doch sah zu Boden. Das glaubte er doch selbst nicht.

Ich konnte hören, wie er seufzte, dann ergriff er mein Kinn, zog meinen Kopf zu sich und legte seine Lippen auf meine. Ich war so überrascht, dass er sich schon wieder von mir gelöst hatte, bevor ich irgendwie reagieren konnte. Sofort wurden meine Wangen warm. «Was...» In meinem Kopf herrschte pures Chaos und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen.

«Ein kleines Abschiedsgeschenk», flüsterte er, dann zog er seine Hand zurück und trat einen Schritt auf Abstand. Meine Nervosität verwandelte sich sofort in Traurigkeit. «Es ist ja nicht so, als ob wir uns nie wieder sehen würden. Es sind nur drei Monate.» Ich wusste, er versuchte nur, mich zu beruhigen, aber das machte alles nur noch schlimmer.

Ich ballte aus Frust die Hände zu Fäusten. «Drei Monate sind zu lang», nuschelte ich und war mir nicht sicher, ob ich überhaupt wollte, dass er es hörte. Einige Sekunden lang sahen wir uns einfach nur an, dann nahm Kirishima mein Gesicht in beide Hände. Ich schloss die Augen und versuchte, seine Berührung so gut es ging in meine Erinnerung zu brennen.

«Ich komme am Wochenende vor Studienbeginn zurück. Lass uns direkt dann etwas zusammen machen, okay?» Sofort nickte ich, ohne darüber nachzudenken. Ich öffnete die Augen und sah in die seinen. «Ich werde dich vermissen», platzte es aus mir heraus und obwohl ich spüren konnte, wie meine Ohren brannten, war es mir eigentlich gar nicht peinlich. Es war einfach nur die Wahrheit.

Kirishimas Mundwinkel wanderten sofort in die Höhe. «Ich werde dich auch vermissen, Bakugou», hauchte er und küsste mich wieder. Mein Gehirn war zu beschäftigt damit, die Wärme seiner Lippen bestmöglich zu speichern, als dass ich mich irgendwie bewegen konnte. Nachdem er sich wieder zurückgezogen hatte, wollte er etwas sagen, doch wurde durch das Klingeln meines Handys unterbrochen.

Genervt zog ich es hervor und sah, dass es meine Mutter war. Sie fragte sich sicher, wo ich war. Ich lehnte den Anruf ab und verstaute es wieder in meiner Sakkotasche. «Ich muss gehen», erklärte ich. Kirishima nickte und mir stiegen Tränen in die Augen. Das war also der Moment, wo sich unsere Wege trennten...

Der Druck auf meinem Herzen wurde immer schwerer. Nur drei Monate, dachte ich mir. Nur drei Monate. Ich gab Kirishima noch einen letzten Kuss, nur ganz flüchtig, dann drehte ich mich um und eilte davon. Ich wagte es nicht, zurückzublicken, denn ich wusste, wenn ich es täte, könnte ich nicht weitergehen.

Also sah ich stur gerade aus, während ich ihn hinter mir liess.

My First First Time || KiriBakuGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt