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Mit zittrigen Beinen betrat ich meine Wohnung. Der Geruch von einem Sommerregen versetzte mir ein schwungvolles Gefühl. Meine Haut pulsierte dort, wo Ethan mich berührte. Ich musste an seine blauen Augen denken, die so geleuchtet hatten.

"Und Morgen ist das Wetter etwas milder, allerdings mit einer großen Wahrscheinlichkeit von einem Regen."

Ich horchte auf. Es war die Stimme von einem Mann. Nur klang sie seltsam. Irgendwie hohl, dumpf.
Sie kam von meinem Fernseher. Doch ich hatte die Fernbedienung heute nicht angerührt.
Mit langsamen Schritten ging ich den Flur entlang Richtung Wohnzimmer, ohne den Schatten zu bemerken, der im Schlafzimmer auf meinem Bett saß.

Jemand saß auf meinem Sofa. Ich hörte, wie die Person sich auf dem Sofa bewegte. Anscheinend veränderte sie die Position.

"Geh ins Schlafzimmer, Menschlein." Quint.

Meine Adern froren ein. Mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass ich nirgends mehr sicher war. Ich drehte mich um und wollte loslaufen, doch dann:

"Oh, und Menschlein? Denk ja nicht daran, wegzulaufen, sonst komme ich dir hinterher und fessle dich."

Ich schluckte. "Ähm, klar", krächzte ich. Ich entfernte mich vom Wohnzimmer und sah zur Wohnungstür. Sollte ich es trotzdem versuchen?
"Was habe ich vorhin gesagt?", hörte man Quint vom Wohnzimmer sagen.

Ich verfluchte den Gedanken und ging weiter zu meinem Schlafzimmer. Die Türe öffnete sich quietschend. Jemand saß auf meinem Bett. Die Person war groß, hatte mir den Rücken zugewandt und schaute aus dem Fenster. Mein Atem stockte.
"Was wollt Ihr?", fragte ich leise.
Lynx stand auf, drehte sich aber nicht zu mir um. Er steckte die Hände in seine Hosentaschen.
"Dich."
"Mich? Warum mich?"
Nun drehte er sich doch zu mir um und hielt für einen Moment inne. Ich konnte seine Augen sehen, seine Augen, die mich in den Bann zogen. Sie machten alles dunkel, alles. Ich sah nichts mehr als Lynx' Goldaugen.

"Weil du es bist, die uns helfen kann."
Ich musste mich auf das Bett setzen.
"Ich glaube nicht, dass ich euch helfen kann."
"Nein, du glaubst, dass du uns nicht helfen willst."
"Das ist nicht wahr." Ich stand wieder auf.

Lynx sah mich von oben bis unten an. Prüfte mich, ob ich die Wahrheit sagte oder nicht. Dann kam er näher. Ich tat nichts, als er vor mir stand. Ich musste den Kopf leicht etwas nach oben heben, um in Lynx' Augen zu sehen.

Zitternd hob er die eine Hand. Er sah etwas nervös aus. Ich verspürte eine leichte Unruhe, ließ mir aber nichts anmerken. Er strich mir durch die Haare, es kribbelte wie verrückt.

"Deine größte Angst ist es doch, den Mörder deiner Eltern zu sehen, oder?", fragte er leise. Seine Stimme war tief und klang bedrückt.
Ich nickte.

"Ich weiß weder, wie sie gestorben sind oder wann sie starben. Ich weiß nur, dass Jemand dafür sorgte, dass die Beiden nicht mehr nach Hause kamen." Meine Stimme war ruhig.

Lynx nickte. Er trat einen Schritt zurück und presste die Lippen aufeinander.
Ich wurde wieder unruhig. Nicht, weil Lynx sich von mir distanzierte.

"Wo ist Prim?"
"Bei deiner Freundin."

Oh mein Gott. Ich musste sofort los zu Lori. Wer wusste, was mit ihr passierte? Ich sah sie schon vor mir, wie sie hilflos am Boden lag, querschnittgelähmt, wie sie verhungerte und starb.
Ich machte Anstalten zu gehen, doch Quint, der das Zimmer betrat, versperrte mir den Weg. Er blickte auf das Bett, dann auf mich. Na, wie wärs?, fragte sein Blick.
Ich schüttelte wütend den Kopf. Er zuckte die Schultern.

"Hör zu." Lynx fing an zu sprechen.
"Wir machen einen Deal, Menschlein", unterbrach ihn Quint.
"Du kommst mit uns mit und wir verschonen deine kleine Kumpanin, abgemacht?"

Lynx hatte wieder die Lippen aufeinandergepresst und sah mich an. Sein Blick war bohrend und stahl mir den Atem.
Lori. Sie hatten Lori.
"Madeline, bitte denk vernünftig", sagte Lynx.
Ich sah ihn entgeistert an.

"Was kann jetzt noch vernünftig sein? Die Welt geht unter, ihr seid Schuld! Euch haben wir das zu verdanken, dass die Welt am Abgrund steht!"
Quint verzog das Gesicht. "Du hast ja keine Ahnung", sagte er.

Lynx wollte einen Schritt auf mich zu machen.
"Komm mir nicht zu nahe", fauchte ich ihn an. Ich war wütend und wollte nur noch weg. Doch gab es überhaupt noch einen Ausweg? Ich sah keinen mehr. Ich war ausgeliefert.

Ich ließ den Kopf hängen und lief zur Schlafzimmertür. Die Beiden bemerkten nicht, wie ich den Schlüssel für die Tür ins Loch einsteckte. Als ich draußen war und die Beiden mir folgen wollten, knallte ich die Tür zu und drehte den Schlüssel. Das Schloss sprang an. Ich hörte Quint fluchen und wie er an der Türe rüttelte.

"Mach die verdammte Türe auf!", brüllte er.
"Vergiss es!"
Glücklicherweise hatte ich noch meine Schuhe an. Ich verließ mit schnellen Schritten meine Wohnung.
Ich versuchte gar nicht erst, wegzurennen. Stattdessen stieg ich die Treppe hinauf, bis ich am obersten Stock ankam. Dann hörte ich einen lauten Knall.
Scheiße, die Tür wurde aufgebrochen. Schnelle Schritte waren von unten zu hören.

"Du gehst nach oben. Ich schaue unten nach", sagte Quint.

Ich hörte, wie Quint verschwand. Mein Atem stockte. Die werden mich ganz sicher finden, hallte es mir durch den Kopf.
Ich kauerte auf den Boden und presste mich an die Wand.
Ganz leise versuchte ich zu sein.
Ich hörte langsame Schritte, die immer weiter nach oben kamen.
Ich sah auf.
Lynx stand einige Meter vor mir. Ich konnte sehen, wie seine gelben Augen die Gegend absuchten. Er seufzte.

"Hey! Ist sie oben?", hörte ich Quint von unten rufen. "Nein, hier ist sie nicht", antwortete Lynx laut und ging dann die Treppe runter.
Warum log er?

Ich sah ihm verwundert nach und bemerkte dann, dass ich durch meine Beine den Boden sehen konnte.
Was zur Hölle war hier los? Ich war mir sicher, dass mir ein verwirrtes "Hä?" Aus dem Mund glitt, doch ich hörte nichts.
Ich schrie los. Da war kein Ton.

Die Schritte verhallten und plötzlich flackerte mein Körper, bis ich wieder normal war. Ich summte. Ein kleines Echo war zu hören.

Remnants Of DarknessGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt