Siebzehn

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Mit eleganten Schritten steuerte ich die Bar an. Meine Zielperson hatte ich schon seit längerem im Blick, doch zuvor hatte sich noch kein richtiger Zeitpunkt geboten. Da er jetzt allein dort war, nutze ich den Moment und gesellte mich unauffällig zu ihm.
>> einen Scotch bitte <<, sprach ich zu dem Barkeeper, der mich für meinen Geschmack etwas zu lange gemustert hatte. Das dabei auch der Blick von Marco auf mich viel, passte mir mal wieder zu gut.

Langsam glitten meine Augen in seine Richtung. Als wäre ich nichts Besonderes, schweifte sein Blick wieder ab. Dann wurde mir mein Scotch vor die Nase gestellt, den ich mit einem Grinsen auf den Lippen anhob. Der erste Schluck war widerlich, doch was muss das muss. Auffallen wollte ich hier sicher nicht.

 
>> ich kenne dich <<, fing ich die Konversation an. Kurz wanderte sein Blick zu mir, dabei zog er eine Augenbraue hoch. Es war die Rechte, genau die, die auch Enrico immer hochzog. Am liebsten würde ich den Kopf schütteln, damit er endlich aus meinen Gedanken verschwand. Anstatt zu antworten richtete er sein Blick auf seinen Drink, den er fest umgriff. Sein schwarzes Haar fiel ihm dabei ein wenig ins Gesicht. Während er mit seinem Bart, deutlich älter aussah, verhielt er sich dafür jedoch nicht so.

 
Am liebsten hätte ich ihn durchgeschüttelt damit er mich nicht behandelt, als wäre ich irgendein Fan, der ihn ansprach. Doch das würde nur meinen Plan ruinieren und mich somit nach England verfrachten.

>> es wird viel über dich geredet <<, sprach ich weiter und hoffte so eine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Als er seinen Blick wieder auf mich richtete, fanden sich unsere Augen. Ein angenehmer Grünton stach mir entgegen, was seinen schwarzen Anzug nur noch mehr zur Geltung brachte.

>> denke, was du willst über mich, die Meinung ist deine, die Realität ist meine <<, sprach er Ausdruckslos. Ich konnte rein Garnichts in seinem Gesicht erkennen. Wieso war er so ein Eisklotz? Gott das macht mich echt Wahnsinnig.

>> du denkst auch dir wird die Welt zu Füßen gelegt, stimmts? <<, fragte ich ihn ehrlich und mit etwas Zorn in der Stimme. Ausdruckslos flogen seine Augen erneut zu mir, während er einen heftigen Zug von seiner Kippe nahm. Dann erschien ein verdammt heißes grinsen auf seinen Lippen. Automatisch zog ich skeptisch eine Augenbraue in die Höhe. Diesen Kerl muss erst einer mal verstehen!

 
>> ach Beauty, wiese nimmst du nicht deinen Drink und verschwindest wieder? <<, erwiderte er gelassen. Sein grinsen verflog und anstatt irgendwas zu erwidern, griff ich trotzig nach meinem Glas und kippte ihm die braune Flüssigkeit direkt in sein Gesicht.

>> Idiot. <<, murrte ich und floh dann aus dem Club. Ich spürte den penetranten Blick auf mir, was mich schmunzeln ließ. Während wildes Stimmengewirr umher ging, lief ich geradeswegs hinaus. Ich gebe ihm zwei Stunden. Solange Zeit hatte er, um mich zu finden, sonst blase ich den ganzen Scheiß wieder ab.

Draußen stieg ich in die Limousine ein und ließ mich zu dem unbekanntesten Club bringen. Wird Zeit, dass wir die Spielregeln ändern. Dass ich vielleicht mit meiner Theorie auch massiv daneben liegen könnte, zeigt sich in den nächsten zwei Stunden.

Denn während ich mit meinem Drink an der Bar, des unbekanntesten Clubs saß und die Minuten zählte, spürte ich ständig den Blick von Enrico auf mir. Dass ich jedoch meine erste Aufgabe erfolgreich gemeistert hatte, fiel mir erst jetzt ein. Somit wählte ich die Nummer von Papa. Es dauerte keine zwei Sekunden, da nahm er auch schon ab.

 
>> Julina? Alles in Ordnung? <<, fragte er alarmiert. >> ich habe die erste Aufgabe erfolgreich gemeistert. Sieh in den Nachrichten nach, dort wird mein Auftritt gleich gezeigt. Ich habe gesehen wie viele meinen Abgang gefilmt hatten. <<, erwiderte ich stolz und legte dann auf. Mehr Informationen darf ich hier nicht preisgeben. Somit griff ich nach dem Drink und spürte kurze Zeit später jemanden hinter mir stehen.

 
>>, dass ging ja schnell. Na, wie viele Clubs hast du nach mir abgesucht? <<, sprach ich neckend. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass sich Marco hinter mir befand. Denn seine Aura spürte ich schon in zehn Kilometer Entfernung. Also drehte ich mich elegant auf meinem Barhocker um und sah ihn mit trockenem Haar und neuem Anzug vor mir stehen.

 
>> ach Mensch, die Nassen Haare sahen an dir so heiß aus <<, erzählte ich weiter, als hätte ich ihm eben nicht die peinlichste Situation ever verschehrt. Doch auch nach der Anmerkung stand er nur da und blickte mich stumm an. Sein Blick war aufdringlich und so verdammt ernst, dass es mir eine Gänsehaut bescherte. >> hast du immer so eine große Klappe Julina? <<, murrte er. Mit einem Mal ließ ich beinahe meine Maske fallen, weil er mich so überrumpelt hatte. Somit strich ich mir durch mein Haar, selbstverständlich mit meiner rechten Hand und räusperte mich dann. Dass er seine Augen zugekniffen und anschließend seine Hände in seiner Anzughose verschwunden lassen hatte, ließ mich noch nervöser werden.

 
>> ich glaube du verwechselst mich hübscher. Denn mein Name ist ...<<, wollte ich anfangen, wurde dann aber unterbrochen. >> ich kenne deinen Namen. Nein warte, ich weiß jeden noch so kleinen Scheiß über dich. Auch dass dich dein Daddy seit Sieben Jahren in eurem Anwesen einsperrt und nun als Auftragsgeisel arrangiert hat, um meine Geschäfte zu zerstören. Ach, und weißt du, was ich noch weiß...<<, stellte er wütend klar. Dann kam er einen Schritt näher und beugte sich so nah an mein Ohr vor, dass ich sein Atem spüren konnte. >>, dass du mit deinem Trainer gefickt hast. <<, beendete er seine Rede und stellte sich dann wieder aufrecht vor mir. Dass mir sämtliche Züge aus dem Gesicht gewichen sind und ich mich plötzlich so verdammt hintergangen fühlte, machte die ganze Sache nur noch schwieriger. Dennoch kramte ich nach meinem ganzen Mut und erhob mich von meinem Hocker. Ich stand direkt vor ihm und bemerkte erst, als ich meinen Kopf in den Nacken legte, dass er um einiges größer als ich war. Mit meinem Finger pikste ich gegen seine Harte Brust.

 
>> ich glaube du bist gewaltig auf den Kopf gefallen. Denn all das, was du da erzählst, ist zwar spannend, hat aber rein gar nichts mit mir und meinem Leben zu tun. Aber weißt du, was ich weiß? <<, sprach ich ernst. Währenddessen drückte ich immer wieder meinen Zeigefinger gegen seine Brust, um mein Worten etwas mehr Druck zu verschaffen. Fragend hob er eine Augenbraue, was mich aufforderte weiterzusprechen.

 
>>, dass du so krank bist und irgendein armes Mädchen beschatten lässt. Außerdem sehe ich in dir ein kleinen Armen Junge, der von seiner Familie nicht geliebt wird und deswegen in allen anderen das schlechte sucht. Denn wüsstest du, wer ich wirklich bin, hättest du niemals den mumm mich hier so anzumachen und mir dann Sachen vorzuwerfen, die ich verdammt nochmal nicht erlebt habe. Also entweder siehst du endlich ein, dass du ein verdammtes Arschloch bist oder aber du...<<, schrie ich ihn an. Dass seine Hand dabei jedoch an meinen Nacken glitt und mich mit einem Ruck zu sich zog, ließ mich unterbrechen. Mit einem Mal spürte ich seine weichen Lippen auf meinen. In diesem Moment war ich so überrumpelt, dass ich ihn weder von mir stieß noch den Kuss erwiderte. Ich stand einfach da und ließ es über mich ergehen. Ich hatte keine Selbstkontrolle mehr, weil mich sein Wissen so aus dem Konzept gebracht hatte. Dass er mich dann einfach so hier und vor allem in so einer heftigen Auseinandersetzung küsste, raubte mir den Atem. 

Eins muss man dem Idioten lassen, auf den richtigen Zeitpunkt wartet er nicht, er nimmt sich ihn einfach und macht ihn zum richtigen.  



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In liebe U.C_Shawty

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