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Wütend schob Eddie, Chrissy von sich.
"Was soll die scheiße?", die Stimme von Eddie war viel zu laut. Sofort trat Chrissy einen Schritt zurück und ihre Augen blitzend verletzt auf.
"Halt dich von mir fern. Verdammt Chrissy. Ich bin hier, weil ich dich bitten wollte, mit Wina zu sprechen. Bist du völlig durchgeknallt, Jesus."
Immer noch wütend wand Eddie sich ab, er wollte einfach nur weg von hier.
Eigentlich hätte ihm klar sein müssen, wie durchgeknallt gerade die Cheerleader waren.
Während er wütend zu seinem Van stiefelte, dachte er kurz an Gareth und seine Affäre mit dem einen Cheerleader. Wie sie hieß, war Eddie schon wieder entfallen. Es war ja auch nicht so, dass sie jemals ein nettes Wort mit ihm oder einem seiner Freunde in der Schule gewechselt hatte.
Sie beleidigte die Jungs vom Hellfire Club nicht, machte sich aber regelmäßig über Wina lustig.
Als er in seinem Van saß, fraß sich die Wut noch immer durch seinen Körper. Er startete seine Wagen und selbst dass Metallica aus seiner Anlage ihm entgegenschrie, ließ ihn nicht ruhiger werden. Er umklammerte beim Fahren, das Lenkrad so stark, dass seine Fingerknöchel weiß heraustraten. Er hasste sich selber dafür, dass er überhaupt zu Chrissy gefahren ist.
Viel zu rasant führte ihm sein Weg zurück zum Trailerpark, auf dem er mit quietschenden Reifen zum Stehen kam.
Als sein Blick aber die blauen Camaro von Billy erblickten, legte er direkt wieder den Rückwärtsgang ein. Ihn und Wina jetzt zu sehen, hätte nur zu Folge gehabt, dass er ein blaues Auge bekommt.
Er hatte sich wegen Wina schon zu weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt zählte nur noch sein Abschluss und aus diesem verfluchten Ort zu verschwinden. Entweder mit Wina an seiner Seite oder nicht.

Sein Weg führte ihn unwillkürlich zum Lover Lake. Von Wina kam er deutlich öfter mit seinem Fahrrad her, immer dann, wenn er seine Ruhe vor der Welt haben wollte. Dann trat Wina in sein Leben und zum ersten Mal, war er wirklich glücklich.
Auch wenn er schon öfters in Beziehungspausen mit anderen Frauen getroffen hatte, war er immer zu Wina zurückgekehrt, die jedes Mal das ganze weglächelte.
Zum ersten Mal kam Eddie in den Sinn, dass er sie jedes Mal verletzt haben könnte, wenn er abends betrunken mit einer Frau das Hideout verließ.
Wina ließ es sich auch in den Beziehungspausen nicht nehmen, jeden Dienstag ins Hideout zu kommen und Corroded Coffin anzufeuern. Jedes Mal tanzte sie sich die Seele aus dem Leib und es haute Eddie aufs neue um. Heimlich verglich er Wina immer mit einer Göttin. Woraufhin es ihn noch mehr schmerzte, wenn er nicht von der Bühne springen konnte, um sie zu küssen.
Innerlich fühlte er sich so, als würde er sterben, vor Sehnsucht.
Was dafür sorgte, dass Eddie jedes Mal tief ins Glas blickte. Was wiederum dazu führte, dass er eine Frau abschleppte, an die er sich am nächsten Tag nicht erinnern konnte.
"Du bist so ein Arschloch, Eddie Munson.", es half Eddie seine Gedanken laut auszusprechen.
Wütend trat er gegen einen Stein, doch es reichte nicht mal ansatzweise, um diese Selbsterkenntnis zu verarbeiten.

Sich die Seele aus dem Leib schreiend, auf und ab hüpfend, sich selbst an den Haaren ziehend, verschaffte ihm endlich die Befriedigung, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
Verschwitzt und völlig erschöpft, ließ er sich auf den Boden fallen.
Tränen der Wut und Enttäuschung füllten seine Augen. Grob wischte Eddie sich mit dem Ärmel seiner Lederjacke über sein Gesicht.
Auch wenn ihm hier noch niemand begegnet war, verunsicherten ihm die Tränen etwas. Er wollte so von niemanden gesehen werden. Selbst Wina und seinen Onkel Wayne hatte er immer weggeschickt, wenn er in seinem kleinen Zimmer stumme Tränen weinte, was sehr selten vorkam.
Sobald sich eine neue Träne aus seinen Außen schlich, erwischte sie das gleiche Schicksal wie seine Vorgänger.
Eddie wollte nicht an diesen blöden See sitzen und weinen. Er wusste, was ihm helfen würde, Drogen. Für einen kurzen Moment, dachte er an die Pillen, die er verticke, verwarf den Gedanken aber sofort. Dealer, die sich bei ihrem eigenen Zeug bedienten, hatten selbst für Dealer Verhältnisse kaum noch Glück in ihren Leben. Er brauchte die einzige Droge, die er sich erlaubte, Alkohol. Und das würde er im Hideout bekommen, der Ort der so viele gute als auch schlechte Erinnerungen bereithielt, wie kein anderer.

Als er die Kneipe betrat, nickte ihm der Barkeeper nur zu. Hier fragte niemand nach seinem Alter und Eddie war zutiefst dankbar dafür.
"Wo hast du Wina gelassen?", die Stimme von Barkeeper war freundlich.
Zu seiner Schande musste er zugeben, dass er sich auch nicht an seinen Namen erinnern konnte. Normalerweise flüsterte Wina ihm zu, wer heute hinter der Bar stand.
Eddie versuchte die Kneipe zu meiden, wenn er nicht gerade hier auftrat und an den Abenden hatte er nur seine Musik im Kopf und nichts anderes.
Bevor er antwortete, setzte er das Glas Bier an und stürzte so viel wie er konnte runter.
"Keine Ahnung. Eventuell auf Hargrove drauf." Eddie versuchte möglichst gelassen zu klingeln, so als ob einen Witz machte.
Doch jeder, der sich mindestens einmal mit ihm unterhalten hatte, konnte die Verbitterung aus seiner Stimme heraus hören.
"Das tut mir leid für dich junge." mit seinen Worten bekam, Eddie nicht nur ein neues Bier, sondern auch einen kleinen Shot zugeschoben.
"Sie war schon echt was Besonderes."
Eddie nickte nur. Er hasste es, dass alle ihn darauf hinwiesen, was er verloren hatte. Sein Onkel, der Hellfire Club und jetzt auch noch hier.
Er stürzte auch den Shot herunter, dabei war ihm egal was sich genau in dem kleinen Gefäß befand, sein Ziel war schnell möglichst so viel Alkohol in seinen Körper zu bekommen, wie er konnte. Suchend ging sein Blick durch die wenigen Menschen, die sich jetzt schon am späten Nachmittag eines Sonntages hierhin verirrt haben.
Eddie fiel niemanden ins Auge der hier nicht hingehörte, bis auf ihm selber waren nur die üblichen Säufer von Hawking hier drin versammelt. Selbst wenn er eine heiße Frau in sein Blickfeld gefallen wäre, hätte Eddie keine Lust auf flirten gehabt.

Für das zweite Bier ließ Eddie sich mehr Zeit. Er wollte so lange wie möglich hier verbringen, damit er beim nach Hause kommen, nicht schon wieder den Wagen von Billy erblicken muss oder noch schlimmer Billy.
Betrübt starrte er in sein Bier und Erinnerungen schoben sich in sein Unterbewusstsein.
Die Momente, in denen Wina vor der Bühne stand und wild zur Musik tanzte. Wie sie als einzige im Raum in wilden Jubel und Applaus ausbracht, sobald sie einen Song beendet hatten. Kurz verzogen sich Eddie Lippen zu einem lächeln.

Sehr spät kommt Eddie mit seinem Van, viel zu schnell und eigentlich zu betrunken um zu fahren, am Trailerpark an.
Sein Blick gleitet zum Trailer von Wina. Das Auto von Billy steht nicht mehr bevor.
"Ach scheiß darauf" die Stimme hört sich für Eddie viel zu laut an, obwohl er eigentlich nur flüstert.
Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, taumelt er auf den Trailer zu und steuert direkt auf das Fenster an, hinter dem sich das kleine Zimmer von Wina verbirgt.
Das Fenster steht offen und leise Musik, die eigentlich um zwei Uhr morgens schon lange aus sein sollte, dringt aus dem Zimmer.
Wieder legt sich ein leichtes Grinsen auf sein Gesicht.
Vorsichtig klettert er durch das kleine Fenster, was er schon tausend Mal gemacht hat. Wina, die an ihren kleinen Schreibtisch sitzt, zuckt nicht mal. Sie ist viel zu tief in das Blatt vor sich vertieft.
Erst als Eddie ihre Schulter berührt, fährt sie mit einem Schrei zu ihm herum.

Hey ihr lieben, heute bin ich zum ersten und wahrscheinlich auch zum letzten Mal im Home-Office (und das als Erzieherin). Zur Feier dieses kleinen Ereignisses gibt es ein Kapitel aus der Reihe.

𝕿𝖗𝖆𝖎𝖙𝖔𝖗 (𝕭𝖎𝖑𝖑𝖞 𝕳𝖆𝖗𝖌𝖗𝖔𝖛𝖊 / 𝕰𝖉𝖉𝖎𝖊 𝕸𝖚𝖓𝖘𝖔𝖓)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt