London, 2017
Am nächsten Morgen stand ich um Punkt acht Uhr vor dem Laden und wartete. Sandra hatte mich bis auf weiteres in der Schule entschuldigt und war sogar damit einverstanden, dass ich mich ein bisschen in der Stadt umhörte. Besser ging es nicht.
"Du bist ja schon da. Komm rein." Der alte Mann ließ die Tür von innen aufschwingen und winkte mich herein.
"So viel Kundschaft wie heute und gestern hatte ich in den letzten zwei Jahren nicht mehr", scherzte er. Er sah nicht mehr so betroffen von Violas Tod aus wie gestern, trotzdem hatte ich das Gefühl dass er es nur überspielte.
"Geht es ihnen besser?"
"Oh ja, ja." Er winkte ab.
"Du bist sicher hier, weil ich dir noch ein bisschen was erzählen soll, oder?"
"Ehrlich gesagt, ja. Wissen Sie, ich habe erst vor kurzem erfahren dass es diese Magie... diese ganze Welt überhaupt gibt. Und ich bin total verwirrt."
"Das kann ich mir vorstellen", lachte er. Ach ja.
"Ich selbst habe meine Fähigkeit auch erst mit acht bekommen. Aber zugegeben, ich bin in einer Magierfamilie aufgewachsen und wusste, was es heißt mit so etwas zu leben. Später bin ich dann nach Frankreich gegangen und habe Schüler unterrichtet."
"Was? Das heißt, es gibt Schulen für sowas?" Verdammt, ich wollte sofort auf so eine Schule!
"Stell dir das bloß nicht so vor wie in Harry Potter, Louise. Das war kein Spaß. Aber nein. Es gab welche. Die Zeiten sind gefährlicher geworden und eine solche Schule wäre das perfekte Ziel für einen Angriff der wahren Magier." Na klar. Jetzt gab es natürlich keine mehr. War ja typisch. Mein Enthusiasmus verschwand.
"Aber wieso hat sich Viola denn für diese Seite entschieden?" Er zuckte nur mit den Schultern.
"Schlechter Einfluss, schätze ich mal. Sie war ein Teenager, rebellisch und wollte sich von allem distanzieren. Mit fünfzehn ist sie dann abgehauen und untergetaucht. Kora ist weiter auf der Schule geblieben und hat ihren Abschluss gemacht."
"Wie viele Kinder waren denn da auf dieser Schule?"
"So um die zwanzig, die Nachbarn dachten wohl das wir ein ganz exklusives Internat für die reichsten Kinder des Landes waren, wenigstens haben sie sich nicht beschwert wenn einer unserer Schüler seine Kraft mal nicht so unter Kontrolle hatte." Er sah amüsiert aus und ich fragte mich, woran er wohl dachte.
"Das klingt toll." Ich seufzte innerlich. Ich wusste, dass ich hier nicht weiterkam.
"Kann ich dir denn irgendwie helfen, Louise?" Ich lachte matt.
"Nee, außer sie können mir sagen wo ich meine Eltern finde gerne."
Stille.
"Wie heißen denn deine Eltern?" Oh mein Gott. Mein Herz schlug schneller. Vielleicht kannte er sie ja wirklich, ich konnte schlecht einschätzen wie alt er war, achtzig oder auch schon hundert, aber er kam mir vor wie ein allwissender Guru.
"Soooo viele Magier gibt es nicht auf der Welt, oder? Und in Frankreich..."
"Na ja..."
"Estella Cartier?", schoss es aus mir heraus.
Er schluckte
"Estella Cartier. Nein." Ich schloss langsam meine Augen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben.
"Aber... ich habe schon mal etwas von den Cartiers gehört. Besser gesagt, ich bin ihm mal über den Weg gelaufen. 1985 müsste das gewesen sein... Ich bin mir ziemlich sicher, dass er eine Tochter hatte. Vielleicht hieß sie ja Estella." Konnte das wirklich sein? Mit zitternden Händen fuhr ich mir durch die Haare.
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Something like sorcery
Fantasy2.Teil der Magic-Reihe Louise hat endlich die Wahrheit über ihre telekinetischen Kräfte und ihre Herkunft herausgefunden. Sie ist außer mit ein paar Schrammen und Kratzern heil von ihrem Abenteuer zurückgekehrt und will am liebsten alles verdrängen...
