4. Kapitel - Der Weg zurück

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Als Denor die Augen aufschlug, stand die Sonne wie erwartet bereits im Zenit. Einen Moment blieb er auf dem Rücken liegen und betrachtete den tiefblauen Himmel. Durch die Lücke im Blätterdach, durch die er auch schon während der Nacht geschaut hatte, konnte er nur einen kleinen Ausschnitt sehen, aber darin waren weit und breit keine Wolken auszumachen. Das Wetter war so gut, wie schon lange nicht mehr. Ein Glücksgefühl breitete sich in Denor aus, während er einem grünen Blatt zuschaute, wie es langsam Richtung Boden glitt. Für einen kurzen Augenblick war all der Schrecken des letzen Tages und alle Panikattacken der letzten Nacht vergessen.

Er versuchte den Kopf  zu drehen, um die Umgebung im Tageslicht zu betrachten, aber ein stechender Schmerz im Nacken ließ ihn innehalten. Mit dem Schmerz kehrten auch die Erinnerungen zurück und die schöne Illusion einer heilen Welt brach in sich zusammen, wie ein Kartenhaus bei einem leichten Windstoß. Lendoran! erinnerte er sich und wollte sich, die Schmerzen im Nacken schon wieder vergessen, aufsetzen. Doch auch diesen Versuch gab Denor stöhnend wieder auf. Sein gesamter Körper schmerzte und jeder einzelne Muskel schien verkrampft zu sein. Selbst schuld, wenn ich  auf dem harten Waldboden schlafe, dachte Denor säuerlich. Mit Mühe und purer Willenskraft gelang es ihm, sich auf den Bauch zu drehen und zu einem Baum zu kriechen, um mit schmerzverzerrtem Gesicht in eine halbwegs aufrechte Position zu kommen. 

Mit dem Rücken an den Baum gelehnt betrachtete er die kleine Lichtung, auf der sie übernachtet hatten. Ein paar Schritte von ihm entfernt knabberten die Pferde an dem spärlichen Gras, welches bei dem wenigen Licht, das den Waldboden erreichte, wuchs. Sein Blick wanderte weiter, streifte zuerst die Satteltaschen, welche an einem Baumstumpf lehnten, dann ein Stück Brot, das achtlos im Dreck lag und verharrte schließlich bei dem am Boden liegenden Elfen.  Die Eleganz, die man seinem Volk nachsagte und um die er Lendoran gestern noch beneidet hatte, war nun nicht mehr zu erkennen. Arme und Beine von sich gestreckt lag er auf dem Rücken wie ein Käfer, der nicht wieder auf die Beine kam.

Um den Elfen herum war das schöne Bild der Lichtung durch plattgedrückte Grasbüschel und den aufgewühlten Waldboden zerstört. Ein Kreis des Todes schien sich um ihn herum gebildet zu haben. Er musste trotz der Schmerzen im Bauch lachen, die Vorstellung war  einfach zu lächerlich. Die Spuren kamen von seiner Suche nach einer Verletzung Lendorans, er hatte ihn mehrfach hin und her gewälzt, erinnerte sich Denor. Trotz der beruhigenden Gedanken schloss er kurz seine Augen und tastete schnell nach der Energie des Elfen und stellte mit Erleichterung fest, dass Lendoran noch immer lebte. Auch der lebensrettende Zauber zerrte noch immer an seinen Kräften und versorgte ihn mit Sauerstoff.

Denor belastete probehalber sein rechtes Bein für einen Augenblick und musste feststellen, dass seine verkrampften Muskeln noch immer schmerzten. Frustriert schaute er zu den Pferden herüber. Wie soll ich bloß den ganzen Tag reiten, wenn mir der ganze Körper bei jeder Bewegung wehtut? Er wusste keine Antwort darauf.

Langsam zog er sich, den Baum als Stütze nutzend, auf die Beine und stöhnte auf als seine Waden bei der kleinsten Belastung zu schmerzen anfingen, als würden tausend Nadeln gleichzeitig darauf einstechen. Mit einem unterdrückten Schrei ließ er sich wieder auf den Boden fallen und sein Körper dankte es ihm mit einer weiteren peinigenden Welle des Schmerzes. Schwer atmend saß er wieder in der gleichen Position wie zuvor und wusste noch immer nicht, wie er den Tag überstehen sollte. Er probierte es noch ein weiteres Mal mit seinem linken Bein, doch auch bei diesem Versuch peinigte ihn der Schmerz und er wusste, dass er auf seine Magie zurückgreifen musste, auch wenn er sich seine ohne hin schon angegriffenen Kraftreserven eigentlich für den langen Ritt oder sogar einen Kampf mit weiteren Soldaten aufsparen sollte. Nachdem der Schmerz komplett abgeklungen war wirkte er schnell den einfachen Zauber und eine angenehme Wärme breitete sich in seinen verkrampften Muskeln aus.

Im Bann der DelaniGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt