☪ 34

33 6 0
                                        

Lachend drückte Wina Eddie an sich. Es hatte ewig gedauert, die Musikinstrumente und seine Freunde nach Hause zu schaffen, doch endlich waren beide alleine in seinem Zimmer. Dieses war genauso zugemüllt, wie Wina es von ihm gewohnt war.

Das Gefühl von Eddies nackter Haut auf ihrer eigenen war wohl eines der schönsten Gefühle aller Zeiten für sie. Wie seine Wärme auf sie überging und langsam alles in ihr aufzutaute schien. Eddie blickte zu ihr herunter und streichelte zärtlich durch ihre Haare. Sein Blick glitt von ihrem Gesicht kurz zu ihren Brüsten, bevor er wieder zurückkehrte.

"Du solltest schlafen", sagte er.

Winas Blick zuckte zu ihm hoch. Sie wusste ganz genau, dass er recht hatte, doch sie wollte nicht schlafen. Sie genoss diesen Moment gerade so sehr, dass sie nicht einmal daran dachte, der Müdigkeit nachzugeben.

"Seit wann bist du so verdammt vernünftig, Munson?", fragte sie und beide fingen gleichzeitig an zu lachen. Eddie versenkte sein Gesicht in ihre Haare und sog ihren Duft förmlich in sich auf.

"Weil wir unseren Abschluss machen wollen. Und dann, Baby, verschwinden wir von hier. Ich sehe dir zu, wie du ans College gehst, Karriere machst, mich heiratest und für den Rest deines Lebens glücklich bist", sagte Eddie.

Wina lachte noch mehr, doch gleichzeitig blickte sie wieder zu Eddie hoch. "Du bist ein durchgeknallter Spinner, Edward Munson."

"Und du bist die Liebe meines Lebens", erwiderte er.

Mit diesen Worten trat Stille im kleinen Zimmer ein, und Eddie lauschte den Atemzügen von Wina, während sie langsam in den Schlaf driftete.

Am nächsten Morgen wachte Wina vom Wecker auf, und Eddie hatte sie immer noch umklammert. Seine Haare kitzelten sie an der Nase, und durch das Niesen, was sie nicht vermeiden konnte, riss Eddie die Augen auf. Für einen kurzen Moment spannte er sich an, aber als er sie erblickte, entspannte er sich wieder. Das Lächeln, das seit gestern kaum seine Lippen verlassen hatte, lag jetzt schon wieder auf seinem Gesicht. Selbst dass er jetzt aufstehen musste, um zur Schule zu fahren, konnte sie nicht zerstören.

Erst als Eddie wieder im Unterricht saß, hatte das Grinsen sein Gesicht verlassen. Jetzt war er eher gelangweilt, während der Stoff für die Abschlussprüfung, die nächste Woche starten würde, erneut durchgekaut wurde. Zum ersten Mal in seinem Leben war er gelangweilt, weil er den Stoff bereits kannte, und nicht, weil er ihn einfach nicht interessierte. Die zusätzlichen Lerneinheiten, die er immer wieder einschob, raubten ihm zwar viel Zeit, brachten ihn aber auch seinem Abschluss näher.

Eine Aufregung durchzuckte seinen Körper. Bald konnte er wirklich frei sein von all dem hier und endlich sein Glück versuchen. Sein Blick glitt zu Wina herüber, die konzentriert auf ihrer Unterlippe herum biss, während sie alles aufschrieb, was der Lehrer erzählte. Dabei wusste Eddie ganz genau, dass sie es genauso wenig nötig hatte wie er. Sie war intelligent und fleißig, und ihr Abschluss stand außer Frage. Aber sie wollte es genauso wie er. Sie wollten zusammen weg von hier, die Welt erkunden, neue Abenteuer erleben.

Die Schulglocke läutete, und der Unterricht endete. Eddie packte seine Sachen zusammen und ging zu Wina, die bereits auf ihn wartete.

"Hey, wie war der Unterricht?", fragte er sie, während sie sich auf den Weg zum nächsten Klassenzimmer machten.

"Langweilig, wie immer", antwortete Wina und verdrehte die Augen. "Aber ich weiß, dass es sein muss, um unseren Plan umzusetzen."

Lachend zog Eddie Wina an sich, um ihr mitten im Flur einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Dass ihm dabei jemand hart anrempelte, störte ihn nicht. Wina zog sich mit rot brennenden Wangen von ihm zurück.

"Also, wie sieht es am Wochenende aus?"

Verwundert zog Wina die Augenbraue hoch. "Ich dachte, wir leihen uns Filme aus und verbringen den Tag bei euch auf dem Sofa."

Etwas verlegen rieb Eddie sich am Nacken. "Das klingt super, aber am Wochenende ist hier dieses Ding in der Schule, und ich dachte, vielleicht willst du hin."

Wina blieb stehen, und ihr klappte der Mund auf. "Warte, du, Edward Munson, willst mich gerade auf dem Abschlussball einladen?"

Genervt zog Eddie seine Schultern hoch. "Vergiss es einfach." Bevor sie etwas erwidern konnte, war Eddie im Strom der Schüler untergetaucht, und sie konnte ihm nur hinterherstarren.

Als auch endlich die letzte Schulstunde vorbei war und Wina den Parkplatz betrat, stand der Van nicht mehr dort. Eigentlich war ihr bewusst gewesen, dass Eddie nicht da sein würde, nachdem er auch nicht zur letzten Stunde aufgetaucht war.

Die nächsten zwei Stunden stapfte Wina durch die Straßen von Hawkins, und mit jedem Schritt, den sie machte, wurde sie wütender. Obwohl genau genommen stimmte das nicht. Sie wurde erst wirklich wütend, als Billy mit seinem Wagen neben ihr hielt und sie belaberte, einzusteigen.

Eigentlich hätte sich Wina gerne nach Hause fahren lassen, doch wenn sie noch einmal aus dem Wagen von Billy gestiegen wäre, hätte es nur den nächsten großen Streit gegeben. Aktuell wollte sie das einfach vermeiden.

Als Wina schließlich mit schmerzenden Füßen den Trailer der Munsons ausmachen konnte, stand natürlich kein Van vor der Tür, und auch Eddie, der sich entschuldigen wollte, war nicht da. Stattdessen lehnte Billys Camaro rauchend an seinem Wagen und grinste sie an.

"Ich habe doch gesagt, ich will mit dir reden."

Genervt schloss Wina für einen kurzen Moment die Augen. Das hier war gerade alles zu viel für sie. Die Situation mit Eddie und dazu noch Billy, der hier stand. Trotzdem setzte sie sich auf seine Motorhaube und streckte verlangend die Hand aus.

Billy beugte sich für einen Moment misstrauisch vor, reichte ihr dann aber seine Zigarette und zündete sich eine neue an.

"Also, worüber willst du reden?"

Billy atmete tief ein, bevor er anfing zu sprechen. Dabei blickte er in die weite Ferne und warf ihr keinen Blick zu.

"Ich war ein verdammtes Arschloch. Also nicht nur dir gegenüber. Auch Max und vielleicht sogar Eddie gegenüber."

Wina blieb still, während sie an ihrer Zigarette zog. Ihm zuzuhören bedeutete ihr viel, doch sie spürte, dass Billy noch nicht fertig war.

"Und solltest du immer noch nach Kalifornien wollen, kann ich dich mitnehmen. Nur wenn du willst."

Wina lachte, warf achtlos die Zigarette weg und trat sie aus.

"Vielleicht komme ich darauf zurück. Man sieht sich."

Billy nickte ihr noch einmal zu, bevor er sich in sein Auto setzte. Wina hörte erst, wie er sich laut dröhnend entfernte, nachdem sie die Tür ihres Trailers hinter sich geschlossen hatte.

𝕿𝖗𝖆𝖎𝖙𝖔𝖗 (𝕭𝖎𝖑𝖑𝖞 𝕳𝖆𝖗𝖌𝖗𝖔𝖛𝖊 / 𝕰𝖉𝖉𝖎𝖊 𝕸𝖚𝖓𝖘𝖔𝖓)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt