Nur Momente nach dem Verschwinden des Kapitäns schossen die feindlichen Ballisten erneut und schickten ihre riesigen Enterhaken auf den Weg. Das Deck erzitterte unter dem Aufprall und wie schon beim letzten Mal zogen sich die Seile sofort fest. Zu Denors linken splitterte das Holz der Reling und der eiserne Haken verschwand mitsamt des Holzes im Blau des Meeres. Verzweifelt versuchten die Seemänner auch das Seil des zweiten Hakens zu trennen, doch der metallene Schaft war lang genug, um ein einfaches durchtrennen zu verhindern. Schließlich gelang es einem der Männer indem er sich gefährlich weit über die Reling lehnte. Beinahe wäre er mit dem Seil ins Meer gestürzt, als der der Enterhaken, von der Spannung des Seils befreit, nach unten sackte. Nur durch die schnelle Reaktion eines Kameraden, der ihn gerade noch zu fassen bekam, blieb ihm dieses Schicksal erspart.
Doch auch der Mut des Seemannes änderte nichts daran, dass ihre Feinde unaufhörlich näher kamen. Nur ein wenig Zeit hatte er ihnen erkauft. Aber auch so dauerte es nicht lange, bis der Kampf begann. Die Jägerschiffe bewiesen eindrucksvoll ihre Schnelligkeit und schossen förmlich auf sie zu. Und so dauerte es nicht lange, bis Denor die Soldaten erkennen konnte, die eifrig damit beschäftigt waren, die Balliste am Bug der Schiffe zu laden, um noch einen weiteren Schuss abfeuern zu können, bevor das Entergefecht begann.
Gebannt beobachtete er die beiden Schiffe, darauf hoffend etwas zu entdecken, dass ihnen zum Sieg verhelfen könnte. Wieder hatten sich alle Soldaten an der Reling versammelt, um einen Sichtschutz für ihre Bogenschützen zu bilden. Sie wenden die gleiche Strategie an, wie das erste Schiff. Er war nicht der einzige, der dies erkannte, auch der Kapitän wies seine Leute bereits an, auf sein Kommando in Deckung zu gehen. Denor ließ ein letztes Mal seinen Blick über ihr Schiff schweifen. Er konnte die Angst der Seemänner förmlich spüren und war froh darüber, nicht in der Haut des Kapitäns zu stecken und ihnen ein Vorbild sein zu müssen. Es wäre ihm wohl kaum gelungen seine Gefühle so gut unter Kontrolle zu behalten, wie der erfahrene Kommandant oder gar Lendoran.
Der Elf stand neben ihm an der Reling, Malin, mit der gleichen vorgetäuschten Entschlossenheit wie Denor, zwischen den beiden Magiern. Die Miene Lendorans zeigte keinerlei Regung, nur die linke Hand krallte sich so fest um den Griff der in der Scheide steckenden Gezeitenklinge, dass die Knöchel weiß hervortraten. Beunruhigt runzelte Denor die Stirn. Was machte dem sonst so beherrschten Elfen so viel Angst, dass er sie so offen zeigte? Er hätte nicht sagen können, was es war, doch er war sich absolut sicher, dass etwas nicht stimmte. Er hat sich ohne Furcht einem Delani entgegengestellt, und das ohne seine Magie oder einer Waffe und bekommt jetzt Panik, weil sie von zwei Schiff angegriffen werden?
Ein eiskalter Schauer rann seinen Rücken hinab, während er hektisch nach einem Grund suchte. Denor war so fixiert darauf, die Schiffe zu beobachten, dass er nicht einmal bemerkte, was direkt neben ihm geschah. Einzig der Wasserstrudel, der sich unter einem der Schiffe bildete, blieb ihm nicht verborgen. Innerhalb von Sekunden wurde er groß genug, um das pfeilschnelle Schiff in eine unfreiwillige Kurve zu zwingen. Abrupt wurde der schmale Rumpf herumgerissen und Denor konnte das Knarzen und Ächzen des Holzes bis auf ihr Schiff hören.
Die Welle der Panik, die sich vorher bereits vor ihm aufgetürmt hatte, brach über ihn herein. Eiskalte Klauen griffen nach seinem Herzen, und drückten es zusammen, als wollten sie es am Schlagen hintern. Seine Atmung beschleunigte sich, doch so viel Sauerstoff er auch in seine Lunge pumpte, die Atemnot blieb. Nur noch verschwommen nahm er war, wie der Wind das querstehende Schiff, welches im Strudel gefangen war, gefährlich weit zur Seite neigte. Schreiend verloren etliche der Soldaten den Halt und fielen in das mit Schaumkronen übersäte Wasser, was sie abrupt zum Schweigen brachte. Nicht einer von ihnen hatte eine Chance mit seinem schweren Kettenhemd wieder an die Oberfläche zu kommen.
Dumpf prallte etwas hinter ihm auf das Deck. Mit zittrigen Beinen, die sein Gewicht kaum noch halten konnten und beide Hände an der Reling, wandte er sich um. Zwei Seemänner waren nur ein paar Schritte hinter den Magier auf dem Deck. Während der eine bereits regungslos auf dem Planken lag, taumelte der andere und stolperte schließlich über seinen Kameraden. Die Hände vor der Brust verschränkt, als wolle er sein Herz vor etwas beschützen, wälzte er sich hin und her. Denor konnte seinen Blick nicht von ihm wenden, bis auch er seinen letzten Atemzug getan hatte.
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Im Bann der Delani
FantasyEin Krieg endet, und ein neuer beginnt. Während die Witwen noch um ihre verstorbenen Ehemänner trauern, ziehen ihre Söhne bereits demselben Schicksal entgegen. Frieden ist nicht mehr als eine Erinnerung in den Köpfen der Menschen, Zwergen und Elfen...
