Am nächsten Morgen wurde ich von einem brüllenden Soko wach. Er schien sich drinnen mit Yusuf zu streiten. Ich streckte mich und sah, dass Baris oberkörperfrei neben mir lag. Er lag auf dem Bauch und hatte sein Gesicht von mir weggedreht. Mein Körper war nur von Glücksgefühlen überladen. Ich schmiegte mich an seinen breiten Rücken und verteilte kleine Küsse auf seinem riesigen Raben-Tattoo. Auch Baris wurde langsam wach und gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Er war absolut kein Morgenmensch. Ich hatte auch das Gefühl, als hätte er sehr unruhig geschlafen. Andauernd hat er sich bewegt und ist ein paar Mal raus um eine Zigarette zu rauchen. Bei unserem letztem Treffen, hatte er nie das Verlangen gehabt, seinen Schlaf zu unterbrechen, um eine Kippe zu rauchen. Eine kurze Kuscheleinheit später, stand er auf und zog sich seine Hose an. Er meinte er würde mal die Situation drinnen "abchecken". Ich grinste ihn zufrieden an und vergrub mein Gesicht nochmal in dem nach "ihm riechenden" Bett. Ich würde niemals genug von ihm bekommen. Die Nächte mit ihm waren unbeschreiblich. Seine Wärme, die Nähe, sein Herzschlag. Er fühlte sich wie mein zuhause an. Apropos, mein Zuhause. Auch wenn ich hier sehr glücklich war, hatte ich immer ein schlechtes Gewissen. In mir herrschte einfach eine Unruhe, die ich nicht beschreiben konnte. Die Art und Weise wie ich meine Familie zurückgelassen hatte, wurde mir allmählich zur Last. Mir kam immer der letzte Gesichtsausdruck meiner Mutter in den Kopf. Erst nach einer gewissen Zeit, nachdem die Wut nachgelassen hat, merkt man meistens wie falsch man gehandelt hatte. Auf meinen Vater war ich immer noch unglaublich wütend, keine Frage. Er hätte sich nicht so in mein Leben einmischen dürfen. Trotzdem fehlte mir meine Familie in bestimmten Momenten, das merkte ich seitdem ich in München wohnte und jetzt erst recht. Mir kam auch Esma oft in den Sinn. Wir hatten wieder, so gut wie gar keinen Kontakt mehr. Zuletzt hatten wir uns im Winter kurz nach meiner Rückkehr gesprochen, aber nie über alles. Langsam kam es mir so vor, als ob wir wie fremde für einander wurden und das war leider bei weitem nicht ihre Schuld.
Baris riss mich aus meinen Gedanken und meinte wir würden jetzt frühstücken. Er war etwas verwirrt als er mich dabei erwischte wie ich stumm aus dem Fenster schaute und nachdachte, doch er bohrte nicht weiter nach.
Wenn Soko eines drauf hatte, dann auf jeden Fall kochen. Alles was er zubereitete schmeckte himmlisch. Ich fragte mich wo er es gelernt hatte, bei seiner Mutter vielleicht? Nach dem wir gefrühstückt und aufgeräumt hatten, gingen wir nacheinander duschen. Danach zogen wir uns frische Sachen an und verließen die Wohnung. Die zwei Jungs trennten sich von uns, da Sie heute den ganzen Tag am Strand verbringen wollten. Sie boten uns an mitzukommen, doch Baris lehnte ab. Hatte er etwas geplant?
Nach dem Baris sich neue Zigaretten vom Kiosk besorgt und direkt zwei hintereinander angezündet hatte, liefen wir weiter zur seiner Arbeitsstelle. Seit gestern Abend konnte er sein Handy nicht mehr finden, er ging davon aus, dass er es in der Bar vergessen hatte. In der Bar angekommen, liefen uns paar seiner Arbeitskollegen entgegen und grüßten uns freundlich. Es schien so als hätten Sie die Frühschicht und würden die Bar für die Nacht "vorbereiten". Baris fand sein Handy glücklicherweise hinter dem Tresen und ließ es dann in der Hosentasche verschwinden. Auch Memati war da. Er rief uns zu sich auf die Terrasse und meinte wir sollen uns zu ihm setzten. Ich konnte Memati nicht wirklich einschätzen, da er nicht viel redete. Immer nur dann wenn es brenzlich wurde. Doch trotzdem hatte ich großen Respekt vor ihm. Er war ein kleiner Mann, ca. 60 Jahre alt und hatte genau so wie Baris zur jeder Zeit eine Kippe in der Hand. Sein Kleidungsstil war relativ bescheiden und meistens trug er eine Baskenmütze dazu. Mir fiel erst jetzt auf, dass er absolut nicht in das Profil eines "Bar-Besitzers" passte. Wir setzten uns zu dem alten Mann und keiner sprach für eine kurze Weile. Auch Baris schien großen Respekt vor ihm zu haben, das signalisierte mir seine angespannte Haltung, so war er sonst neben niemandem.
M: "So Junge, ich habe gehört, dass hier gestern Nacht was los war."
Sagte Memati und zog an seiner Kippe. Ich schielte kurz zu Baris rüber, der wenig beeindruckt mit den Augen rollte und mit seinem Feuerzeug rumspielte.
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Meine Welt mit Dir
Romance„Gedankenverloren saß ich auf irgendeiner Stadtbank und spürte wie meine lauwarmen Tränen meine Wangen runter rollten. Meine Nase brannte und mein Kopf war ganz heiß. Mein Magen drehte sich 10 mal um sich selbst und mein Herz schlug schon gar nicht...
