Achtzehn

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Nachdem er von mir abgelassen hatte, sah er mich nur grinsend an. Ich war wie erstarrt und sah ihn geschockt entgegen. Was verdammt nochmal, war das denn jetzt? Immer noch völlig überrumpelt sah ich ihm dabei zu, wie er sich umdrehte und mich dann stehen ließ. Auch wenn ich in diesem Moment ihm am liebsten erneut meinen Drink gegen den Kopf geworfen hätte, konnte ich nicht anders als mich erschöpft auf den Barhocker fallen zu lassen.

 
>> alles in Ordnung? <<, ertönte die tiefe Stimme eines meiner Bodyguards. Ohne ihm zu antworten, rannte ich hinaus in die Dunkelheit. Denn nachdem der Schock nachgelassen hatte, kam eine Übelkeit in mir auf, die ich nicht länger zurückhalten konnte. Alles, was an diesem Abend passiert war, konnte und wollte ich nicht verarbeiten.

 
Dass ich deswegen nur stumm aus dem Fenster gesehen hatte, als ich wieder nach Hause gebracht wurde, erklärte einiges. Zuhause wollte ich nichts sehnlicher als Duschen zu gehen und meinen Mund auszuwaschen. Dass Papa nicht da war, kam mir zugute, denn so konnte ich nach einer heißen Dusche komplett verwirrt in mein Bett fallen.
Vor Erschöpfung schlief ich schnell ein und wachte auch erst am nächsten Morgen wieder auf.

Es waren bereits zwei Wochen vergangen, an denen ich allein im Anwesen wohnte und darauf wartete auf Papa oder Enrico zu treffen. Doch niemand der beiden hatte sich in den letzten Tagen hier blicken lassen. Dass ich somit entschied, auch wieder an dem Unterricht für mein Abitur teilzunehmen, war eine semimäßige Entscheidung, die ich getroffen hatte.

Während ich immer noch Enrico hinterher trauerte, das Trauma des einen Abends versuchte zu verarbeiten und mich auf meine nächste Aufgabe vorzubereiten, war genug stress, da hatte ich kaum noch Kraft bis abends über plausible Philosophie Fragen zu diskutieren. Trotz alldem hielt ich meinen Trainingsplan ein und versuchte auch weiter mit Dori zu trainieren, um sie bei meinem nächsten Schritt mitnehmen zu können.

 
Nach einer weiteren Woche, hörte ich endlich die Haustür laut ins Schloss fallen. Hastig lief ich die Treppenstufen hinunter und erkannte dann Papa im Flur. Ohne vorher darüber nachzudenken, fiel ich ihm um den Hals, weil wir so lang noch nie getrennt waren. Doch er nahm meinen Freudengruß nur halbherzig wahr und verschwand dann kurzdarauf in sein Büro.

Also entschloss ich Papa und mir unseren Lieblingstee zu kochen, um mit ihm endlich über den besagten Abend plaudern zu können.

Doch als ich mit dem Tablett, auf dem unsere noch dampfenden Tassen sich befanden, in sein Büro kam und zwei mir bekannte Gesichter nebeneinanderstehen sah, viel mir das Tablet samt heißen Teetassen aus den Händen. Das laute klirren nahm ich nur halb wahr, weil das Piepen auf meinen Ohren alles übertönte.

 
>> gut, dass du hier bist, Liebling, ich muss mit dir über etwas wichtiges reden. <<, sprach Papa ernst und ignorierte dabei völlig die Sauerei, die ich veranstaltet hatte. Doch mein Blick lag nur auf den zwei Gesichtern, die nebeneinander viel zu gleich aussahen. Das kann nicht wahr sein?! Wieso um alles in der Welt, ist mir das nicht vorher aufgefallen?

 
Sobald seine giftgrünen Augen meine fanden, sah ich die Enttäuschung. Dass sich mein Herz überschlug und meine Hände anfingen zu zittern, ignorierte ich. Denn der Fakt, dass Enrico und Marco nebeneinander in dem Büro von Papa standen, brachte genügend Unruhe in mir auf.

Mir vielen sofort die gleichen Gesichtszüge auf, die identische Haltung und der verdammt gleiche Blick. Schluckend stand ich immer noch stumm da und sah die beiden an, als wären sie das Ende der Welt. Denn so fühlte es sich an hintergangen zu werden. Sie waren verdammt nochmal Brüder und haben mich alle hintergangen. Sie alle drei haben mich angelogen und betrogen. Wie konnte ich nur so Blind und naiv sein?

 
Während ein Stück meiner Lebensfreude verloren ging, spürte ich auch wie mein Herz noch weiter einriss, weil Enrico mich am meisten angelogen hatte. Ausgerechnet der idiot, für den ich alles getan hatte. Umso mehr schmerzte es in seine vertrauten Augen zu sehen und zu wissen, dass all das nur gelogen war. Alles, was er mir erzählt hatte, war gelogen. Dass er mir meine Jungfräulichkeit genommen hatte, war also nur, damit es realistischer rüberkam?! So eklig und benutzt hatte ich mich noch nie gefühlt, weil ich einen Menschen noch nie so nah an mich herangelassen hatte, wie ich es bei Enrico getan hatte. 

Und jetzt verstand ich es. 

Ich verstand alles und doch nichts, weil in meinem Kopf Chaos herrschte.  



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U.C_Shawty

DeepLoveWo Geschichten leben. Entdecke jetzt