London, Dezember 2017
Wow. Hier stand ich nun, genau so schlau wie vorher. Ich konnte nicht sagen, dass meine Erfahrungen es wert gewesen waren. Ich konnte nicht einmal sagen, dass ich in irgendeiner Weise klüger geworden war als zuvor.
Klar, ich hatte endlich meine Antworten bekommen aber war es das alles wirklich wert gewesen?
Ich drückte langsam die Klinke hinunter und machte mich auf den Anblick gefasst, der mich erwarten würde.
Die Tür schwang lautlos auf und obwohl ich mir noch eine Sekunde zuvor so sicher gewesen war, dass ich das nicht schaffen würde, war das hier doch nicht vorauszusehen gewesen.
Sandra und Chris saßen an einer Tischgruppe in der Mitte des Raumes und sahen sofort auf, als sie mich in der Tür sahen. Sandra sprang auf und stürzte auf mich zu, doch falls ich Vorwürfe erwartete, hatte ich falsch gelegen. Sie nahm mich so fest in den Arm, dass ich meinte, fast erdrückt zu werden und begann, leise zu schluchzen.
"Du bist wieder da."
Während Sandra mich fast erdrückte lag mein Blick auf Chris, der mich nur mit müdem Lächeln ansah. Ich meinte, auch seine Augen leicht schimmern zu sehen und konnte nicht anders, als ebenfalls eine Freudenträne zu vergießen.
Eine Weile lang sagte keiner von uns etwas und auch ich traute mich nicht, diese fast schon hoffnungsvolle Stille, die über uns lag, zu zerbrechen. Dann ließ Sandra mich los und hielt mich einige Zentimeter von sich weg, um mich eingehend zu mustern.
"Was auch immer das war, Lou... Wir werden zu Hause in Ruhe darüber reden, in Ordnung?" Ich nickte als Antwort.
"Wie... wie geht es euch?"
"Jetzt wieder gut. Du hast ja keine Ahnung, wie viele Sorgen wir uns gemacht haben!" Sie schüttelte meinen Arm und ich hob abwehrend die Hände hoch.
"Hey, wir reden zu Hause darüber, hast du doch eben selber gesagt!"
Chris stand auf und sah mich nur lange an, bevor er einen Arm um mich legte und mich auch an sich drückte.
"Tu das nie wieder." Ich schloss die Augen und fühlte mich plötzlich um so viele Jahre zurückversetzt. Es fühlte sich fast so an, als könnte alles wieder normal werden. Genau so wie vorher. Aber tief in mir wusste ich, dass das Unfug war. Ich hatte zu viel erfahren, um damit einfach so weiterzuleben. Es gab kein zurück mehr.
~~~
"Soll ich anfangen?", begann Sandra, als wir uns alle auf der Couch versammelt hatten und ich gerade an einem der Kekse knabberte, die auf dem Couchtisch zum Verzehr bereit standen. Diese Couch entwickelte sich langsam zum Krisentisch der Familie -Cartier.
Bevor wir die australische Botschaft verlassen hatten, hatte es noch einen ganzen Stapel Papierkram zu erledigen gegeben, meine Adoptiveltern mussten einen Haufen Zettel unterschreiben auf denen stand, dass sie mich jetzt wieder mit nach Hause nehmen würden und dass ich ihrem Sorgerecht unterstand.
Außerdem durfte ich die Stadt bis auf weiteres nicht verlassen, da ich immer noch von der Polizei verhört werden sollte. Anscheinend nahmen sie an, dass ich und Emily von Viola entführt worden waren und uns dann zusammen befreien konnten. Warum und wieso wir, war für die Polizei immer noch ein Rätsel.
"Ich habe ihnen nichts davon erzählt. Von dem, was auch immer da... mit dir passiert ist." Sandra meinte meine Kräfte, die ich, aus Versehen, in ihrem Beisein benutzt hatte.
Es überraschte mich, denn ich hatte Sandras Reaktion nach erwartet dass das Erste, was sie tun würde wäre, zur Polizei zu gehen.
"Ich habe lange darüber nachgedacht, Lou. Habe mir Nächte lang den Kopf darüber zerbrochen. Schließlich bin ich zu dem Schluss gelangt, dass es nichts bringt, etwas zu leugnen. Selbst wenn wir etwas nicht glauben wollen müssen wir es akzeptieren", beendete sie schließlich.
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Something like sorcery
Fantasía2.Teil der Magic-Reihe Louise hat endlich die Wahrheit über ihre telekinetischen Kräfte und ihre Herkunft herausgefunden. Sie ist außer mit ein paar Schrammen und Kratzern heil von ihrem Abenteuer zurückgekehrt und will am liebsten alles verdrängen...
