Kapitel 1

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Hallo, ich bin Talia Sönmez, die Jüngste in der Familie. Ich habe vier ältere Brüder und eine ältere Schwester, aber zu ihr habe ich keinen Kontakt. Für meine Brüder zählt sie nicht mehr zur Familie. Laut meinen Brüdern hat unser Vater uns nach meiner Geburt verlassen. Ab da an hat meine Mutter hart gearbeitet, um sich um uns sechs kleinen Kinder zu kümmern.

Meistens fühle ich mich einsam. Ich bin ein Mensch, der anderen sehr gerne hilft, oder ich formuliere es so. Ich bin das Mädchen, das anderen zuhört, alles macht, aber nie etwas zurückbekommt. Ich bin das Mädchen, das alles für ihre Freunde tut, aber nie das bekommt, was sie getan hat.

Mittwoch (erster Schultag)

Wie immer klingelte mein dämlicher Wecker. Ich schaltete ihn aus und wollte noch eine Minute schlafen. Doch als ich meine Augen öffnete und auf die Uhr schaute, hatten wir schon 07:37 Uhr. „SCHEIßE, ICH HAB DEN BUS VERPASST!", schrie ich wie verrückt.

Ich zog mich schnell um, putzte mir die Zähne und rannte runter, knallte dabei aber gegen meinen ältesten Bruder Cem. „Verpasst", nickte ich nur. „Bin Arbaya geliyom, simdi", sagte er. Ich gab ihm einen Kuss auf die Wange und sagte: „Danke, Abi."

Als mein Bruder auch einstieg, fuhr er sofort zur Schule. Als ich dort ankam, hatten wir 07:56 Uhr, ich hatte also nur noch vier Minuten, um in mein Klassenzimmer zu gelangen.

Ich bedankte mich bei meinem Bruder und rannte so schnell ich konnte in mein Klassenzimmer. Genau um 8 Uhr kam ich an, aber ich bekam keine Luft, da sich mein Klassenzimmer im dritten Stock befand und ich drei Stockwerke hochgerannt war. Die ganze Klasse starrte mich an.

Meine Freundin Lina zog mich zu unserem Sitzplatz, und ich erzählte ihr, was alles passiert war. Doch dann kam unsere Klassenlehrerin.

Nach der Schule machte ich mich auf den Heimweg. Als ich ankam, war niemand zu Hause außer meiner Mutter und meiner Schwester. „Abla", rief ich mit einer glücklichen Stimme. Sie antwortete ebenfalls mit einer glücklichen Stimme: „Talia". Wir umarmten uns und unterhielten uns ein bisschen, bis meine Mutter kam und sagte: „Seda Cem le Ali geliyo" (Seda Cem und Ali kommen). Sie verabschiedete sich von uns und ging dann.

Ich wollte mich gerade auf den Weg zu meinem Zimmer machen, als meine Mutter sagte: „Talia, ich muss dir was sagen".

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