Stolperfalle

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Sibirien, 30.Januar

Da der restlicheTag aus unerfindlichen Gründen unproduktiv war, hatten wir uns heute versprochen uns zusammenzusetzen und einen Plan auszubrüten. Was wir in diesem Moment taten.

„Bist du sicher dass dein Zimmer nicht überwacht wird?", fragte ich Alex unsicher, als er gerade davor war uns seinen bestimmt sensationell ausgeklügelten Plan mitzuteilen.

„Ganz sicher. Niemand würde sich trauen Violas Neffen abzuhören." Okay, das machte Sinn.

„Aaaalso... das hier sind wir." Alex zeigte auf einen Punkt auf der Karte, auf der ein riesiges Netz aus Gängen, Räumen und nochmal Gängen zu sehen war. Ach ja, und das dann mal zehn Stockwerke. Ganz genau wie ich mir das Versteck der wahren Magier vorgestellt hatte. „Und dein Vater ist meistens hier unterwegs", er drehte den Plan um. „Das ist das unterste Stockwerk, alias das meist gesichertste." War ja nicht so als ob wir nicht schon genug Probleme hätten.

„Und wie zur Hölle willst du da hin?"

„Ganz einfach." Alex grinste und hob seine Hand. „Hiermit." Ach, war ja klar, die Scanner.

„Und wir? Sollen wir einfach hier sitzen und warten?", fragte Philippe aufgebracht. Das war das, was auch mir in den Sinn gekommen war. Gene, vermutete ich mal.

„Nein, quatsch. Ihr geht einfach mit." Er machte eine Pause. „Natürlich nicht offensichtlich. Eher... unsichtbar."
„Unsichtbar?", fragte ich ungläubig nach.
„Unsichtbar... davon hab ich schon mal gehört! Moment, wo war das? Dubai? Egal, auf jeden Fall hat eine Freundin von einem Freund mir erzählt, dass sie da so einen kennt, der diesen Trick draufhat? Krass, oder?"

„Philine hat Recht, Lou. Das wäre ein Kinderspiel für dich, in Anbetracht dessen was du schon geschafft hast." Ich war immer noch zu überrascht um zu verstehen.

„Aber das ist doch unmöglich, Alex! Wie..."
„Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Du manipulierst die Luftmoleküle um dich herum und hinderst die einfallen Lichtstrahlen daran, zu reflektieren. Das Bild wäre zwar bei genauerem Hinsehen brüchig, aber die meisten sehen nicht genau hin."
„Okay, damit ich das jetzt genau verstehe... ich soll mich unsichtbar machen? Und bis wann, morgen? Und da gibt es doch garantiert noch einen Haken, oder?" Es gab immer einen Haken.

„Na ja, du müsstest nicht nur dich unsichtbar machen. Außer Philine bleibt freiwillig hier."

„Ausgeschlossen", meldete die sich zu Wort. Ich seufzte. 
„Und Lou... wenn das bis heute Abend klappt, wäre das fantastisch. Die Codes deines Vaters sind nämlich immer gegen Abend notiert worden. Ja, jetzt war es offiziell. Ich war so was von geliefert.

„Komm, du schaffst das Lou!" Ich schnaubte verächtlich bei Philines enthusiastischen Anfeuerungsversuchen.

„Du hast leicht reden." Seit dem ich von Alex'unfassbar naivem Plan erfahren hatte übte ich unentwegt. Fortschritte: null. „Ich kann das einfach nicht, seht es doch ein!" Alex legte mir einen Arm um die Schultern und gab mir einen Kuss auf die Wange.

„Du konzentrierst dich nicht. Stell es dir bildlich vor: alles in unserer Magie hängt mit Manipulation zusammen. Siehst du die Luftmoleküle vor dir?" Nein, tat ich nicht. Da ich noch nie so ein bescheuertes Molekül persönlich getroffen hatte. Wir standen immer noch in Alex'Zimmer und ich hatte nur noch eine halbe Stunde, um diesen bescheuerten Trick zu erlernen. Ansonsten riskierten wir alles, ein Tag länger war gefährlich. Aber machbar, hatte Alex gesagt. Trotzdem wollte ich die beiden nicht in Gefahr bringen, außerdem hatte ich Ehrgeiz, den von Alex beschriebenen Trick zu erlernen. So schnell gab ich nicht auf, außerdem übte ich auch erst seit drei Stunden.

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