69. Kapitel

61 6 3
                                        

Seine Lippen trafen auf meine. Ungezwungen. Unkontrolliert. Die hellen Spitzen seine Haare strichen zart die Haut meiner Wange. Mit seiner rechten Hand verstärkte er den Druck seiner Lippen auf meinen. Wie ein heftiger Tsunami schlugen sie auf mich ein. Zogen mich förmlich mit in den Abgrund. Ich drohte zu ertrinken unter den Wellen die er auf mich entlud. Sie stürzten auf mich herab. Ich wagte es nicht zu atmen, viel eher konnte ich es nicht.

Ich krallte mich an sein rechtes Handgelenk, welches meinen Hinterkopf drückte. Würde er nicht noch immer auf mir sitzen, würde ich meine Beine anwinkeln. Krampfhaft suchte ich nach eine Luftblase in diesem tiefen endlosen Meer. Vergebens. In diesem Meer gab es keine Luft. Nur seine Lippen auf meinen.

Auch wenn ich es am liebsten leugnen möchte. Ich kann es nicht. Ich liebe das Gefühl wie er küsst. Diese Bestimmtheit, Stärke und Dominanz mit dem Hauch von seinem zum dahinschmelzenden Geruch von Vanille und Zimt. Wie jemand so gut wie ein Nachtisch riechen kann ist mir schleierhaft und in diesem Moment auch nicht relevant.

Mein Herz überschlug. Oder klopfte es überhaupt noch? Mein Hirn arbeitete nicht. Ich war wie auf Standby oder doch eher Error?

Als ich wohl meine Gegenwehr einschränkte, was ich gar nicht so mitbekam, wanderte seine rechte Hand von meinem Hinterkopf meinen Hals sachte hinunter und meine linke Seite entlang. Tausend kleine Nadelstiche wanderten seinen Berührungen hinterher.

Ethan's große warme Hand schob sich wie in Zeitlupe unter mein Oberteil. Wo noch lauter kleiner Nadelstiche waren, gab es jetzt nur lodernde Flammen. Als der nächste Gänsehautschauer sich anbahnte schnappte ich nach Luft, was gleich ausgenutzt wurde. Der Druck unserer Münder verstärkte sich und während ich nach Luft rang teilte er meinen Mund. Ich spürte ihn in meinem Mund. Er schmeckte genauso wie er roch. Süßlich. Wie eine zuckersüße Versuchung. Wie etwas was nicht sein darf.

Warte...

Als wieder ein paar Hirnzellen begannen zu arbeiten, nachdem sie wieder etwas mit Sauerstoff versorgt wurden, wurde mir die Situation erst so richtig bewusst.

Ich begann wieder meinen Widerstand. Ich zappelte unter ihm, was er nach kurzer Zeit auch bemerkte. Ethan löste sich etwas von mir und sah verwirrt zu mir hinunter. Mein Blick wanderte zu seinen leicht geschwollenen Lippen die leicht offen standen.

Fuck... Sah ich auch so aus?!?

Eine Weile sahen wir uns stumm an. Außer Atem, unfähig auch nur was zu sagen.

''Runter von mir.'', entkam es mir so leise wie ein Flüstern.

Er sah mich weiterhin an. Aber jetzt wirkte sein Blick etwas... verletzt?

Sein verdutztes Verhalten nutzte ich aus und stemmte mich mit aller Kraft gegen seine Brust. Entweder er rechnete nicht damit oder er leistete von sich aus keinen Widerstand. Ich schob ihn von mir worauf er auf der Matratze landete und mich keines Blickes würdigte. Ich stand auf und sah ihn noch einmal an. Sitzend, mit seinen hellen Strähnen ihm Gesicht ohne mir dabei ins Gesicht zu schauen.

Wusste ich's doch.

Mit schnellen Schritte ging ich ins Bad und knallte die Tür hinter mir zu. Mit rasendem Herzen schloss ich die Tür zu und rutschte, an der Wand, hinunter bis ich mit den Händen vor meinem Gesicht auf dem Boden saß.

Das letzte was ich hörte war das knallen der Eingangstür.

——————————————————————————————————————————————
Ein etwas dramatischeres Kapitel, aber jede Geschichte braucht ein Hauch von Dramatik. ^^

Verbunden mit dirWo Geschichten leben. Entdecke jetzt