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Den ganzen Tag sah Wina schon auf heißen Kohlen im Unterricht, während die Zeit nur vor sich hin zu tröpfeln schien. Ihr Blick glitt immer wieder rüber zur Eddie, der ausnahmsweise fleißig im Unterricht mitschrieb. Wina konnte es kaum erwarten, ihn und seine Energie wieder auf der Bühne zu spüren. Ein verträumtes Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus, während Gareth ihr in die Seite pikste.
"Du starrst Wina."
Ihr Blick glitt zu Gareth herüber, der seinen Kopf auf seine linke Faust stützte.
Ein breites Grinsen lag in seinem Gesicht und sobald sich ihre Augen trafen, fingen beide an zu kichern.
Eddie wirft den beiden verstohlene Seitenblicke zu. Früher hat er es geliebt, dass sich Gareth und sie fast so nah waren wie er und Gareth, doch heute betrachtet er ihm zum ersten Mal als Konkurrenz. Ihm war schon heute Morgen im Van aufgefallen, wie beide immer wieder die Köpfe zusammen steckten um zu tuscheln. Der Knoten, der sich heute Morgen schon in seinem Bauch gemeldet hatte, traf ihn wieder mit voller Kraft. Auch wenn ihm klar war, dass die beiden sich wieder völlig normal verhielten, stach es ihn.
Alleine der Gedanke seine Freundin jetzt an seinen besten Freund zu verlieren ließ ihn schlecht werden.

Den restlichen Schultag über spürte Eddie eine gewisse Anspannung, die er nur schwer abschütteln konnte. Als die Glocke endlich läutete, packte er seine Sachen zusammen und verließ das Klassenzimmer eilig. Er konnte förmlich den Drang nach einer Zigarette spüren, diesen kleinen Moment der Flucht, um sich zu beruhigen. Dabei bemerkte er kaum, dass Wina und Gareth ihm folgten, ihre verwunderten Blicke jedoch nicht ignorieren konnten.
Auf dem Parkplatz angekommen, zündete Eddie seine Zigarette an und atmete den Rauch tief ein, während er versuchte, seine Gedanken zu sortieren. Der Rauch stieg in die Luft auf und schien seine innere Unruhe mit sich zu tragen. Eddie versuchte, sich selbst einzureden, dass die Gefühle, die er gerade empfand, irrational waren. Er wusste, dass Wina und Gareth lediglich enge Freunde waren und dass seine Eifersucht keinen wirklichen Grund hatte.
Doch trotzdem konnte er die Bilder nicht aus seinem Kopf verbannen – die Momente, in denen er Wina und Gareth erwischt hatte, wie sie sich leise unterhielten und lachten. Ein kleiner Stich durchzuckte sein Herz jedes Mal, wenn er sich vorstellte, dass sie Dinge miteinander teilten, die er nicht unbedingt verstehen konnte.

Wina bemerkte Eddies Anspannung, und obwohl sie verwirrt war, entschied sie sich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen. Sie spürte, dass er Zeit für sich brauchte, um sich zu sammeln. Doch ihr Blick suchte immer wieder den von Gareth, der neben ihr stand, ein spitzbübisches Lächeln auf den Lippen.
Gareth bemerkte Winas Aufmerksamkeit und folgte ihrem Blick zu Eddie. Er wusste, dass etwas nicht stimmte, aber er konnte nur vermuten, was genau es war. Die Beziehung zwischen den Dreien war komplex – eine Mischung aus Freundschaft, Musik und einer langen Geschichte. Doch er ahnte nicht, dass Eddie sich plötzlich von ihm bedroht fühlte.

Eddie drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus und starrte in die Ferne, während er versuchte, seinen Ärger und seine Unsicherheit in den Griff zu bekommen. Ein Kampf tobte in ihm zwischen Vertrauen und Zweifel, während seine Gedanken unaufhörlich kreisten.

Die Sonne neigte sich langsam dem Horizont zu, und die Schatten auf dem Parkplatz wurden länger. Zwischen Eddie, Wina und Gareth lag eine unsichtbare Spannung, die etwas völlig Neues war.
Eddie atmete noch einmal tief ein, bevor er sich mit einem breiten Grinsen zu den beiden umdrehten.
"Soll ich euch noch mitnehmen?"
Verwundert hob Wina eine Augenbraue nach oben, immerhin wohnte sie ja fast neben Eddie. Verlegen biss sie sich auf die Lippe, während Gareth einfach auf seinen besten Freund zuging.
"Alles gut bei dir, Mann?"
Eddie spannte deutlich seinen Kiefer an, während Gareth mit ihm sprach. So zuversichtlich wie möglich nickte Eddie und machte beiden deutlich einzusteigen.

Im Auto war die Stimmung zwischen den dreien noch immer angespannt, während Dio so ohrenbetäubend aus den Boxen klang, dass niemand dagegen hätte anschreien können.
Wina saß zwischen ihren beiden engsten Freunden der Welt eingeklemmt und piddelte an einem Stück loser Haut an ihrer linken Hand. Die Stimmung war so unerträglich, dass sie Gareth nur einmal stumm zu nickte, als Eddie ihn endlich befreite.
Erst jetzt traute sich Wina wieder zu Eddie zu blicken. Sein Kiefer war noch immer unnatürlich angespannt, was dafür sorgte, dass es ihr kalt den Rücken herunterlief. Zögerlich streckte sie ihre Hand aus, um die Musik leiser zu drehen.
Die Hand von Eddie schnellte nach vorne und drückte schmerzhaft ihr Handgelenk.
"Eddie, du tust mir weh."
Der Aufschrei und der Protest von Wina kamen nicht gegen die Musik an, wodurch sich Eddie nicht zurückzog.

Eddie ließ nach einigen Sekunden los, wobei er von selber die Musik leiser drehte.
"Was soll das, Eddie? Warum hast du mich so angepackt?", fragte Wina mit Tränen in den Augen, wobei sich ihre Stimme zwischen Verwirrung und Verletzung bewegte. Die Musik war inzwischen fast unhörbar geworden, aber die Spannung im Auto war nach wie vor greifbar.
Eddie seufzte und lehnte sich gegen das Lenkrad. "Es tut mir leid, okay? Es ist einfach... kompliziert."
Genervt ließ sich Wina in ihren Sitz fallen. Diese Seite von Eddie konnte sie jetzt schon nicht leiden, auch wenn er erst ein paar Sekunden so war.
"Ich finde es auch kompliziert nicht zu wissen, wo wir beide stehen oder was wir sind."
Eddie bremste abrupt ab und zog mit den Wagen an den Seitenstreifen. Noch einmal schloss er kurz die Augen, bevor er sich wieder zu Wina wandte. Auch in seinen Augen glitzerten Tränen, aus Angst, was nun alles passieren konnte.
"Ich weiß, dass unser letzter Versuch nicht gut ausgegangen ist. Aber wenn du es auch willst, würde ich es gerne nochmal versuchen. Verdammt ich liebe dich noch immer Wina. Kein einziger Tag ist vergangen, an dem ich nicht bereut habe, dass es so passiert ist. Ich kann aber auch verstehen, wenn du es lieber mit jemand anderen versuchen möchtest. Wirklich ich verstehe das, gerade weil Gareth..."
Wina, auf deren Gesicht sich bei Eddies Redeschwall ein Grinsen gebildet hatte, konnte nicht anders als laut loszulachen. Sich vorzustellen, Gareth überhaupt zu küssen, fühlte sich für sie absolut grausam an.
"Edward Munson, du bist wohl der größte Dummkopf, den ich jemals getroffen habe."
Noch immer lachend, zog sie den verdutzten Eddie an sich und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.

"Noch immer lachend, zog sie den verdutzten Eddie an sich und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen

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𝕿𝖗𝖆𝖎𝖙𝖔𝖗 (𝕭𝖎𝖑𝖑𝖞 𝕳𝖆𝖗𝖌𝖗𝖔𝖛𝖊 / 𝕰𝖉𝖉𝖎𝖊 𝕸𝖚𝖓𝖘𝖔𝖓)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt