☪ 01.

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Das aufeinander klatschen von Haut dröhnte durch den Wald von Hawkins. Animalisches knurren, was nur entstand, wenn zwei Menschen harten Sex hatten, erfüllte die Lichtung. Genau sichtbar, dass jeder, der sich hier lang verirrt, die beiden Person direkt sehen könnte.
"Oh fuck... Billy"
Es dauerte für ihren Geschmack viel zu lange bis der Schrei, sich endlich im Wald verloren hatte. Billy bewegte sich selber noch ein paar mal in ihr, bevor er sein Sperma in das Kondom abspritze. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Zügen, wobei das Gesicht von der jungen Frau durch tiefen Kummer gezeichnet war. Auch wenn ihr fester Freund Eddie Munson und sie gerade eine Pause einlegten, war es noch lange kein Grund, mit dem größten Arschloch der Schule zu ficken. Und dann auch noch an seinen Wagen gelehnt, mitten im Wald. So schnell wie sie konnte drückte sie den jungen Mann von sich, denn sie vor wenigen Minuten noch in sich spüren wollte. Wütend auf sich selber, zog sie mit aller Kraft ihre Unterhose und ihre Jeans hoch.
Billy, der mittlerweile selber mit anziehen beschäftigt war, schaute ihr zu und brachte nur ein spöttisches Lachen über seine Lippen. Er war völlig auf seine Kosten gekommen, jetzt wollte er sie nur noch los werden, und zwar so schnell wie möglich.
"Steig ein, ich fahre dich zum Trailerpark.", seine Stimme, die heute in der Schule voller Wärme und Zuneigung war, wurde jetzt von Kälte und Desinteresse nur so durchflutet.
So schnell wie sie konnte, rutschte sie im Auto auf den Beifahrer Sitzt und blickte demonstrativ aus dem Fenster.
Stumm lief ihr eine Träne über die Wange, als sie daran dachte, dass sie gerade jede Chance mit ihrer großen Liebe versaut hat. Immerhin war sie mit Eddie schon fast fünf Jahre zusammen. Fünf wundervolle Jahre, die angefühlt voller verrückter Erinnerungen waren.
Während die Welt an ihrem Fenster in einem Tempo vorbeiflog, dass ihr klar war, wie viel zu schnell Billy fahren musste, wünschte sie sich nichts sehnlicher als zu sterben. Selbst wenn es neben dem größten Kotzbrocken der Welt passierte und auf die Gefahr hin, dass jeder wusste, was genau sie mit Billy draußen im Wald getrieben hatte.
"Trailerpark richtig?"
Seine Stimme sorgte dafür, dass sie aufschreckte und zu ihm blickte. Stumm nickte sie, was er mit einem kurzen Seitenblick zu ihr quittierte.
"Arrogante Fotze."
Auch wenn er die Worte nur so vor sich hin murmelte, konnte Wina sie deutlich hören. Normalerweise hätte sie ihn jetzt angeschrien, ihm gesagt was für ein abgefucktes Arschloch Bill Hargrove doch ist, wie sehr sie ihn hasste, doch gerade sprach er genau aus, was sie über sich dachte. Wie sehr sie es verdient hatte, so genannt zu werden. Deswegen drehte sie sich einfach nur stumm wieder zum Fenster und ließ weiter die trostlose Gegend von Hawkins über sich ergehen, die sie einfach nur hinter sich lassen möchte.

Erst als Billy, mit quietschenden Reifen, genau hinter dem Van von Eddie zum Stehen kam, schien sie erst wieder auf ihre Starre zu erwachen. Sie blinzelte ein paar Mal, bevor sie augenblicklich zurück in der realen Welt war.
"Wir sehen uns morgen in der Schule." , ihre Worte, mit einem halbherzigen Lächeln an Billy, sollten so normal wie möglich wirken. Immerhin lag ihr fast immer ein Lächeln auf den Lippen, was selbst die Trennung nicht veränderte. Zumindest fast, denn seitdem war es ein Lächeln, was nicht mehr ihre grünen Augen erreichte.
So schnell sie konnte stieg sie aus dem Auto aus, warf die Tür fiel zu laut ins Schloss und versuchte möglichst bald in den kleinen Trailer zu kommen, denn sie nur mit ihrer älteren Schwester bewohnte. Dabei achtete sie peinlichst genau, keinen Blick in Richtung des Munson Zuhause zu werfen. Immerhin wollte sie weder Eddie noch seine neue Schlampe sehen. Das würde ihr den Rest geben, um sich endgültig zum Opfer ihrer Gefühle zu machen.
Nicht mal als Billy, mit aufheulenden Motor das Weite suchte, ließ sie von ihrem Ziel abweichen.

"Hey Wi"
erst ihr Spitzname, ließ sie zusammen zucken. Auch wenn es nicht von dem Mann kam, nach dem sich ihr Herz sehnte, hätte sie den Besitz unter tausenden anderen Menschen erkannt. Mit einem möglichst unbekümmerten Lächeln drehte sie sich zu dem Besitzer der Stimme um und hob grüßend eine Hand.
"Hey Gareth..."
Der Rest ihrer Worte erstarb sofort auf ihren Lippen, als sie in die braunen Augen von Eddie blickte. Normalerweise waren sie immer voller Wärme und sahen aus wie geschmolzene Schokolade, doch dieses Mal funkelten sie wütend.
"Du hast es gerade mal 3 Tage ausgehalten, ohne dich von Billy ficken zu lassen. Das scheint der neue Schlampen-Rekord zu sein."
Hastig schnellte der Blick von der jungen Frau wieder nach vorne, bevor einer von beiden ihre wütende Tränen sehen konnte, die über ihr Gesicht liefen. Immerhin wusste sie, dass Eddie sie mit Chrissy betrogen hat. Ihrer einzigen Freundin an der Hawkins Schule. Ihre einzige Freundin außerhalb des Hellfire Clubs. Wahrscheinlich sogar der einzige Mensch, der bis auf Eddie und ihrer Schwester, ihr wirklich am Herzen lag.

Wütend schlug nicht nur hinter ihr, sondern auch hinter Eddie die Tür des jeweiligen Trailers zu. Eddie war einfach nur aufgebracht, wenn er an den Streit von letztem Wochenende zurückdachte. Dabei fiel ihm immer noch schwer zu begreifen, was genau er eigentlich falsch gemacht hatte, nicht wissend, dass auch Wina innerlich immer wieder den Streit abrief und sich fragte, wo sie falsch abgebogen war. Keiner von beiden wollte wirklich eine Beziehungspause. Sie wollten einander in den Arm halten und sich einfach küssen. Doch für beide war es in weite Ferne gerutscht.

"Verdammt Eddie, ich weiß, was du getan hast.", ihre Stimme anklagend, in einem Ton den Eddie noch nie von ihr gehört hatte. Verzweifelt streckte er die Arme nach Wina aus, die Frau, die er nach seinem Abschluss heiraten wollte, als er merkte, dass sie weinte.
"W ich bitte dich, was weißt du?"
Er merkte, wie ihm selbst die Tränen in die Augen krochen, sodass er heftig blinzeln musste, um sie bloß nicht zu weinen. Auch wenn Eddie keine Angst vor seinen Gefühlen hatte, wollte er nicht weinend zusammen brechen. Einer von beiden brauchte einen kühlen Kopf. Und für gewöhnlich musste er ihn haben. Jedes Mal brach Wina in Tränen aus, weil sie ständig nah am Wasser gebaut war.
Wütend schlug sie seine Hände weg und trat einen großen Schritt zurück, dass sich der Türgriff des alten Vans in den Rücken drückte.
"Warum hast du das getan, Eddie? Ich dachte, du und ich sind ein Ding. Was echtes richtiges. Etwas für immer. Du hast davon gesprochen, mich zu heiraten, hier wegzugehen. Eine Familie zu gründen. War das alles nur ein Spiel für dich? War ich nur eine dämliche Figur, wie du sie gerne bei deinen kleinen Spielen einbringt?"
Die Wut, die noch in dem Gesicht von Wina gelegen hat, wich augenblicklich tiefer Trauer. Auch wenn Eddie wusste, er sollte ihr nicht noch näher kommen, musste er es doch tun. Sein Herz zerriss in seiner Brust, während er verzweifelt in seinem Gedächtnis kramte, was genau in den letzten achtundvierzig Stunden, in denen sie sich nicht gesehen hatten passiert war.
Immerhin war sie vorgestern nach dem Auftritt von ihm und seiner Band noch bei ihm geblieben. Hatten sich angetrunken geliebt, so wie sie es immer nach einem Auftritt von ihm taten, auch wenn sie es beide tatsächlich bis im Bett geschafft hatten und nicht schon im Van übereinander hergefallen waren, wie so oft.
Eigentlich lief alles gut. Beide sollten dieses Jahr ihren Abschluss schaffen. Selbst Eddie strengte sich zum ersten Mal an, weil er wusste, ohne seine Wina würde die Schule die Hölle werden. Zudem wollte er vorbereitet sein, wenn sie ein Stipendium für eine Uni bekam und in einen anderen Bundesstaat zog. Immerhin war 
Mount Saint Mary's schon immer ihre Traum-Uni gewesen und Eddie würde den Teufel tun, dass sie alleine irgendwohin ziehen musste.
"Babe, was weißt du?", seine Stimme blieb ruhig und gelassen, während er wieder seine Arme nach ihr ausstreckte. Auch wenn er genau sehen konnte, wie sie ihre Hand erhob, konnte er nicht begreifen, was sie tat, bis er den Schmerz der Ohrfeige auf seiner Haut spürte.
Mit einer Mischung aus Wut, Überraschung, Trauer und Schmerz taumelte er zurück, während sie sich mit Angst in den Augen entfernte.

"Was sollte das verdammt Wina?"
Jetzt klang die Stimme von Eddie für keinen von beiden mehr ruhig. Der Zorn war deutlich herauszuhören und es vergingen eine Sekunde, bis sich einer von beiden wieder rührte.
"Ok, wenn du es mir nicht sagen willst, hat das ganze hier keinen Sinn mehr."

Die Worte, die definitiv von Eddie kamen, hörten sich für ihn fremd an. Er wollte sie nicht verlassen. Dafür war das ganze viel zu wertvoll. Wütend rieß Wina ihre Arme Richtung Himmel und strich sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Fick dich, Eddie Munson."
Empört stapfte sie in die Richtung ihres Zuhause, während Eddie ihr stumm hinterherblickte, unfähig mit dem geschehenden halbwegs klarzukommen.


Wina brach direkt hinter der geschlossenen Tür zusammen, dankbar dafür, dass ihre Schwester immer noch im Dinner arbeiten musste, wo sie wahrscheinlich wieder eine Doppelschicht einlegte. Ungebremst liefen die Tränen über ihr Gesicht, während sie in Selbsthass zerfloss. Billy machte sie keine Vorwürfe. Immerhin hatte sie ihn benutzt, um das zu bekommen, was sie wollte. Dass es ihr dabei am Ende nur schaden würde, war ihr erst hinterher klar geworden.
Eddie brach nicht in Tränen aus, auch wenn er es am liebsten getan hatte. Mit schnellen Schritten eilte er zum Kühlschrank, um sich ein Bier zu holen, was er augenblicklich öffnete und in ein paar Schlucken hinunterwürgte, bevor er sich mit einem breiten Lächeln zu den restlichen Mitgliedern des Hellfire Club umdrehte.
"Ok Wina ist raus", er machte keine Pause, um seinen Freunden gar nicht die Möglichkeit zu geben nach dem Grund zu fragen. Immerhin war es nicht die erste Pause, die die beiden einlegte. Das kam immer mal wieder vor, doch niemals war einer von beiden draußen. Sie blieben immer gute Freunde, die auch in den Pausen herumalberten, so als ob es nie eine echte Trennung gegeben hätte.
"Ich werde sie aus der Kampagne streichen. Und ich will sie nicht mehr bei uns am Tisch sitzen haben, wenn wir Mittagessen. Ich will sie überhaupt nirgendwo mehr haben, wo wir sind."
Dustin erhob sich leicht, um die wenigen Schritte zu Eddie zu eilen, falls sein großes Vorbild doch noch in Tränen ausbrach. Doch entgegen, der Befüchturng der anderen war es schallendes Gelächter, was aus Eddie Mund kam, bevor er mühsam ein "Sie fickt Hargrove." heraus brachte.
Seine nächsten Schritte trugen ihn in sein Zimmer, wo er weinend auf seinem Bett zusammen brach. Dabei war es ihm völlig egal, was die anderen dachten oder was sie genau hörten.
Zum ersten Mal in seinem Leben, dachte Eddie Munson darüber nach, wie leicht das sterben wohl ist, weil selbst die wenigen Tage ohne Wina für ihn die Hölle auf Erden waren.

𝕿𝖗𝖆𝖎𝖙𝖔𝖗 (𝕭𝖎𝖑𝖑𝖞 𝕳𝖆𝖗𝖌𝖗𝖔𝖛𝖊 / 𝕰𝖉𝖉𝖎𝖊 𝕸𝖚𝖓𝖘𝖔𝖓)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt