Das Mädchen sah uns überrascht an. Auch mir blieb der Mund offen stehen, als ich das Mädchen sah. Ihre Haare waren schwarz und der Teint war hell, als hätte sie seit langem kein Sonnenlicht mehr gesehen. Ihre Augen waren rot.
Nein, sie hatte nicht gekifft, ihre Iris war rot.
Wir sahen sie geschockt an und für einen Moment blieb alles stehen. Lori war kurz davor zu schreien, doch sie konnte sich beherrschen. Sie griff langsam zu ihrem Asthma-Gerät, als wäre das ihre Waffe gewesen. Die Schwarzhaarige sah sie für einen Augenblick verwirrt an, doch als sie mich sah, geschah etwas Unerwartetes: Ihr war die Furcht wie ins Gesicht geschrieben.
"Äh, Leute?", fragte sie kleinlaut und sah zur Tür.
Diese Leute waren böse. Sie wollten uns vielleicht sogar töten! Ich machte mich auf alles gefasst.
Schritte ertönten. Meiner Schätzung nach zu urteilen waren es drei weitere Personen, die sich hier aufhielten.
Doch meine Überlegungen waren falsch: Es waren zwei Personen, die den Raum betraten. Zwei junge Männer, kaum älter als Lori und ich. Der Eine, welcher etwas kleiner als der Andere war, schien der Bruder des Mädchens zu sein. Er hatte ebenfalls schwarze Haare und rote Augen. Bleiche Haut. Nur seine Kopfform war ein wenig anders als die von dem Mädchen.
Er grinste mich an. Das brachte seine weißen Zähne zum strahlen. Sein Lächeln war kühl, etwas fremd.
Der zweite Junge sah aber anders aus als die Beiden. Er hatte braune Haare und gelbliche, abgefahrene Augen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Auch er hatte eine helle Haut.
"Was für ein hübsches Menschlein", sagte der Rotäugige mit dem Grinsen. Ich wich ängstlich zurück, als er sich mir näherte, doch die Wand verhinderte mein Vorhaben. Nun stand er direkt vor mir, mein Kopf war zwischen seinen Händen, die er an die Wand presste. Sein Blick bohrte sich in den Meinen. Ich konnte Lori nicht sehen, doch ich war mir sicher, dass sie noch hier war.
"Lass sie in Ruhe, Quint."
Die tiefe Stimme des braunhaarigen Jungen versetzte mir einen Schauer.
Der Junge vor mir hiess also Quint.
Er grinste nur noch mehr.
"Was ist los, Lynx? Bist du etwa eifersüchtig?", fragte er höhnisch.
"Leute, bitte streitet euch nicht", sagte Prim leise. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet.
"Ich darf doch tun was ich will", antwortete Quint protestierend. Ich duckte mich und konnte mich von meiner Position befreien, indem ich unter Quint's Arm entlangkroch. Er sah mich gelangweilt an.
"Jetzt hab ich auch keine Lust mehr zu flirten." Sein Grinsen war weg.
Der braunhaarige Junge namens Lynx runzelte plötzlich die Stirn. "Warte", sagte er. "Wo ist Ethan?" Quint ging zur Tür. Ich starrte ihn an.
"Ethan? Wir gehen!", hallte es in meinem Kopf.
"Hey! Was zum-"
Der Feuermelder der Schule sprang plötzlich an. Lori schrie erschrocken auf und auch ich zuckte zusammen. Was zur Hölle war hier los?
Wir überraschten die drei, indem wir an ihnen vorbeirannten und so das Klassenzimmer verließen. Auf dem Gang erwartete uns eine weitere Überraschung.
Jay stand da und starrte uns an.
"Kommt mit!" Er rannte los und wir hinterher. Wir wurden nass, denn durch den Alarm wurden die Wasserstrahlen an den Decken ausgelöst. Ich wusste nicht, warum Jay hier war oder ob die anderen uns überhaupt noch verfolgten. Ich rannte einfach weiter.
Ich wusste nicht, wie lange wir gerannt waren, doch wir waren nun am See bei einer Bank. Ich saß zwischen Jay und Lori.
"Warum zur Hölle wart ihr in der Schule?", fragte Jay. Er klang etwas wütend. Ich sah ihn verwundert an. Dann klickte es bei mir.
"Du warst es, der meinen Wecker nicht klingeln ließ!", entfuhr es mir. Auch Lori sah ihn empört an. Ihr musste dann wohl das gleiche wie mir passiert sein.
"Natürlich war ich das!" Jay schnaubte. Er sah uns an, als hätten wir einen Fehler gemacht.
Ich hatte das Gefühl, dass er mehr wusste als Lori und ich.
Ich räusperte mich, denn mein Hals war ganz trocken. "Wer waren diese Leute? Kanntest du sie?", fragte ich ihn.
Er sah geradeaus in die Ferne.
"Diese Leute waren verantwortlich, dass die Schule so aussah. Ich wusste, was sie vorhatten, deshalb wollte ich nicht, dass ihr zur Schule geht. Ihr hättet sterben können."
"Dann sind diese Menschen für die Albträume verantwortlich", sagte Lori leise.
Jay atmete laut aus. "Ja, das sind sie. Aber es sind keine Menschen", dieses Wort betonte er stark, "wie du es sagst. Sie sind Monster, die nur so aussehen. Sie mischen sich unter die Menge, sodass sie nicht bemerkt werden."
Ich hob die Augenbrauen. "Aber woher weißt du das alles?"
Jay schwieg.
Ich fühlte mich wie gelähmt. "Du bist Ethan", sagte ich langsam, als würde ich das selbst nicht glauben.
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Remnants Of Darkness
Mystery / ThrillerDie Welt von Madeline gerät langsam aus den Fugen, als ihre geliebte Heimat Capital City dem Untergang geweiht ist. Eine mysteriöse Krankheit breitet sich aus: Menschen sterben an ihrer größten Angst oder verlieren vollkommen den Verstand. Hat Ethan...
