22. Kapitel

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22. Kapitel

Es dauert nicht lange bis das neue Schuljahr beginnt. Es dauert nicht lange bis ich meine Mathematikprüfung antreten werde, für die ich so lange gepaukt habe. Es ist unglaublich, wie schnell die Ferien vergangen sind und wie viel ich eigentlich dazu gelernt habe. Ich habe das Gefühl, als ob ich mich zu einem neuen Menschen transformiert habe. Viele Leute haben mich nach meiner Ankunft zu Partys eingeladen, jedoch hatte ich nicht die Lust, überhaupt auf eine zu gehen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich früher sofort zugesagt, doch heute ist mir das ziemlich egal. 

Es kommt nicht darauf an, beliebt zu sein und sich auf jeder Party zu betrinken, nur um anderen zu gefallen. Es ist wichtig, dass man sich selber wohl fühlt und das Gefühl hat, das Richtige zu machen. Seit ich Harry getroffen habe, nehme ich meine Umgebung ganz anders wahr und ich bin glücklich darüber, denn ich habe gemerkt, wie giftig die Menschen, mit denen ich früher zu tun hatte, waren. Traurig ist die Tatsache, dass es 18 Jahre gedauert hat bis ich das begriffen habe. Ich habe mich zusammengerauft, mir vorgenommen, diese Menschen nicht mehr an mich ranzulassen und kümmere mich darum, dass ich das tue, was mir gefällt und nichts, um anderen einen Gefallen zu machen. 

Und nun sitze ich am Samstag Abend in meinem Zimmer und übe einige Beispiele für meine Matheprüfung. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich das einmal sagen werde, aber der Stoff sitzt. Er sitzt tatsächlich. Und das dank Harry, ohne dem ich jetzt wirklich verzweifeln würde. Als meine Gedanken zu ihm wandern, greife ich nach meinem Handy. Seit ich aus Irland zurückgekehrt bin, haben wir jeden Tag geschrieben oder telefoniert. Ich vermisse ihn wirklich sehr, doch er hat mir versprochen, dass er mich bald hier in London besuchen wird und das ist so ziemlich eines der wenigen Lichtblicke in meinem Leben. 

Ich drücke auf seinen Chat und überlege, was ich ihm schreiben könnte. Als letztes hat er mir geschrieben, dass er mit Alex und Niall zum Strand fahren und Volleyball spielen wird. Dies ist nun drei Stunden her, ob er wieder daheim ist? Aus diesem Grund beschließe ich, ihm zu schreiben und frage ihn, ob er schon daheim ist. In der Zwischenzeit gehe ich duschen und ziehe mir einen gemütlichen Pyjama an und renne schon fast zu meinem Handy, um zu schauen, ob er mir schon zurückgeschrieben und tatsächlich. Er hat mir geantwortet. 

Er informiert mich darüber, dass sie gerade auf dem Heimweg sind und erkundigt sich bei mir, wie es mit dem Lernen aussieht. Aus irgendeinem Grund muss ich immer lächeln, wenn er mir schreibt. Muss ziemlich idiotisch aussehen, doch ich kann mir nicht helfen. Er hat mir den Kopf verdreht. Ich antworte damit, dass bis jetzt alles gut verläuft und dass ich zuversichtlich bin, dass ich die Prüfung schaffe. Wir schreiben die ganze Zeit bis ich irgendwann vor meinem Handy einschlafe. 

Zwei Tage später ist der erste Schultag und die Prüfung, für die ich mich so lange vorbereitet habe. Als ich in der Schule sitze, habe ich das Gefühl, dass sich mein Magen gleich umdreht. Ich will es einfach hinter mich bringen und es auch schaffen, immerhin habe ich mich da wirklich reingehängt. In Gedanken gehe ich nochmal die wichtigsten Formeln durch, als ich dabei unterbrochen werde, da mein Name aufgerufen wird. Ich atme noch einmal tief ein bevor ich den Raum betrete. Dies entscheidet, ob ich in die Abschlussklasse aufsteigen kann oder nicht, also bin ich dementsprechend supernervös. 

Als ich den Prüfungsbogen vor mir liegen habe, versuche ich, mich etwas zu beruhigen und schlage die erste Seite auf. Ich bearbeite die Aufgabenstellungen nacheinander ab und muss sagen, dass ich ein ziemlich gutes Gefühl dabei habe. Zwar stolpere ich über kleine Hürden, doch an daran sollte es nicht scheitern und ich merke, welche Last mir von den Schultern fällt, als ich den Prüfungsbogen abgebe. Ich werde die Resultate in ungefähr zwei Stunden erfahren, weswegen ich mich in die Mensa setze und mir einen Tee hole. Ich kann es kaum abwarten, Harry zu schreiben, wie es gelaufen ist, er hat mir heute Morgen viel Glück gewünscht und hat mich darum gebeten, ihm sofort Bescheid zu geben, wie es gelaufen ist. Da Emojis mehr sagen als tausend Worte schicke ich ihm gefühlte 100 glückliche Smileys. Ich muss auch nicht lange auf eine Antwort von ihm warten, denn er versteht sofort und schickt mir hunderte Emojis zurück. 

Die zwei Stunden vergehen wie im Fluge und ich bin auf dem Weg, meine Resultate zu erfahren. Obwohl es mir eigentlich gut ging, bin ich trotzdem nervös. Die Resultate sind in Papierform an einem Brett aufgehängt worden, da auch andere Schüler Prüfungen geschrieben haben. Sofort halte ich Ausschaue nach meinem Namen und kriege beinahe einen Herzinfarkt, als ich sehe, dass ich es tatsächlich geschafft habe und nun offiziell in der Abschlussklasse bin. Am liebsten würde ich das ganze Gebäude zusammenschreien, so glücklich bin ich. Die harte Arbeit hat sich tatsächlich gelohnt. 

Meine gute Laune wird getrübt, als ich gerade das Gebäude verlassen will und eine Person erblicke, der ich eigentlich nie wieder über den Weg laufen wollte. Marc. Ich tue so, als ob ich ihn gesehen hätte und will mich an ihm vorbeischleichen, doch leider entdeckt er mich. "Flo!"

Oh nein, bitte nicht. 

Mit einem genervten Seufzen wende ich  mich an ihn und er begrüßt mich seinem charmanten Grinse, das ich ihm am liebsten aus dem Gesicht austreiben will. "Lange nicht gesehen." Er steckt sich seine Hände in die Hosentaschen und legt seinen Kopf schief. "Hat mich nicht gestört." Er kichert leise. "Ach, komm schon Flo, du meinst es doch  nicht so. Was ist denn mit dir passiert? Du hast dich auf den letzten Partys nicht blicken lassen!"

Ich trete einen Schritt zurück und verschränke meine Arme. "Hat viele Gründe gehabt, doch der Hauptgrund war, dass ich dich nicht sehen wollte!" Er kommt mir einen Schritt näher, doch erneut trete ich zurück. "Ach, komm schon. Du vermisst die Zeit mit mir doch auch, ich weiß es." 

Nun bin ich diejenige, die auflacht. "Denkst du das? Du hast mich betrogen. Du hast mich nicht genommen, wie ich war. Weißt du eigentlich, dass ich in deiner Nähe immer so angespannt war, weil ich nichts Falsches machen wollte? Weil ich dachte, dass du mich dann dafür verurteilst? Ich habe mich die ganze Zeit verstellt, weil du egozentrisches Arschloch jeden für alles verurteilst. Und weißt du was das Traurigste ist? Dass ich so viele Monate damit verbracht habe, deinen Ansprüchen gerecht zu werden, aber weißt du was? Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich das nicht nötig habe. Du solltest dich einmal vielleicht darüber nachdenken, wie du andere Menschen behandelst, sonst sehe ich echt schwarz für deine Zukunft."

Ich hole tief Luft, nachdem ich ihm gesagt habe, was mir alles auf der Seele lastet. Für ein paar Sekunden ist es still zwischen uns, er scheint zu überlegen, was er darauf antworten sollte. Anders als erwartet bleibt er still und geht an mir vorbei, ohne irgendwas zu sagen. Ich blicke ihm hinterher, doch bleibe ebenfalls still. Es war befreiend, ihm all dies zu sagen.

Ich mache mich auf den Weg nach Hause und freue mich schon darauf, mich in die Badewanne zu legen und zu entspannen. Doch davor muss ich Harry darüber informieren, dass ich dank seiner Hilfe, meine Prüfung geschafft habe. 


Sooooo, ich bin wieder daaaa! Es ist ziemlich viel Zeit vergangen, um genau zu sein 9 Monate, seit ich das letzte Mal geschrieben habe und ich möchte mich dafür bei euch entschuldigen. Ihr seid so tolle Leser und gebt mir tolles Feedback, weswegen es mir umso mehr leid tut, dass ihr so lange warten musstet. Nur mache ich grad die Matura und das ist ne ziemlich stressige Zeit :/ Never mind, ich war am Dienstag auf dem Harry Styles Konzert in München und habe da wieder richtig Lust bekommen, zu schreiben :D Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und keine Sorge, Flo und Harry werden bald wieder zueinanderfinden :D


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