Das Mysterium Happy-End

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Paris, 6.Januar 2018

Das, was mich am meisten schockierte war, dass er noch genau so aussah, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Okay, es waren zwar nur ein paar Monate vergangen aber wenn er sich wenigstens die Haare abrasiert hätte, sich einen Bart wachsen lassen hätte oder sonst was, würde ich mich nicht so zurückversetzt fühlen. Auf einmal war ich wieder in Australien, wir saßen in der Küche seiner Tante und er erzählte mir einen Witz.

Dass das nur eine lästige Erinnerung war wurde mir spätestens klar, als Philine mich schüttelte.

„Louise! Mein Gott, du bist ja voll weggetreten. Wir müssen dich hier schnellstens raus bringen!" Dabei lag es doch nicht nur an den Drogen, sondern an Alex, meinem Ex oder wie auch immer wir verblieben waren. Und ich musste handeln, das wurde mir klar, denn ich würde diese Gelegenheit, ihm mal so richtig meine Meinung zu sagen sicher nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Ich riss mich etwas unbeholfen von Philine los und stolperte Alex nach, der gerade vorbeigegangen war. Ich stürzte ihm nach, streckte meine Arme aus und riss ihn damit zu Boden. Die Blumen die sich um uns herum aus dem Parkett bohrten fielen augenblicklich in sich zusammen und hinterließen einen Dunst in der Luft, der mir für einen kurzen Moment die Sicht nahm. Als sich die Luft wieder klärte sah ich in Alex' überraschtes Gesicht. Na ja, überrascht traf es nicht ganz sondern eher panisch, erschrocken und verwirrt zugleich.

„Lou..." Wie lange hatte ich mir erträumt, dass er meinen Namen wieder aussprach, derselbe Alex der... Stop. Das hier war nicht mein Alex. Er war...

„Au!" Ja, ich hatte ausgeholt und ihm eine Ohrfeige gegeben. Verdient, wie ich fand. Wir saßen wie zwei kleine Kinder auf dem Boden, die Leute um uns herum warfen uns irritierte Blicke zu, beachteten uns jedoch glücklicherweise nicht weiter.

„Du... du... Arsch!" Ich hätte in diesem Moment gerne ein Wort gefunden, das ihm all den Schmerz, den er mir angetan hatte zurückgab, aber mir fiel nur das ein. Alex sah immer noch ziemlich schockiert aus, mich hier getroffen zu haben und machte keine Anstalten mich zu unterbrechen.

„Ich dachte du liebst mich, Alex! Ja, kitschige Liebe, aber ich kann einfach nicht fassen dass du so eine Arsch bist! Du bist weggelaufen und hast mich deiner Tante ausgeliefert! Aber wahrscheinlich war es genau das, was du wolltest, oder? Und weißt du was, Glückwunsch! Du hast es fast geschafft, sie hätte mich beinahe umgebracht!" Und Emily bestimmt auch. Hier auf dem Boden war es einfacher mich auf die Worte zu konzentrieren, die ich mir schon so viele Male durch den Kopf hatte gehen lassen, gefeilt und spitz genug, ihn direkt ins Herz zu treffen.

„Ich will gar nicht wissen warum du es getan hast, okay? Es ist mir egal, du bist mir egal, aber sag mir nur eins: hat es sich gelohnt?" Ich schluckte und unterdrückte die Tränen, die mir während meines Monologes in die Augen gestiegen waren. Vielleicht war ich deswegen auch nicht gegen die Worte gewappnet, die er erwiderte.

„Von was zum Teufel redest du, Louise?"

„Soll das ein Witz sein? Du hast nicht einmal dafür eine Antwort? Du bist noch viel jämmerlicher als ich gedacht habe, Alexander!" Ich wollte aufstehen, aber Alex fasste mich am Handgelenk und zwang mich so, sitzen zu bleiben.

„Lou, ich habe keine Ahnung was du damit meinst. Es tut mir Leid, was auch immer du von mir denkst. Aber es ist die Wahrheit: ich bin heilfroh dich endlich gefunden zu haben! Du hast ja keine Ahnung wie lange ich nach dir gesucht habe!" Ich versuchte ihn mit meinen Blicken zu erdolchen.

„Fang gar nicht erst damit an! Und lass mich los!" Ich würde hier keine weitere Sekunde bleiben, das stand fest. Ich suchte nach Philine, die mich aus einiger Entfernung amüsiert beobachtete.

Something like sorceryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt