Ja, ich hatte einen Tumor. Nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, war ich von der Situation etwas überfordert. Zum ersten Mal hatte ich Gedanken an den Tod und Ängste davor. Doch zum ersten Mal fühlte ich mich auch beruhigt, denn ich wusste, dass der Vielschreiber dafür sorgen würde, dass der Rest meines Lebens gut verlaufen würde. Ich zog in mein neues Zuhause.
Cem kaufte ein neues Haus, in dem wir alle zusammen lebten. Zu meinen drei anderen „neuen Brüdern" hatte ich auch Kontakt, und unsere Bindung wurde stärker. Meine Schwester stellte uns ihren Verlobten vor. Furkan war ein wirklich netter Kerl, etwas ein Nerd, aber sehr nett. Das neue Zuhause war schön, und Cem und die anderen taten alles, damit ich mich wohlfühlte.
Kurz nach meiner letzten Kontrolle wurde ich 18. Es fühlte sich komisch an, erwachsen genannt zu werden, wo ich mich selbst innerlich noch wie eine Mischung aus müde und neugierig fühlte. Aber alle machten ein riesiges Ding daraus. Cem organisierte eine kleine Überraschungsparty im Haus, ganz gemütlich, nur wir. Er tat so, als wäre das alles spontan gewesen, aber die Deko sah verdächtig professionell aus.
Mert stand irgendwann neben mir, hielt mir einen Teller Kuchen hin und sagte:
„Du hast's geschafft. Nicht die Party. Alles."
Ich musste lachen. „Du tust so, als wäre ich gerade aus einem Marathon gefallen."
„Bist du ja auch", meinte er und schob mir den Teller in die Hand. „Nur ein anderer."
Er blieb den ganzen Abend in meiner Nähe. Nicht aufdringlich, einfach da. Immer wieder berührten sich unsere Arme, und ich merkte, wie viel sicherer ich mich fühlte, wenn er da war. Es war, als würde sich mein Leben langsam wieder zusammensetzen, Stück für Stück, und Mert hielt die Teile, die wackelten.
An diesem Abend, kurz bevor alle nach oben gingen, blieb ich mit Mert auf der Treppe sitzen. Mein Geburtstagslicht lag noch im Flur, flackernd wie ein kleines Zeichen, dass etwas Neues angefangen hatte.
„Wie fühlt es sich an, 18 zu sein?" fragte er.
Ich zuckte mit den Schultern. „Wie 17. Nur mit mehr Kuchen."
Er grinste. „Und mit weniger Angst."
Ich sah ihn an. Für einen Moment war es still. „Ja", sagte ich. „Weniger Angst."
Und da wusste ich: Egal, wie viel noch vor mir lag — ich würde nicht mehr mit diesem Gefühl leben müssen, dass mir alles jederzeit wegbricht. Ich hatte überlebt. Ich war 18. Und ich war nicht mehr allein.
Nach meinem Geburtstag lief das Leben nicht plötzlich perfekt, aber es bekam eine Richtung. Eine, die sich gut anfühlte. Nicht mehr wie ein Kampf ums Durchhalten, eher wie ein vorsichtiges Wieder-Lernen von normalen Tagen.
Mert und ich verbrachten immer mehr Zeit zusammen. Anfangs sagten wir beide noch, es sei „einfach so passiert", aber irgendwann wussten wir, dass wir uns damit selbst belogen. Er schaute mich oft an, als wolle er irgendwas sagen, sich aber nicht sicher war, wie viel ich gerade vertragen konnte.
Eines Nachmittags saßen wir im Garten, jeder mit einem Glas Tee, und die Sonne hing tief zwischen den Bäumen. Es war einer dieser Tage, an denen alles ruhig wirkte, selbst die Gedanken. Ich zog meine Beine an mich und starrte auf die Grasbüschel zwischen den Steinen.
„Du wirkst anders", sagte er plötzlich.
„Wie anders?"
„Stärker."
Er sagte es so ruhig, dass ich kurz nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte.
„Ich hab einfach keine Lust mehr, Angst zu haben", antwortete ich. „Vor nichts und niemanden."
Er nickte. „Dann passt du ja perfekt zu mir."
„Ach so, du bist angstfrei?", fragte ich und hob eine Augenbraue.
„Nein. Aber ich bin gut darin, so zu tun, als wäre ich es."
Er grinste und stieß mich mit der Schulter an. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich genau deshalb so wohl bei ihm fühlte: Er war nicht perfekt, nicht der Starke-der-alles-kann, sondern jemand, der sich trotz seiner eigenen Unsicherheiten immer wieder an meine Seite stellte.
Als es abends kühler wurde, gingen wir rein. Im Flur blieben wir stehen, einfach so, ohne Grund. Vielleicht, weil zwischen uns gerade etwas hing, das wir beide spürten.
„Talia", sagte er leise.
Ich hob den Blick, und sein Gesicht war näher, als ich erwartet hatte. Nicht zu nah, nur nah genug, um zu wissen, dass das hier kein Zufall war.
„Ich bin froh, dass du da bist", sagte er. „Nach allem."
Normalerweise hätte ich einen Witz gemacht oder irgendwas weggeschoben, aber diesmal nicht.
„Ich auch", flüsterte ich. „Mehr, als du denkst."
Er sah mich an, als hätte er genau darauf gewartet. Keine schnellen Bewegungen, keine Unsicherheit – nur ein ruhiger Abstand, der immer kleiner wurde, bis sein Stirn kurz meine berührte. Kein Kuss. Noch nicht. Aber so nah, dass mein Herz einen Schritt weiter dachte als wir beide.
Und genau so fühlte es sich an: wie ein Anfang, der sich nicht mehr bedroht anfühlte. Ich war gesund. Ich war 18. Ich hatte ein Zuhause, das voller Menschen war, die mich liebten. Und jemand an meiner Seite, der mich wirklich sah.
Ein ruhiges, echtes Glück.
Nicht perfekt. Aber meins.
Und das reichte völlig.
Talia & Mert ❤️
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ᴛᴀʟɪᴀ
RandomTalia ein 15 jähriges Mädchen was mit ihrer Mutter und ihren 5 Brüdern in Berlin lebt. Talia ist ein sehr emotionales Mädchen, sie ist naiv und leich manipulier bar. Sie ist ein Mädchen was immer lacht, Positiv denkt, andaren Menschen hilft. Doch i...
